Warum lohnt sich ein Hotelbesuch in der eigenen Stadt?

Als Osnabrücker geht man doch nicht in ein Osnabrücker Hotel, oder? Ein Irrtum, wie „Osnabrücker Wissen“ bei einem Blick hinter die Kulissen des Steigenberger Hotel Remarque feststellte. Die Nobelherberge zu Füßen des Westerbergs bietet weitaus mehr als nur komfortable Übernachtungsmöglichkeiten.

Viele Osnabrücker kennen nur den festungsartigen Aufgang von der Kreuzung am Natruper Wall, eine Steinmauer, hinter der ein paar Sonnenschirme bunte Farbtupfer setzen. Darüber thront das markante Hotelgebäude. Wer käme auf die Idee, dort essen, trinken und feiern zu gehen? Bisher viel zu wenige, meint Maren Ganser, Marketingleiterin des Hotels.

Wo werden Tapas am Strandkorb serviert?

Als stimmungsvoller Einstieg empfiehlt sich ein Besuch der Sonnenterrasse. Von hier aus bietet sich ein ungewohnter Blick auf die Kunsthalle Dominikanerkirche, die Türme von St. Marien und Dom sowie auf den trutzigen Bürgergehorsam. Beim coolen Drink schweift der Blick durch die Bierstraße in die Altstadt. Das Rauschen des unterhalb der Terrasse liegenden Springbrunnens sorgt für eine entspannte Atmosphäre. Übertönt in regelmäßigen Abständen vom Läuten der Kirchturmglocken. Für ganz besonderes Flair sorgen zudem die beiden Strandkörbe. Die insgesamt 25 kleinen Leckereien auf der Tapas-Bestell-Liste sorgen für die süße Qual der Wahl. Von Lachstatar mit Pumpernickel und Kräuter-Crème fraîche über Osnabrücker Pfefferbeißer bis hin zu knusprig geräucherten Salzmandeln erstreckt sich das Angebot. Zu den absoluten Rennern zählen die gebackenen Champignons mit Knoblauchsauce und die geräucherte Entenbrust mit Mango-Chutney.

Wer ist willkommen?

Einen Dresscode gibt es in Remarque’s Weinwirtschaft nicht, betont Ganser. „Unser gastronomisches Angebot richtet sich an Jung und Alt, an alle Osnabrücker, die entspannt den Feierabend genießen möchten – egal ob in Shorts und Shirt oder im edlen Zwirn.“ Abends ein willkommener Anlaufpunkt vor oder nach dem Theaterbesuch, mittags ein günstig gelegener Ort für ein Business Lunch, dem Mittagstisch für Geschäftsleute.

Was zieht Nachtschwärmer an?

Nach dem Altstadtbesuch noch Lust auf einen Absacker? Kein Problem! Bis meist 1:00 Uhr (oder länger) haben Osnabrücker in der Haarlem-Bar nahezu alle Möglichkeiten, den Abend stimmungsvoll ausklingen zu lassen: bei einem Wein, Sekt, Bier, Espresso, Whisky (große Auswahl!) oder einem Glas Gin O49 (aus GM-Hütte). Die Osnabrücker Partnerstadt Haarlem fungierte als Namensgeberin für die Hotelbar. Selbst dann, wenn sich die Barkeeper längst in ihren wohlverdienten Feierabend verabschiedet haben, steht Weintrinkern der hoteleigene Weinkeller noch offen. Rund um die Uhr bietet die Weinhandlung Enoteca eine Auswahl von etwa 120 verschiedenen Weinen und Schaumweinen an. Einen Überblick bietet die in ungewöhnlicher Form, nämlich als Zeitung, präsentierte Weinkarte.

Wo wird es very british?

Alkoholfrei und stimmungsvoll geht es dagegen in aller Regel bei der sonntäglichen „Tea-Time“ zu. Jeden ersten, dritten und fünften Sonntag im Monat entführt Elissa Pittelkow, geprüfte Tea-Master Gold, ihre Gäste in die Wunderwelt des Tees. Äußerst fachkundig und sehr charmant überrascht sie Nase und Gaumen mit den unterschiedlichsten Teesorten und –aromen. Am Anfang steht ein zarter, beispielsweise ein weißer Tee. Dann steigert sich die geschmackliche Intensität. Grüner Tee, Oolong Tee, schwarzer Tee, aromatisierter Tee – und zum Abschluss vielleicht noch einen ayurvedischen Kräutertee? Zu jedem Tee serviert Pittelkow interessante Details über Herkunft und Herstellung. Als schmackhafte Begleiter der Teestunde erweisen sich auch die kleinen herzhaften und süßen Happen auf der stilvollen Etagere. Kein Wunder, wenn eine Teestunde da auch schon mal drei Stunden dauern kann.

Was passiert in „Remarques Salon“?

Das Restaurant „Remarques Weinwirtschaft“ wird geprägt durch die offene Show-Küche. Den Köchen bei der Arbeit zuzuschauen, ein ganz besonderes Erlebnis. Neben internationalen Gerichten landen hier auch immer wieder saisonale und regionale Produkte auf dem Teller, z.B. im Frühjahr Spargel aus dem Osnabrücker Land und im Winter deftiger Grünkohl. „Während es hier eher in Richtung Steak und Tapas geht, haben wir uns für ´Remarques Salon´ etwas ganz Besonderes ausgedacht“, sagt Maren Ganser. Für Gruppen ab zehn Personen wird hier eine Gourmetküche mit individueller Absprache der Menü- und Weinfolge serviert. Hummer, Perlhuhn, vegetarische Gerichte und erlesene Desserts sollen Familienessen, Jubiläums- und Betriebsfeiern, Hochzeiten oder Geburtstage zu unvergesslichen Ereignissen machen.

Welcher Brief hängt an der Wand?

In einem Brief vom 22. Mai 1959 bietet Erich Maria Remarque dem finanziell angeschlagenen Verleger der Illustrierten „Kristall“, Joachim Pierre Pabst, seinen Roman „Geborgtes Leben“ als Fortsetzungsgeschichte an. „Pabst ließ den Brief Remarques als Faksimiles vervielfältigen und versandte ihn zu Werbezwecken an zahlreiche Personen, die zum Teil bis heute glauben, das Faksimile sei das Originalschreiben und es im Handel anbieten. Das Original befindet sich heute aber im Besitz des Osnabrücker Erich Maria Remarque-Friedenszentrums“, teilt Dr. Thomas Schneider, Leiter des Zentrums auf Anfrage von „Osnabrücker Wissen“ mit. Eine Abbildung dieses Briefes hängt in jedem der insgesamt 156 Hotelzimmer. Glauben Sie nicht? Dann checken Sie doch einfach mal für eine Nacht in der Hochzeits-Suite in der 5. Etage ein. Egal ob verheiratet, gerade dabei oder geschieden – allein der Blick aus dem Panoramafenster über die Stadt ist unbeschreiblich. Empfohlene Nachtlektüre: Remarques eben erwähnter Roman, den er später überarbeitete und unter dem Titel „Der Himmel kennt keine Günstlinge“ (1961) veröffentlichte.

Das Hotel Remarque in Zahlen

Was hält den Betrieb am Laufen?
Prosecco: ca. 2.400 Flaschen (0,75 l) pro Jahr
Gläser: ca. 3.700
Teller: ca. 3.500 verschiedene Teller
inkl. Untertassen
(ohne sind es ca. 2.800 Teller)
Tassen: ca. 600
Besteck: ca. 5.700 Teile

Wie viel (weiße) Wäsche fällt im Monat an?
Bettlaken ………………………………………. 3.150
Bettlaken (240 x 300) …………………..  560
Bettbezüge …………………………………. 3.260
Kopfkissenbezüge (60 x 80) ….. 3.527
Nackenkissenbezüge (40 x40) .. 2.710
Frotteebadetuch (80 x 180) ……. 3.890
Frotteehandtuch (50 x 100) ……. 3.640
Badvorleger (50 x 80) …………………. 3.247
Waschlappen ………………………………   90

Was muss in jedem Hotelzimmer vorhanden sein?
Bett, Nachttisch, Schreibtisch, Kleiderschrank,
Sideboard, Minibar, Lampen, Steckdosen
Badezimmer: WC, Dusche oder Wanne,
Waschbecken, Kosmetikspiegel, Fön

Ausgabe 11, 3/2015 | Autor: Yörn Kreib

Bildnachweise

Außenansicht & Rezeption © Steigenberger Hotel Remarque // Fotos „Hinter den Kulissen“ © Jana Lange, www.jana-fotografiert.de