Wann wurden Fußlümmel zu Volkshelden?

Woche für Woche ziehen die Fußballstadien zehntausende begeisterte Fans an. Vor 100 Jahren sah das völlig anders aus. Auch in Osnabrück wurden Freunde des runden Leders als „Fußlümmel“ oder Träger der „englischen Krankheit“ beschimpft. In seinem Buch „Fußlümmel und Lila-Weiße“ beschreibt Heiko Schulze die Geschichte des Osnabrücker Fußballs, die im späten 19. Jahrhundert begann.

1899 wurde einer der Vorgängervereine des VfL gegründet, doch bis die neue Sportart die Massen begeisterte, dauerte es noch Jahrzehnte. Wie schwierig dieser Weg war, zeigt Schulzes Hauptquelle, ein Band mit Aufzeichnungen des späteren Lehrers Friedel Hunecke.

Wer war mit dem Fußball „passionabel verwachsen“?

Friedel Hunecke wurde am 3. März 1898 in der Großen Straße geboren. Erst sechs Tage später erschien sein Vater, der Friseur Georg Hunecke, auf dem Standesamt und vermeldete, dass seine Frau Elisabeth einen Sohn geboren habe. Aus Friedel wurde ein begeisterter Sportler, der zwischen 1918 und 1968 die Entwicklung des Fußballs in der Region entscheidend prägte. „Mit sechs Jahren erlernte ich bereits das Schwimmen und besuchte jahrelang täglich das Osnabrücker Hallenschwimmbad. Neben dem Schwimmsport begeisterte mich das Fußballspiel, das zwar zu damaliger Zeit von der breiten Masse des Volkes als rohes Spiel verpönt war“, schrieb Hunecke in seinen Notizen, die über den Hagener Heimatforscher Rainer Rottmann zu Bernhard Lanfer, einem der Leiter des VfL-Museums, und schließlich zu Heiko Schulze gelangten. Huneckes Vater schenkte seinem Sohn zu Weihnachten 1908 das erste Paar Fußballschuhe. Doch Jugendmannschaften gab es nicht. Auch sechs Jahre später war es Friedel und seinen Kameraden noch streng verboten, einer Vereinsmannschaft beizutreten, da sonst der Ausschluss aus der Schule drohte. Anfang 1919 traf sich Hunecke mit anderen Kriegsheimkehrern im Kaiser-Café

am Nikolaiort und gründete die „Osnabrücker Sportvereinigung“. Nachdem diese sich 1920 dem Osnabrücker Turnverein anschloss, begann Huneckes erfolgreichste Zeit. Als Mittelläufer, eine Position die vielen besser als Vorstopper bekannt sein dürfte, sorgte er in der noch jungen Szene für Aufsehen. Im April 1924 fusionierten der „Osnabrücker Ballspiel-Verein 99“ und der Klub „Spiel und Sport“ zuerst unter den Namen „Spiel und Sport“ und nach einem Jahr zum „Verein für Leibesübungen von 1899 Osnabrück“, kurz VfL. Der neu gegründete Verein unterrichtete die Öffentlichkeit alsbald über die Qualitäten einzelner Spieler. Zu Hunecke hieß es: „Hunecke ist der alte Kämpe und zeigt ebenfalls durch sein lückenloses Erscheinen auf dem Kampffelde, daß er mit dem Fußball passionabel verwachsen ist. Seine spielerischen Fähigkeiten wechseln von Spiel zu Spiel.“ Der Fußball fand nun immer mehr Anhänger und wurde innerhalb weniger Jahre zum regelrechten Volkssport. Als der VfL am 26. Februar 1939 seinen legendären 3:0-Sieg gegen den Deutschen Meister Hannover 96 feierte, drängen sich rund um das Spielfeld 18.000 Zuschauer. Anfang der 1950er Jahre spielten mit dem VfL und Eintracht Osnabrück dann gleich zwei Vereine aus der Hasestadt in der damals erstklassigen Oberliga Nord und später gelang auch noch TuS Haste der Sprung in die seinerzeit immerhin zweitklassige Regionalliga. Friedel Hunecke wurde nach seiner Osnabrücker Zeit Lehrer an der Katholischen Volksschule in Hagen a.T.W. sowie Spielertrainer der DJK Hagen. Dem Fußball blieb er bis zu seinem Tode eng verbunden.

Das Buch

Friedel Huneckes persönliche Notizen bilden die Basis des Buches „Fußlümmel und Lila-Weiße“, das 160 Seiten, mehr als 120 Fotos und viele Reproduktionen enthält. Nur durch die finanzielle Hilfe mehrerer Stiftungen und durch freiwillige Unterstützung aller Beteiligten war es dem VfL Museum möglich, das Buch herauszugeben. Es ist natürlich für „18,99“ Euro – unter anderem in beiden Fanshops des VfL Osnabrück, sowie in der Buchhandlung Wenner erhältlich.

Ausgabe 13, 1/2016 | Autor: Nils Beumer

Bildnachweise

Bilder: ©Bernhard Lanfer/VfL-Museum