Wie nachhaltig ist die Hochschule?

„Schlage nur so viel Holz, wie der Wald verkraften kann! So viel Holz, wie nachwachsen kann!“, formulierte bereits 1713 der sächsische Berghauptmann Hans-Carl von Carlowitz. Er gilt damit als Begründer des Nachhaltigkeitsprinzips.

Im 18. Jahrhundert galt die Knappheit der Ressource Holz als eines der akuten Probleme der Zeit. Sie resultierte aus jahrhunderterlanger Übernutzung der Wälder und zunehmender Umwandlung zu Äckern und Wiesen. Von Carlowitz kritisierte vor allem das kurzfristige Denken der Menschen, die sich einen schnellen Gewinn erhofften, langfristige Folgen jedoch nicht einkalkulierten. Er formulierte den Gedanken, respektvoll und pfleglich mit der Natur und ihren Rohstoffen umzugehen, damit eine dauerhafte Nutzung möglich sei. Seitdem hat sich viel getan: Von Carlowitz’ Prinzip der Forstwirtschaft ist 300 Jahre später in der Mitte der Gesellschaft angekommen, die UN bezeichnet Nachhaltigkeit gar als „Chance Nummer Eins für das 21. Jahrhundert“. Diese Chance will auch die Hochschule Osnabrück nicht ungenutzt lassen: Ziel ist es, nachfolgende Generationen mit dem Konzept vertraut zu machen und es in den Alltag von Studierenden und Mitarbeitern der Hochschule einzubinden. Aus diesem Grund wurde zur nachhaltigen Ausrichtung und Positionierung der Hochschule ein Strategiebildungsprozess initiiert. Weiterhin hat sich im Jahr 2011 der Arbeitskreis für Nachhaltige Entwicklung gebildet. Für Mike Voss, den Vorsitzenden des Arbeitskreises, ist Nachhaltigkeit die „Gestaltung sozialer, ökonomischer, ökologischer und persönlicher Begebenheiten und Aktivitäten in einer Art und Weise, dass nachfolgende Generationen ein gutes Leben führen können“. Voss ist der Meinung, dass Hochschulbildung neben reiner Wissensvermittlung auch Bewusstseins- und Persönlichkeitsentwicklung ermöglichen soll.
Diesem Aspekt wird an der Hochschule bereits vermehrt Beachtung geschenkt. Offene Yoga- und Meditationszeiten, sowie große Sitzkissen in der Studierendenlandschaft ermöglichen Studierenden und Hochschulmitarbeitern kurze Auszeiten während des Tages und fördern so einen achtsamen Umgang mit sich selbst. Ein weiteres zentrales Thema ist die Verbesserung der Studien- und Lehrbedingungen der Hochschule, der sich das LearningCenter gewidmet hat.

Seit dem Jahr 2012 werden im Rahmen des Projekts „Voneinander lernen lernen“ Kompetenzen Studierender zum lebenslangen lernen gefördert. „Die Arbeit in Projekten ist dafür eine wichtige Lernform, die eigenständiges Arbeiten sowie das Lernen im Team fördert und gleichzeitig auf die Arbeitswelt vorbereitet“, erklärt Marek Löhr, Mitarbeiter im Projektbüro des LearningCenters. Zu den Kernaufgaben gehört auch die Vermittlung eines sozial verantwortungsvollen und nachhaltigen Umgangs mit anderen und sich selbst. Deshalb gibt es neben studienbezogenen Angeboten, wie der Unterstützung bei wissenschaftlichem Arbeiten auch kostenlose Kurse zur Stressbewältigung oder zum rückenfreundlichen Studieren. Doch auch unter ökologischen Gesichtspunkten betrachtet, ist die Hochschule bemüht nachhaltig zu handeln. Nicht nur im neuen Master-Studiengang „Erneuerbare Energien“, der im Wintersemester 15/16 startet. So wird bereits regenerative Energie genutzt, um den Campus am Standort Westerberg zu versorgen. Auch Sparaufsätze auf Wasserhähnen, konsequente Mülltrennung und Bewegungsmelder in den Gebäuden, so wie die hochschulweite Einführung von Recycling-Papier führen zu einer verringerten Umweltbelastung. Auch dem Studentenwerk Osnabrück ist es als Betreiber mehrerer Mensen und Cafeterien ein großes Anliegen, sowohl ökonomisch als auch ökologisch nachhaltig zu handeln, wie die Abteilungsleiterin Annelen Trost erklärt. Kompostierbare Plastikgetränkebecher aus Maisstärke, gemäßigter Fleischkonsum durch einen wöchentlichen Veggie-Day, sowie die Verarbeitung von regionalen Bioprodukten in den familiengerechten und barrierefreien Mensen sind nur einige Aspekte im Hochschulalltag.
Besonders wichtig ist auch der 10ct.-Rabatt auf Heißgetränke in mitgebrachten Mehrwegbechern. Dadurch reduziert sich nicht nur der durch To-Go-Becher produzierte Müll. Studierende, sowie Mitarbeiter profitieren vom vergünstigten Koffein-Schub und können sich voller Energie bevorstehenden Verpflichtungen widmen und gleichzeitig ein Zeichen für Nachhaltigkeit setzen.

Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit gilt als Leitbild für eine zukunftsfähige, nachhaltige Entwicklung der Menschheit. Die gängigste Definition ist im Brundlandt-Bericht von 1987 zu finden. Demzufolge sei eine Entwicklung nachhaltig, wenn sie den Bedürfnissen der heutigen Generation entspräche, ohne die Möglichkeit der nachfolgenden Generation zu gefährden, eigene Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen. Der Verdeutlichung der angestrebten Ziele dient das 3-Säulenmodell oder Nachhaltigkeitsdreieck. Soziale, ökologische und ökonomische Ziele müssten demnach gleichermaßen berücksichtigt werden, um Nachhaltigkeit zu erreichen.

Ausgabe 10, 2/2015 | Autor: Mona Algner

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Bild: Hochschule Osnabrück, © Bettina Meckel