Wer hustet in die Kummerdose?

Die Wienerin Christine Nöstlinger, die mit über 100 Büchern zu den bekanntesten und einflussreichsten deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchautorinnen gehört, feiert im Oktober diesen Jahres ihren 80. Geburtstag – Grund genug, das facettenreiche Werk der Autorin einmal ganz anders in den Blick zu nehmen.

Eine kreative Hommage an Christine Nöstlinger und ihr Werk, das Jung und Alt seit so vielen Jahrzehnten begeistert, ist die CD des in Osnabrück lebenden Schauspielers Helmut Thiele und des Hannoveraner Pianisten Bernd Christian Schulze, die sich gemeinsam als „duo pianoworte“ einen Namen gemacht haben. Seit Jahren in persönlichem Kontakt zur Autorin stehend, ist damit ein lang gehegter Wunsch der beiden Künstler wahr geworden. Ein Querschnitt der Texte Christine Nöstlingers wird hier in einer höchst spannenden Melange aus Wort und Musik präsentiert. Mit dabei als Akteure sind neben namhaften  Komponisten auch Kinder als die Hauptrezipienten der Werke Christine  Nöstlingers, namentlich der Knabenchor Hannover unter der Leitung von Michael Jäckel. Die Texte werden durch die abwechslungsreiche Kombination von Wort und Musik künstlerisch zum Leben erweckt und dadurch ganz neu erlebbar. In einer Arbeiterfamilie der Wiener Vorstadt aufgewachsen und geprägt durch ihre Kindheit während des Zweiten Weltkriegs, brach Christine Nöstlinger in den 1970er Jahren mit Tabus der etablierten Kinder- und Jugendliteratur, indem sie gesellschaftskritische Themen und Probleme der Kinder offen und ungeniert ansprach – und zwar in einer Sprache, die realitätsnah dem Milieu ihrer Figuren entsprach.

Der für ihre Bücher mehrfach – u.a. mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, dem Friedrich-Bödecker-Preis, dem Österreichischen Staatspreis, dem Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien und der Hans-Christian-Andersen-Medaille – ausgezeichneten Autorin gelingt es jedoch immer wieder, die dunkleren Seiten des Alltagsgeschehens offen anzusprechen, ohne dabei auf lyrisch-märchenhafte Elemente und eine Prise Humor zu verzichten. Die präsentierte Textauswahl, verbunden mit eigens für die CD komponierten Musikstücken, erlaubt vielfältige Zugänge zur Sprache und Gedankenwelt Christine Nöstlingers und bringt bei aller Realitätsnähe der Texte das Märchenhafte in ihnen zum Klingen. So, wenn in „Das Glück ist ein Vogerl“ der kleine Enkel aktiv wird und einem Wellensittich die Freiheit schenkt, um so auch seine Großmutter von ihrem Unglücklichsein zu befreien oder wenn in „Die Kummerdose“ die Nachbarin den kleinen Jo seine Sorgen einfach in eine (natürlich höchst geheime) „Kummerdose“ hineinhusten und darin einsperren lässt. Eine spannende CD für kleine und große Nöstlinger-Fans und -Entdecker, die sich auch gut dazu eignet, in Bildungsprojekten und in der Schule fächerübergreifend eingesetzt zu werden.

Vorstellung der Nöstlinger-CD
Am 27. November 2016 (15.00 Uhr) wird die Nöstlinger-CD im Renaissancesaal Ledenhof, Am Ledenhof 3-5, vom „duo pianoworte“ vorgestellt.

Infos und Platzreservierung: Literaturbüro Westniedersachsen, Tel.: 05 41 / 2 86 92

Ausgabe 15, 9/2016 | Autor: Beatrice le Coutre-Bick

Bildnachweise

Bild oben © Bernd-Christian Schulze, Hannover