Wem hilft Diversity?

Die Osnabrückerin Daniela A. Ben Said arbeitet seit fast 20 Jahren als Business-Trainerin, Key-Note Speakerin und Coach. Sie hat mehrere Bücher geschrieben und mit „Quid agis*“ 1998 ein eigenes Weiterbildungsinstitut gegründet. Neben ihren Kernthemen Kundenbindung und Mitarbeiterführung beschäftigt sie sich unter dem Stichwort „Diversity“ auch mit interkultureller Kommunikation und der Integration verschiedener Gruppen in Unternehmensprozesse. Daniela A. Ben Said wurde 2008 mit dem Coaching Award und 2014 vom Magazin „Wissen + Karriere“ mit dem Titel „Female Speaker of the Year 2014“ ausgezeichnet.

Diversity bedeutet Verschiedenartigkeit, Vielfalt und Vielseitigkeit in einer Gruppe, zum Beispiel in der Belegschaft eines Unternehmens. Unterschiede in Geschlecht, Herkunft, Alter, Hautfarbe oder Religion können bereichernd, belebend und erfolgsstiftend wirken. Statt Unterschiede und Verschiedenartigkeit mit Begriffen wie „unbekannt“, „fremd“ oder gar „befremdlich“ zu belegen, zielt der Begriff Diversity auf das Positive von Vielfalt ab. Ist das Wunschdenken und graue Theorie oder bietet Diversity tatsächlich einen Mehrwert? Selbstverständlich meint Diversity nicht das Zusammenwürfeln nach dem Zufallsprinzip. Diversity setzt bei den Führungskräften entsprechendes Management-Know how und strukturiertes, planvolles Handeln voraus. Ein schönes Etikett ist noch lange kein Konzept. Das haben wir zum Beispiel bei der Frauen-Quote, der Multi-Kulti-Gesellschaft oder der Inklusion erfahren. Erst wenn Ideen gelebte Wirklichkeit werden und allen Beteiligten erkennbaren Nutzen bringen, sind sie zukunftsfähig.

Diversity beginnt im Kopf jedes einzelnen Menschen! Jeder muss sich also fragen:

• Wie offen bin ich für Neuerungen?
• Wie gehe ich mit meinen eigenen (Vor-)Urteilen um?
• Wie tolerant und offen bin ich wirklich, wenn jemand anders ist als ich – die Rollstuhlfahrerin, die Mitarbeiterin mit Kopftuch, die ältere Person, die nicht so versiert im Umgang mit den neuen Medien ist, der Quereinsteiger, die alleinerziehende Mutter oder der Kollege, der nach einem Burnout an den Arbeitsplatz zurückkehrt …?

 

 

Was muss sich ändern?

Nichts kann bleiben, wie es ist, weil sich die Gesellschaften vieler Länder in ihrer Zusammensetzung deutlich verändern. Ein Beispiel: Im 20. Jahrhundert war der durchschnittliche berufstätige Amerikaner ein 29 Jahre alter weißer Mann mit Frau und Kindern. Im Verlauf des 21. Jahrhunderts wird der durchschnittliche berufstätige Amerikaner eine über 40 Jahre alte farbige Frau. Demografischer Wandel, Globalisierung und weltweite Migration führen überall auf der Welt zu gravierenden Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur. Diese Veränderungen erzwingen in naher Zukunft Diversity auch in den Betrieben.

Warum ist Vielfalt gut?

Es gibt einen guten Grund, schon jetzt freiwillig auf Diversity zu setzen: Wir wissen aus vielen Studien, dass ein Team umso effizienter und kreativer ist, je mehr unterschiedliches Wissen und unterschiedliche Berufs- und Lebenserfahrung sich positiv vereinen. Vielfalt in den Führungsetagen macht Unternehmen nachweislich erfolgreicher! Entscheidend ist: die Abkehr vom Defizitmodell und die Hinwendung zum Kompetenzmodell! Das heißt, wir schauen nicht auf die Schwächen des Einzelnen, sondern auf seine Stärken. Jeder Mensch hat spezifische Fähigkeiten, welche für eine Gruppe bereichernd wirken! Diversity heißt: „Lasst uns voneinander lernen und nicht immer nur aufzeigen, warum etwas, „etwas anderes“, nicht funktionieren kann!“

Gibt es konkrete Tipps für Unternehmer?

1. Analysieren Sie Ihre Produkte und Kunden. Dann sorgen Sie durch unterschiedliche Testimonials dafür, dass die Produkte auch die Vielfalt der Zielgruppe ansprechen. Findet der Kunde in Ihrem Team sich und seine Wünsche wieder? Eine 30-jährige Frau weiß, was sich eine 30-jährige Frau wünscht.

2. Dimension Alter: Planen Sie rechtzeitige Übergaben von älteren an jüngere Mitarbeiter und erhalten Sie die Leistungsfähigkeit aller Beschäftigten möglichst lange aufrecht (Work-Life-Balance, Lebenslanges Lernen…)

3. Dimension Herkunft: Sorgen Sie für Schulungen der interkulturellen Kompetenz der Belegschaft. Pflegen Sie Kontakte zu ausländischen Hochschulen (z. B. in den Bereichen IT und Telekommunikation). Weiten Sie Ihre Werbung um Arbeitskräfte in fremdsprachigen Medien, in digitalen Medien und sozialen Netzwerken aus. Passen Sie das Kantinenangebot an ausländische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an (auch bei Betriebsfeiern) und stellen Sie neuen Mitarbeitern aus einem anderen Kulturkreis einen erfahrenen Mitarbeiter zur Seite um die Integration zu erleichtern.

Wie wertvoll ist Diversity?

Diversity ist sicher keine Wunderwaffe! Sie ist nicht die einzige Strategie für mehr Erfolg, aber eine unverzichtbare. Das bestätigen viele Ökonomen. Kommunikation und der Umgang mit Diversity sind zentrale Ressourcen für die Arbeitswelt der Zukunft, sagt Zukunftsforscher Matthias Horx. Talents, technology und tolerance hat Prof. Richard Florida von der Universität Pittsburgh als Strategien für Unternehmenserfolg ausgemacht. Diversity senkt die Personalkosten, weil die Mitarbeiter motivierter sind, verhindert das Vergeuden von Talenten durch Diskriminierung, sorgt für mehr Auswahl bei Neueinstellungen, optimiert die Ansprache ganz verschiedener Kundengruppen und macht international wettbewerbsfähiger. Diversity ist aus moralischen Gründen geboten, aus juristischen Gründen erforderlich und aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoll.

Ausgabe 13, 1/2016 | Autor: Daniela A. Ben Said