Was wächst auf den Höfen Havannas?

Havanna, die Hauptstadt Kubas, ist bekannt für Rum, Zigarren und den langjährigen Regierungschef Fidel Castro. Nach Beginn der Wirtschaftskrise im Jahr 1990 fand jedoch ein tiefgreifender Wandel statt. Die „Rolling Stones“ sorgten jüngst für das größte Rockkonzert der kubanischen Geschichte. Aber auch die Landwirtschaft erlebte einen Umschwung.

Havanna beherbergt zurzeit rund 2.200.000 Einwohner – das sind etwa 1.000 Einwohner pro Hektar. Wenig Anbaufläche und traditionelle Formen der Landbewirtschaftung erfordern ein hohes Maß an Kreativität. Folglich weicht man auf innerstädtische Freiräume, Dächer und Höfe aus, um den Eigenbedarf an Lebensmitteln anzupflanzen. Neben dem unmittelbaren Anbau betreiben die Einwohner hier privat oder mit Hilfe der kubanischen Regierung Weiterbildung auf Nachbarschaftsebene. Sie lernen, wie man Regenwasser speichert, wie man ganzjährig konserviert oder wie man am besten Avocados anbaut. Das kann schon mal heiße Diskussionen entfachen. Eine der vielen Herausforderungen besteht darin, eine Verknüpfung zwischen Freizeit- und Bewegungsnutzungen und der urbanen Landwirtschaft zu schaffen. Schließlich will niemand auf schöne Grünflächen in der Stadt verzichten.

Wie funktioniert Wissensvermittlung
in der Nachbarschaft?

Dirk Manzke, Professor für Städtebau und Freiraumplanung, lehrt und forscht an der Hochschule Osnabrück. Sein Thema ist die Vernetzung von urbanen Atmosphären, Stadt und Grün. Stadtnahe und städtische Landwirtschaft ist darin eine wesentliche Facette. An Havanna begeistert Manzke die Leichtigkeit und Vitalität der Menschen, die schon durch viele Krisen gehen mussten. „Da sind die Gärten und Höfe der Stadt schöne Treffpunkte, an denen man sich mit den Nachbarn auch über Erfahrungen mit der städtischen Landwirtschaft austauschen und sich gegenseitig neues Wissen vermitteln kann“, berichtet der Stadtforscher.  Im Herbst fliegt Manzke ein weiteres Mal nach Kuba, um sich von der aktuellen Lage der krisengezeichneten, aber dennoch lebensfrohen Stadt ein Bild zu verschaffen.

„Hier ist auch noch einiges für Osnabrück zu lernen“, meint Manzke, denn der Fokus seines Besuchs liegt auf der Betrachtung der unter UNESCO-Schutz stehenden Altstadt. In der Zukunft sind gemeinsame Projekte geplant, die einen Austausch von Studenten aus Havanna und Osnabrück beinhalten. Wenn die kubanische Hauptstadt einen Weg findet, um nachhaltig ausreichend Nahrungsmittel zu produzieren und die Arbeitsplätze zu sichern, könnte eine weitere Krise schon im Vorfeld verhindert werden.

Ausgabe 14, 2/2016 | Autor: Rebecca Blömer
Prof. Dirk Manzke und Herrn Prof. Dr. Jorge Pena Diaz, die im Rahmen des 12. Internationalen Tages der Freiräume zusammen referierten. Teil des Workshops an diesem Tag, war die Wanderung durch den „Grünen Finger“ am Kalkhügel in Osnabrück. Hier wurden Impressionen der Landschaftsgestaltung in Osnabrück wahrgenommen und gesammelt.
Prof. Dirk Manzke und Herrn Prof. Dr. Jorge Pena Diaz, die im Rahmen des 12. Internationalen Tages der Freiräume zusammen referierten. Teil des Workshops an diesem Tag, war die Wanderung durch den „Grünen Finger“ am Kalkhügel in Osnabrück. Hier wurden Impressionen der Landschaftsgestaltung in Osnabrück wahrgenommen und gesammelt.

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Bilder Prof. © Rebecca Blömer