TEIL 08: Eugen Gerstenmaier

Er war Mitglied des „Kreisauer Kreises“ und begegnete Claus Schenk Graf von Stauffenberg noch nach dem missglückten Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944. Trotzdem gehörte Eugen Gerstenmaier (1906-86) zu den wenigen verhafteten Widerstandskämpfern, die vom Volksgerichtshof der Nazis nicht zum Tode verurteilt wurden.

Der Beklagte sei „weltfremd und unter Umständen noch für die Gemeinschaft wiederzugewinnen“, meinte Gerichtspräsident Roland Freisler und verhängte eine siebenjährige Zuchthausstrafe. Wenige Monate später wurde Gerstenmaier von amerikanischen Truppen befreit, dann Bundestagsabgeordneter für die CDU und 1954 schließlich Präsident des Deutschen Bundestages. Der promovierte Theologe amtierte gut 14 Jahre – länger als jeder seiner Vorgänger und Nachfolger. Im März 1968 kam er nach Osnabrück, um mit 1.400 Ehrengästen an der Einweihung des nach Graf Stauffenberg benannten Gymnasiums teilzunehmen. Eugen Gerstenmaier trug sich mit Franz Ludwig Schenk Graf von Stauffenberg, einem der Söhne des Hitler-Attentäters, ins Goldene Buch der Stadt ein. Im Friedenssaal sagte der Bundestagspräsident, es müsse für jeden geschichtsbewussten Deutschen eine Freude sein, „an einer solch ehrwürdigen Stätte unserer Geschichte zu stehen“.

Ausgabe 8, 3/2014 | Autor: Thorsten Stegemann
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Eugen Gerstenmaier  © Bundespresseamt