Wie lese ich (meinen) Text Korrektur? – Teil 2

Ob Seminararbeiten, E-Mails oder Bewerbungen: Studenten schreiben viele Texte. Ein Profi-Korrektor verrät, wie Sie dabei peinliche Rechtschreib- und Tipp-Fehler am effektivsten vermeiden.

Ausdrucken oder am Monitor korrigieren?

Wenn es um die formale Schlusskorrektur geht, ist das Ausdrucken allen ökologischen Überlegungen zum Trotz immer noch die beste Alternative. Beim Lesen auf Papier ermüden Ihre Augen nicht so schnell, und Sie können effektiver die letzten Verschreiber ausmerzen. Wenn Sie aber größere Abschnitte umschreiben oder verschieben wollen, dann bieten die modernen Textverarbeitungsprogramme sicher bequemere Werkzeuge.

Zu welchen Tricks greifen Profi-Korrekturleser?

Je länger man an einem Text arbeitet, desto subjektiver nimmt man ihn wahr. Beim erneuten Lesen sieht man dann häufig nur, was man eigentlich hätte schreiben wollen, nicht aber, was man tatsächlich geschrieben hat. Ändern Sie einfach den Schrifttyp, die Schriftgröße oder die Formatierung des Textes. So können Sie Ihren Text wieder ein bisschen wie einen fremden lesen. Sehr wichtig ist es, beim Korrigieren langsam zu lesen und jeden Buchstaben einzeln zu prüfen. Sonst tendieren wir nämlich dazu, beim Lesen gleich ganze Wörter, Wortgruppen oder Sätze zu erfassen. Kein Wunder, dass uns kleinere Vertipper dabei entgehen.
Auch lautes Lesen hilft . So lesen Sie zum einen automatisch langsamer und zum anderen können Sie noch einen zusätzlichen auditiven Kontrollmechanismus einbauen. Schlechte Formulierungen erkennt man nämlich viel leichter, wenn man die Sätze ausspricht.
Wenn es Ihnen um die reine Rechtschreib- und Tippfehlersuche geht, gibt es nichts Besseres als das Rückwärts-Lesen. Dabei können Sie sich allein auf die Schreibweise der Wörter konzentrieren und werden nicht durch ihre Bedeutung und den Wortzusammenhang abgelenkt.

Wie viel Zeit muss ich einplanen?

Die Rechnung ist recht einfach: Allein um 50 DIN-A4-Seiten zu lesen, braucht man einen bis zwei Arbeitstage. Wenn man dabei auch noch Korrekturen vornehmen will, muss man unter Umständen gleich drei bis vier Arbeitstage einplanen.
Außerdem ist es immer besser, den eigenen Text nicht sofort nach Fertigstellung zu korrigieren. Zeitlicher Abstand hilft dabei, das Geschriebene objektiver zu beurteilen.
Auch dafür sollten Sie möglichst zwei bis drei Arbeitstage einkalkulieren. Denken Sie auch daran: Wenn der Text besonders viele Korrekturen erfordert, können Sie in einem Korrekturdurchgang vermutlich nicht alle Fehler beseitigen. Dann müssen Sie die Korrektur womöglich wiederholen – was wieder Zeit in Anspruch nimmt. Schließlich kann niemand wirklich effektiv stundenlang Texte korrigieren. Sie sollten also jede halbe oder ganze Stunde unbedingt eine 5- bis 15-minütige Pause einlegen.
Dann können Sie die Augen schließen und entspannen oder den Augen Erholung gönnen, indem Sie etwa die Wolken oder andere weiter entfernte Objekte aus dem Fenster beobachten.

Welche Hilfsmittel kann ich benutzen?

Programme für automatische Rechtschreibprüfung sind heute Standard. Leider helfen Sie aber nur, die gröbsten Tipp- und Rechtschreibfehler zu beseitigen. Wenn es um Zeichensetzung, Grammatik, Stil oder Wortbedeutungen geht, lohnt sich immer noch der Griff zu klassischen Wörterbüchern sowie Stil- und Schreibratgebern.
Natürlich findet man inzwischen Antworten auf viele Sprachfragen auch online. Internet-Ressourcen wie duden.de, korrekturen.de und canoo.net enthalten viele Infos rund um deutsche Rechtschreibung und Grammatik. Wer die Rechtschreibung an der Grundquelle studieren will, kann auch unter http://rechtschreibrat.idsmannheim.de/rechtschreibung/regelwerk.htmldie amtliche Rechtschreibregelung aufrufen.
Um die Schreib- und Sprachkompetenz auf lange Sicht zu verbessern, hilft aber letztendlich vor allem eins: viel lesen.

Der Autor des Artikels:

Der Autor des Artikels, Evgenij Unker, betreibt seit 2011 den Textservice Lektorat Unker (http://www.lektorat-unker.de). Angeboten werden Korrektorat, Lektorat, Textcoachings, Plagiatskontrollen und vieles mehr. Inzwischen unterstützen ihn viele Mitarbeiter, sodass die Bearbeitung von Texten zu jedem Thema und in zahlreichen Sprachen möglich ist.

Ausgabe 7, 2/2014 | Autor: Evgenij Unker

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