Wie wird in Kenia ethische Mode produziert?

Dieser Frage gingen die Dozenten Massimo Pizzingrilli und Axel Jacob mit 42 Studierenden der Hochschule Osnabrück während einer Exkursion ins ostafrikanische Kenia nach. Das Ziel der Reise, die unter dem Motto  „Alternative Wirtschaftsmodelle“ stand, war es, die in Nairobi ansässige „Ethical Fashion Initiative“ (EFI) kennenzulernen. Doch was ist genau mit ethischer Mode gemeint?

Ausgangspunkt des von dem Italiener Simone Cipriani gegründeten Projekts EFI ist die Ausnutzung der kulturellen, menschlichen Ressourcen sowie das extreme Missverhältnis zwischen der geringen Entlohnung der Näherinnen in den Produktionsstätten und dem hohen Gewinn der Designer. Bei herkömmlichen Geschäftsmodellen reicht dem Großteil der zumeist weiblichen Näherinnen das Gehalt nicht zur Sicherung des alltäglichen Bedarfs. Daher will EFI, das mit Designern wie Fendi, Vivien Westwood, Stella McCartney, Stella Jean etc. zusammenarbeitet, in der Branche die „Fair Labor Association“-Richtlinien durchsetzen. Diese garantieren faire Löhne, Arbeitsschutz, gewerkschaftliche Rechte sowie Maßnahmen gegen Diskriminierung und für die Hervorhebung der einheimischen Traditionen und Kulturen. Der Grundgedanke der Initiative lautet: „Not charity, just work“. Es geht dabei also nicht um Almosen, sondern um eine nachhaltige Ausbildung für die Arbeiter, damit sie sich nach ihrer Lehrzeit selbstständig machen können. „Dies sichert dem Arbeiter und seiner Familie eine Lebensbasis sowie viel Respekt in ihrem Umfeld“, erläutert Vincent Oduor, Human Resource Manager und Social Worker bei EFI. Die Grundsätze ethischer Mode konnten die Studierenden auf ihrer Bildungsreise hautnah erleben. Bei den Besuchen einer Hinterhofwerkstadt in Nairobi, dem größten Slum Afrikas Kibera

und einer umgebauten Schule für Waisenkinder zeigten sie sich zutiefst beeindruckt. Mit enormer Geduld stellten die Arbeiter Schmuck und Taschen her. Teilnehmer Jannis Schröder bilanzierte mit Blick auf die Arbeitsverhältnisse: „Im Vorfeld war ich unsicher, inwieweit die ethischen Richtlinien wirklich eingehalten werden, aber vor Ort konnte ich mich von einer angemessenen Entlohnung und der Einhaltung von Arbeitsschutzmaßnahmen überzeugen.“ Weiterhin sei es wünschenswert, wenn auch große Modeunternehmen unter solch ethisch vertretbaren Bedingungen produzieren ließen, sagt der Wirtschaftspsychologie-Student. Nach Abschluss der zweieinhalbwöchigen Reise ist das Thema ethische Mode für Pizzingrilli und Jacob nicht beendet. Die beiden Initiatoren der Studienreise versuchen das Thema in der Hochschullandschaft und regionalen Wirtschaft zu etablieren. So wurden bisher neben mehreren Abschlussarbeiten zu dem Thema in enger Zusammenarbeit mit der Professorin Ulrike Meyer zwei Marketing-Projekte initiiert. Besonders erfreut sind Pizzingrilli und Jacob darüber, im Februar 2016 erneut eine Exkursion zu dem Thema anbieten und zusammen mit Studierenden EFI an ihrem Standort auf Haiti besuchen zu können.

 

Ethical Fashion Initiative und „Fair Labor Association“- Richtlinien
Die Ethical Fashion Initiative steht für eine neue Art der Geschäftstätigkeit in der Modebranche, die es Arbeitern in Slums aus verarmten ländlichen Gebieten ermöglicht, Teil der internationalen Modewertschöpfungskette zu werden.
Weitere Informationen unter:
http://www.ethicalfashioninitiative.org/about/the-ethical-fashion-initiative/

 

Die „Fair Labor Association“ ist ein internationaler Zusammenschluss von Nichtregierungsorganisationen und Universitäten mit Handelsunternehmen aus der Textilbranche. Ziel ist die Wahrung von Arbeitsrechten sowie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Textilprodukten durch Anpassung an internationale Arbeits-Richtlinien.
Ergänzende Informationen unter:
http://www.fairlabor.org

Ausgabe 11, 3/2015 | Autor: Theresa Rollmann

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