Ist es in Hellern heller als anderswo?

Hellern ist einmalig, denn kein anderer Ort in Deutschland trägt diesen Namen. Es gibt dort sicher viele helle Köpfe, aber heller als anderswo ist es in dem Stadtteil, der bis 1972 ein eigenständiges Dorf im Osnabrücker Land war, nun auch nicht. Vielmehr muss man von einem sehr alten Namen mit germanischem Ursprung ausgehen.

Hellern befindet sich zwischen den Ausläufern des Teutoburger Waldes und des Wiehengebirges südwestlich von Osnabrück. Es liegt in einer fruchtbaren Niederung mit Schieferton und Löss. Dort, wo heute die Wihokirche steht, findet man auf alten Karten eine Ziegelei eingezeichnet. In der inzwischen stillgelegten Tongrube wurden sogar Fossilien entdeckt, die im Naturwissenschaftlichen Museum zu finden sind. Dort, wo die Straße nach Lengerich die Düte überquert, lag im 8. Jahrhundert eine dorfähnliche Gruppensiedlung. Zu der Zeit war sie bekannt unter dem Namen Helren. Die ersten Siedler hatten sich auf dem Haunhorst niedergelassen, heute bezeichnet man diesen Bereich als Blankenburg. Der Namensforscher Jürgen Udolph hat herausgefunden, dass die Grundform des Namens auf „Hal“ zurückzuführen ist – ein Wort mit der Bedeutung „Schräge“.

Nach dem ersten schriftlichen Beleg wurde das –a- in ein –e- abgeschwächt, also in Hel. Im 15. Jahrhundert entstand zusätzlich aus einem „l“ oder auch aus einem „Doppel-l“ ein „ld“, sodass aus Hal über Hel, Helle und Helleren etwa um 1450 der Name Helderen gebräuchlich wurde. Im Sprachgebrauch setzte sich aber Hellern durch, eine Form, die sich seit dem 15. Jahrhundert nicht mehr verändert hat. Als Helle wurde eine abschüssige Stelle bezeichnet. Wenn man sich die topografische Karte von Hellern ansieht, so ist auf Grund der Höhenlinien offensichtlich, dass sich dieser Ort in einer ausgeprägten Hanglage befindet. Warum aber haben die Helleraner gerade an dieser Stelle gesiedelt? Dörfer entstanden häufig an Handelswegen – auch Hellwege genannt, die von Ost nach West zwischen Münster und Osnabrück über den Lengericher Pass führten. Ebenso in Nord-Süd-Richtung von Iburg über die Fernhandelsstraße nach Wiedenbrück.

Hellwege an den Hängen und Schrägen deutscher Mittelgebirge wurden auch Hohlwege oder Abhangswege genannt, da sie an Halden entlang führten. Auch hier taucht wieder die Grundform Hal(de) auf. Und die Erklärung von Udolph über die Bedeutung des Namens Hellern wird vermutlich bestätigt.
Abschließend noch ein Trost für die Helleraner, dass ihr Ortsname nichts mit dem Totenreich „Hel“ zu tun hat. Dieser Begriff hängt nach den Recherchen der Namensforscherin Dr. Kirstin Casemir mit der Grundform „helan“ zusammen, die „verbergen“ bedeutet. Die Hellwege sind somit keine Wege, die in die Hölle führen.

Ausgabe 11, 3/2015 | Autor: Ebba Ehrnsberger

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