Wie gründerfreundlich ist Osnabrück?

Mit dieser Fragestellung beschäftigten sich im Wintersemester 2015/16 acht Studierende der Hochschule Osnabrück in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung Osnabrück (WFO) und „Osnabrücker Wissen“. Dabei untersuchten sie die Motive der Jungunternehmer sowie Chancen und Risiken für Gründer in der Region. Die Ergebnisse wurden abschließend im Innovationscentrum Osnabrück vorgestellt.

Die Studenten führten zunächst Interviews mit Gründerhelfern – wie zum Beispiel der IHK, der Handwerkskammer, dem Gründerhaus und der WFO. Anschließend wurden Gründer und Start-ups aus den Bereichen „Gründungen aus Hochschulen“, „Unternehmungen aus Handwerk, Industrie und Handel“ sowie „Freiberufler“ (Ärzte, Berater, Kreative) befragt. Aus den Fragestellungen „Welche Arten und konkreten Angebote gibt es für Gründer in Osnabrück?“ und „Was fehlt oder könnte aus Sicht der Gründer verbessert werden?“ wurden positive und negative Kritiken gesammelt. Zudem entwickelten die Studenten Verbesserungsvorschläge, wie man die Gründerlandschaft in Zukunft attraktiver gestalten kann. Einer der Kritikpunkte der befragten Gründer war die fehlende konkrete Hilfe beim Ausfüllen von Fördermittelanträgen. Außerdem gibt es aus ihrer Sicht keine kostengünstige, fachspezifische Beratung (Steuerrecht, Wirtschaftsrecht etc.). Ein weiterer negativer Aspekt sei das geringe Angebot an monetären Mitteln in Osnabrück, auf welches die Gründer zurückgreifen können und das Fehlen eines Netzwerks unter jungen Gründern. Generell sei die Selbständigkeit nicht selbstverständlich genug. Im Gegensatz dazu wurden auch viele positive Aspekte von den Gründern genannt, so etwa das große und vielfältige Hilfsangebot der Gründerhelfer (IHK, WFO etc.), auf das die jungen Unternehmer bereits in der Frühphase ihres Gründungsprozesses zurückgreifen können.

Außerdem habe Osnabrück im Vergleich zu anderen Großstädten wie Hamburg, Berlin oder Köln geringe Mieten für Büro- und Arbeitsräume.

Wie können die Rahmenbedingungen für
Gründungen verbessert werden?

Nachdem alle Interviews mit den Gründern und Start-ups ausgewertet wurden, entwickelten die Studierenden Vorschläge, wie man die Gründerlandschaft in Osnabrück verbessern und attraktiver gestalten könnte. Ein Ansatzpunkt wäre die Aufnahme von Seminaren in das Programm der Gründerhelfer, bei dem wesentliche Inhalte von Anträgen individuell besprochen werden. Sprechstunden und eine „Hotline“ mit Steuerberatern, Anwälten und anderen Experten, wie zum Beispiel aus Marketing oder Controlling, würden die Gründer bereits frühzeitig beim Gründungsprozess unterstützen. Eine Veranstaltung (Business-Jam-Abend mit Gründern und Investoren), die nach Branchen gegliedert ist und bei der interessierte Risikokapitalgeber erste Kontakte mit den zukünftigen Gründern knüpfen können, könnte den Jungunternehmern den Einstieg in die Selbstständigkeit vereinfachen. Ebenfalls auf der Vorschlagsliste: Ein Stammtisch, an dem Gründer/Start-ups sich einmal in der Woche oder einmal im Monat austauschen und voneinander profitieren. Außerdem müsse die Kommunikation bzw. die Auseinandersetzung mit dem Thema

„Gründer“ in Schule, Hochschule oder Universität verbessert werden, meinten die Studierenden. Es sollten mehr Informationsveranstaltungen im und vor dem Studium angeboten werden, zudem Seminare oder Wahlpflichtmodule, in denen die Studenten einen ersten Überblick zum Thema Gründen bekommen. Der „Gründerzünder“, eine Broschüre, die als Gründerhelfer in Stadt und Landkreis Osnabrück dienen soll, wurde von der großen Mehrheit der Befragten nicht wahrgenommen. Der Inhalt müsste deutlicher markiert werden, damit der zukünftige Gründer ihn sofort erkennt.

Wie gründerfreundlich ist Osnabrück nach Betrachtung dieser Aspekte jetzt eigentlich?

Die Bedeutung von Neugründungen wird erkannt und die Stadt ist generell aufgeschlossen gegenüber diesem Thema. Es gibt eine große Angebotsvielfalt für Gründer. Sie muss aber noch besser kommuniziert und vermarktet werden. Außerdem gilt es, die Netzwerkmöglichkeiten weiter auszubauen.

Ausgabe 13, 1/2016 | Autor: Thorsten Stegemann