Warum hat die Hochschule einen Korruptionspräventionsbeauftragten?

Nicht nur Regierungen und Unternehmen müssen sich dem Thema Korruption stellen. Auch Hochschulen wollen sich vor zwielichtigen Vereinbarungen schützen und bieten ihren Mitgliedern ein entsprechendes Beratungsangebot.

„Im letzten Jahr gab es mehr als zehn Anfragen zu diesem Themenkomplex“, so der Korruptionspräventionsbeauftragte der Hochschule Osnabrück Karl-Ulrich Voß. „Das ist eine ganze Menge!“ Dabei ging es etwa um die Annahme und Verwendung von drei Flaschen Wein der Firma XY oder die Frage des Teilnehmers einer Fachtagung, ob die kostenlos angebotenen Speisen und Getränke angenommen werden dürften.
Voß bezeichnet sich schmunzelnd als „Urgestein der Hochschule“. Am 1. August 2014 war er hier 40 Jahre beschäftigt und hat unter anderem als Leiter der Geschäftsbereiche Finanz- und Gebäudemanagement gearbeitet, sowie zwei Jahre kommissarisch das Amt des hauptamtlichen Vizepräsidenten wahrgenommen. Derzeit betreut er das Ressort „Zentrale Dienste“. Das beinhaltet die „Zentrale Beschaffung“, also zum Beispiel die Ausschreibung und Auftragsvergabe zum Kauf neuer Buchscansysteme für die Bibliothek, die „Zentrale IT“, die für zentrale Datenverarbeitungsdienste der Hochschule zuständig ist sowie das Liegenschafts- und Vertragsmanagement. Karl-Ulrich Voß wurde mit dem Amt des Korruptionspräventionsbeauftragten betreut, da er

viele wichtige Sachverhalte zur Bekämpfung der Veruntreuung aus eigener Tätigkeit kennt.
Die Hochschule Osnabrück hat 2007 Regelungen zur Korruptionsprävention im Internet veröffentlicht, sich aber natürlich auch schon vorher mit diesem Thema beschäftigt. Korruptionsgefährdete Arbeitsplätze und Tätigkeitsbereiche werden in einem Gefährdungsatlas aufgeführt. Darin sind Arbeitsbereiche als gesteigert korruptionsgefährdet eingestuft, wenn deren Entscheidungen zum Beispiel bei der Vergabe von Aufträgen einen materiellen Vorteil für Auftragnehmer darstellen können.
Für ein gesichertes Vergabeverfahren werden jedem auftragsberechtigten Hochschulmitglied die budgetrelevanten Regelungen zur Verfügung gestellt. Diese legen fest, wie finanzielle Verpflichtungen auszuführen sind. Darüber hinaus erhalten neu eingestellte Professorinnen und Professoren ein rund 200 Seiten umfassendes Handbuch über Strukturen und praktische Hilfestellungen im Hochschulalltag. Es enthält auch den Link zu den Hinweisen in Sachen Korruptionsbekämpfung.
Seit sieben Jahren berät Karl-Ulrich Voß als Korruptionspräventionsbeauftragter Hochschulmitglieder, um die Sensibilität für diesen Themenbereich zu erhöhen.

Die Korruptionspräventionsbeauftragten der niedersächsischen Hochschulen tauschen ihre Erfahrungen aber auch in Dienstbesprechungen aus, die vom niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur organisiert werden.
Die Korruptionsbekämpfung sei generell ein schwieriges Thema, man könne nie ausschließen, dass im Hintergrund zwielichtige Geschäfte ablaufen. „Vieles bewegt sich in Grauzonen“, so Voß. Konkrete Hinweise auf korruptes Verhalten an den Hochschulen an sich und speziell an der Hochschule Osnabrück lägen ihm aber nicht vor

Das Bundeskriminalamt geht davon aus, dass allein im Jahr 2012 durch Korruption Schäden in Höhe von 354 Millionen Euro verursacht wurden.

Ausgabe 8, 3/2014 | Autor: Imke Schmedecker
Herr Karl-Ulrich Voß, Korruptionspräventionsbeauftragter der HS Osnabrück

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