Was macht Oma in Osnabrück?

Angst vor Opern? Was hat die Musik eigentlich mit der Handlung zu tun? Und verstehe ich den Inhalt überhaupt? Keine Panik! Nicht verzagen – Oma fragen! Ab Mitte September kommt sie wieder regelmäßig in den Osnabrücker Ledenhof.

Wer ist Oma?

Oma steht für „Oper mal anders“, erklärt Richard Vardigans. Der gebürtige Engländer aus Kent studierte Musikwissenschaft, Dirigieren sowie Klavier und arbeitete als Kapellmeister, Chordirektor und Chefdirigent an verschiedenen europäischen Opernhäusern, u.a. auch einige Jahre am Theater Osnabrück. Seit 2005 wohnt er in Dresden und ist sein eigener Chef. Seine Soloperformances mit Klavier sind musikalische Opernreisen der Extraklasse.

Was kündigen drei Halbtöne an?

Sie deuten an, „es wird bedrohlich“. Gebannt hängt das Auditorium an den Lippen und der Mimik Vardigans.  Seine Hände tanzen virtuos über die Tasten des schwarzen Flügels im Renaissance-Saal des Ledenhofs. Sein Thema heute Abend: Die Oper „Eugen Onegin“ von
Tschaikowski. Die drei Halbtöne sind eingebettet in den frivolen Tanz des Onegin mit Olga, der Geliebten seines besten Freundes Lenski. Der Streit zwischen Onegin und Lenski ist nicht mehr zu vermeiden. „Sie singen versetzt, die Freundschaft ist passé“, kommentiert Vardigans den Fortgang der Geschichte. Am Ende singen die beiden für eine kurze Sequenz zusammen, „ein letzter Funken Hoffnung auf Versöhnung“, der dann aber unerfüllt bleibt. Im anschließenden Duell erschießt Onegin seinen Freund Lenski.

Wie macht Oma das?

Im Veranstaltungssaal herrscht entspannte Salonatmosphäre. Der schwarzeFlügel steht vor dem Kamin, das Auditorium sitzt im Halbkreis drum herum. Das Klima ist geradezu familiär, fast schon privat. Distanz zwischen Vardigans und seinem Publikum? Fehlanzeige. Der Opernkenner steigt ohne viele Umwege direkt in das Geschehen ein. Gekonnt lässt er die Stimmung auf dem russischen Landsitz entstehen. Seine verständliche Präsentation gleitet nie ins Banale ab, er nimmt Komponisten und Texter genauso wie die Musik und die Handlung sehr ernst. Pointiert aber dort, wo ein Laie die Zusammenhänge womöglich nicht ganz verstehen würde.

Wo bleibt die Angst vor Opern?

„Fallende Halbtöne stehen für Melancholie“ sagt Vardigans. Virtuos charakterisiert er die aufgewühlten Seelen, ihre Gefühle, ihre Seufzer („fallende Quinten“). Er beschreibt, zitiert und kommentiert die Handlung, ihre Akteure und Motive. Seine Mimik illustriert die musikalischen und sprachlichen Ausführungen aufs  Vortrefflichste. Der sehr amüsante, spannende und interessante Abend ist eine wohl dosierte Mischung aus Wort, Musik und Mimik. Unvergesslich. „Let’s talk about Opera!“ Das begeisterte Publikum lässt sich nach der Veranstaltung nicht lange bitten und nach einer derart gelungenen Präsentation fassen einige Gäste auch gleich einen Besuch im Osnabrücker  Theater ins Auge. Die Angst vor der Oper ist der Freude an der Musik und den Geschichten gewichen.

Richard Vardigans bietet auch individuelle Programme für Schulen an.

Tel.: 01 71-4 48 86 32
www.talking-about-opera.de.

Karten für die Veranstaltungen in Osnabrück bei der Tourist Information: Bierstr.22/23, Tel.: 0541-3232202

Ausgabe 15, 3/2016 | Autor: Yörn Kreib

Bildnachweise

Bild Richard Vardigans © Sabine Rentzsch // Plakat © Oper mal anders // Notenblätter  © Pixelot, fotolia.de