Angekommen? Geflüchtete in Stadt und Landkreis Osnabrück

Im Rahmen einer Projektarbeit beschäftigten sich Studierende der Hochschule Osnabrück im Sommersemester 2016 mit verschiedenen Fragestellungen zum Thema Ankunft und Integration der Flüchtlinge in Osnabrück. Dabei wurden auch Verbesserungsvorschläge für die aktuelle Situation erarbeitet.

Durch Interviews mit Organisationen und Geflüchteten wurde die allgemeine Zufriedenheit mit der Flüchtlingsarbeit in Stadt und Land Osnabrück untersucht. In vielen Lebensbereichen bewerteten die befragten Geflüchteten die Angebote als sehr gut, hier fielen vor allem die Sektoren Sport und Bildung auf. Dies bestätigte sich auch in Interviews mit verschiedenen Bildungseinrichtungen in Stadt und Landkreis Osnabrück. Für Geflüchtete werden Sprachlernklassen angeboten, um später am Regelunterricht teilnehmen zu können. Zudem bieten die Schulen auch kulturelle Programme, an denen Geflüchtete teilnehmen und Kontakte knüpfen können. Auch Sportangebote bieten eine gute Plattform für Integration, da im Gegensatz zu vielen anderen Bereichen des Alltags die Sprache hier keine große Barriere darstellt. Um als Geflüchteter in Deutschland einer Arbeit nachgehen zu dürfen, muss entweder sein Asylantrag angenommen worden sein – oder der Asylantrag wurde vor drei Monaten gestellt, aber noch nicht bewilligt.

Herausforderung oder Chance
für den Arbeitsmarkt?

Perspektive ist ein Wort, von dem für viele Geflüchtete die Zukunft abhängt. Niemand weiß, wann und ob sie in ihr Heimatland zurückkehren können oder aber müssen.

Die Integration in den Arbeitsmarkt stellt für sie und auch für die Region Osnabrück eine große Herausforderung dar. „Die Sprache, eine sichere Aufenthaltsdauer sowie ein nachgewiesenes Herkunftsland sind in den Unternehmen für die Einstellung von Flüchtlingen von großer Bedeutung“, erklärt Sonja Splittstößer von der Industrie- und Handelskammer Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim. Durch spezifische Maßnahmen wie beispielsweise PerF (Perspektive für Flüchtlinge) versucht die Bundesagentur für Arbeit zudem, Geflüchteten die Integration in den Arbeitsmarkt zu erleichtern, indem berufsbezogene Sprachkenntnisse und Praktika vermittelt werden. Außerdem solle Geflüchteten dadurch das duale Ausbildungssystem näher gebracht werden.

 38 Geflüchtete haben 2015 eine Ausbildung in der Region Osnabrück begonnen und sich somit erfolgreich in den Arbeitsmarkt integrieren können. Durch Gasthörerprogramme und Sprachkurse beteiligen sich auch die Hochschule und Universität Osnabrück an der Integration. Sie ermöglichen Geflüchteten Vorlesungen kostenfrei zu besuchen und unterstützen sie bei einer gezielten Bewerbung und auch in anderen Fragen rund um das Studium. 75% (ca. 1.650) der Geflüchteten in Osnabrück sind arbeitsfähig, doch auf Grund der zuvor genannten Faktoren konnten im ersten Quartal 2016 lediglich 14 Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Innerhalb der nächsten fünf Jahre rechnet man aber damit, dass sich bereits 40% in den Arbeitsmarkt integrieren können, langfristig sogar 70%. Durch gezielte Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit, der Hochschule und Universität Osnabrück sowie der IHK wird die Herausforderung Integration zu einer Chance für Unternehmen und Wirtschaft.

Was kann verbessert werden?

Während der Recherche wurde außerdem deutlich, dass in einigen Bereichen noch deutliches Verbesserungspotential besteht. Sowohl Organisationen als auch Flüchtlinge kritisierten die unzureichende Koordination und Kommunikation zwischen den Beteiligten, die oft zu Doppelstrukturen und Unklarheiten führt. Es wurden verschiedene Verbesserungsvorschläge erarbeitet – von der Bildung einer zentralen Anlaufstelle bis zur Einrichtung eines Übersetzungsbüros. Die Studierenden entwickelten überdies das Grundkonzept für eine Website, auf der Geflüchtete sich über die bestehenden Angebote informieren und austauschen, Helfer für ehrenamtliche Mithilfewerben und Organisationen sich für gemeinsame Projekte zusammenschließen können. Eine solche Koordinierungsinstanz würde die Koordination zwischen den verschiedenen Organisationen, die Verteilung von Ehrenamtlichen und Dolmetschern und die Aufklärung der Bürger verbessern.

Ausgabe 14, 2/2016 | Autor: Beitrag der Redaktion

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