Wer studiert zweimal?

Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich nach dem ersten Studium weiterzubilden. Die kosten- und zeitintensivste Variante ist aber sicherlich ein Zweitstudium.

Wenn man nach sechs oder mehr Semestern die Strapazen des ersten Bachelorstudiengangs hinter sich gebracht hat, wünscht sich die innere Stimme nicht unbedingt eine direkte Wiederholung der gesamten Prozedur. Trotzdem gibt es einige Studenten, die diesen Weg beschreiten: Zwischen drei und fünf Prozent, schätzt Dr. Carsten Steinert, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Personalmanagement an der Hochschule Osnabrück. Dieses „Phänomen“, wie er es nennt, gibt es verstärkt seit dem Bologna-Prozess 1999. „Früher war ein Zweitstudium so gut wie undenkbar“, meint Steinert. „Niemand wollte sich nach einem mindestens fünfjährigen Diplom- oder Magisterstudiengang noch einmal so lange an den Schreibtisch fesseln lassen.“

Heute ist die akademische Laufbahn durch kürzere Studienzeiten deutlich flexibler. An der Osnabrücker Fakultät für Wirtschaft und Soziales fallen Ivonne Giglewicz spontan drei Studenten ein, die sich für ein Zweitstudium entschieden haben. „Viel mehr könnten es allerdings auch gar nicht werden“, weiß die Studiengangskoordinatorin. „Denn das Bewerbungsverfahren läuft über eine Sonderquote und Kohorten, in der sich die Interessenten mit anderen Bewerbergruppen die wenigen Studienplätze teilen müssen.“ Eine von ihnen ist Henrike Brockmann (30), Physiotherapeutin und Mutter von zwei Kindern. Nach ihrer Ausbildung, einem Physiotherapie-Studium sowie einiger Zeit Berufserfahrung ist sie nun wieder Erstsemester im Studiengang Betriebswirtschaft und Management an der

Hochschule Osnabrück. Die Gründe für ein Zweitstudium können vielseitig sein. Mal fordert das Berufsziel einen weiteren Studienabschluss, mal streben die Studierenden in derselben Fachrichtung einen Universitätsabschluss an. Oft geht es auch um die Verbesserung der Chancen auf dem Arbeitsmarkt. „Solange der erste Studiengang abgeschlossen wurde, ist ein Zweitstudium überhaupt kein Nachteil für die Betreffenden “, sagt Prof. Dr. Carsten Steinert.

Ausgabe 14, 2/2016 | Autor: Jonathan Hafkemeyer
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