Wer zaubert auf 48 Quadratmetern?

Seit 16 Jahren begeistert das „GOP“ sein Publikum mit Aufsehen erregenden Show-Events und Künstlern aus aller Welt. Auch im Osnabrücker Land hat das Varieté-Theater viele Freunde, die im ehemaligen Kurhaus von Bad Oeynhausen einen besonderen Abend genießen möchten.

Schon der gepflegte Kurpark, an dessen Rand sich der historische Kuppelbau erstreckt, gibt einen ersten Eindruck des Ambientes. Die Räumlichkeiten des Gründerzeitbaus stehen diesem in nichts nach: Stuckarbeiten an den Decken, stilvolle Gestaltung der Gastronomiebereiche sowie eine Bühne, die Teil eines Historienfilms sein könnte. Vor der Bühne finden 354 Gäste an größeren und kleineren Tischen Platz. Sie können während der gesamten Show bewirtet werden, denn bei den 170 GOP- Mitarbeitern sitzt jeder Handgriff. Angefangen bei der Technik über die Darsteller bis hin zum Küchenpersonal weiß jeder genau, was zu tun ist. Die Bühne, welche baubedingt mit gerade einmal 48 Quadratmetern auskommt, stellt höchste Ansprüche an die Künstler. Ein Blick hinter die
Kulissen offenbart, dass auch hier kaum Platz vorhanden ist. Wir sehen eine Akrobatin, die sich hinter geschlossenem Vorhang auf der Bühne dehnt. Über ihr hängt der Luftring in ca. 5 m Höhe, neben ihr steht eine Poledance-Stange, die später noch zum Einsatz kommen soll. In einem kleinen Vorraum, der zugleich als Garderobe, Aufenthaltsraum und Lager dient, wärmen sich einige ihrer Kollegen auf. Auf die Frage, wie hier auch noch Requisiten und Kulissen reinpassen sollen, gibt Anke Hartwig, die Pressesprecherin des GOPs, schmunzelnd zurück: „Das muss passen!“ Der Profi macht aus der Not eine Tugend – und das bei bester Laune, wie die freundliche Begrüßung eines Darstellers am Bühneneingang beweist. Gerade dieser Platzmangel sorgt also für außergewöhnliche Showeinlagen und ein einzigartiges Zusammenspiel aller Komponenten. Jährlich begeistern mehr als 75 internationale Artisten gut 150.000 Gäste mit ihren  Auftritten: Einem bunten Potpourri aus Tanz, Comedy sowie akrobatischen und musikalischen Einlagen,  die allesamt unter dem Motto des jeweiligen Show-Konzeptes stehen.

Wer gestaltet die Show-Konzepte?

Unter dem Dachverband des Unternehmens, der GOP Entertainment Group, ist seit 2005 die Agentur „showconcept“ für die Programmplanungen in allen GOP-Häusern zuständig. Nach der Erstellung einer Grobplanung werden für die jeweilige Show weltweit Künstler gebucht, welche dann gemeinsam die Details ausarbeiten. So darf jeder seine ganz eigene stilistische Signatur hinterlassen. Eine zeitaufwendige und anspruchsvolle Geschichte: Bereits 1,5 bis 2 Jahre im Voraus werden neue Ideen entwickelt. Sechs verschiedene Shows finden pro Jahr mit Aufführungen an mehreren Abenden der Woche statt. Die Proben können, wie bei Künstlern berufsbedingt üblich, zumeist erst kurz vor der Premiere beginnen. Anpassungen für die jeweilige Bühne erfolgen auch erst zeitnah. Die Techniker überwachen ihrerseits den Ablauf der Show im Kaiserpalais von oben. So können sie augenblicklich reagieren, falls es zu unerwarteten Zwischenfällen kommt. Der Besucher bekommt hiervon in der Regel nichts mit. Bisher sei noch nie etwas Schlimmes passiert, es kam nur gelegentlich zu Ausfällen von Scheinwerfern, weiß einer der Techniker zu berichten. Dennoch ist für die Verantwortlichen die Dauer der Vorstellung stets eine brisante Zeitspanne.

Wie lässt man den Abend enden?

Nach Veranstaltungsende klingt der Abend für viele Gäste und Mitarbeiter in einem der gemütlichen Gastronomiebereiche oder bei einem Glas Wein auf der Terrasse aus. Das jüngere Publikum zieht es häufig noch in den angeschlossenen Dance Club Adiamo.

 Was bedeutet GOP?

Das erste GOP hatte seinen Ursprung in Hannover, wo sich Anfang der 1920er Jahre das „Café-Restaurant Georgspalast“, kurz GOP, einen überregionalen Ruf als Veranstaltungszentrum erwarb. Die Erfolgsgeschichte ging weiter. Im Jahre 2000 wurde das GOP in Bad Oeynhausen als drittes Haus eröffnet und zog nach einigen Umbaumaßnahme in die Räumlichkeiten des ehemaligen Kurhauses ein. Aktuell gehören sieben Häuser zur GOP Entertainment Group.

Ausgabe 15, 3/2016 | Autor: Sina-Christin Wilk

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