Was tun, wenn Pamina krank wird?

Als Lisa-Marie Oliva um neun Uhr morgens ihr Büro im Theater am Domhof betritt, leuchtet bereits der kleine eckige Briefkasten auf ihrem Telefon. Unter den vielen Anrufen ist auch eine Sängerin, die in der Oper „Die Zauberflöte“ eine Hauptrolle verkörpert. Lisa-Marie Oliva, Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros, wird nervös, denn ein Anruf eines Darstellers heißt oft nichts Gutes. Die Vermutung bestätigt sich. „Paminas“ Stimme funktioniert nicht, wie sie sollte. Sie wird am Abend nicht auf der Bühne stehen können. Und nun?

Jetzt muss Lisa-Marie Oliva schnell handeln. Am Theater Osnabrück gibt es für diese Partie keine feste Zweitbesetzung, die mal eben einspringen kann. Ist vor Beginn der Spielzeit schon sicher, dass dieser oder jener Sänger an einem Auftrittstermin verhindert sein wird, lässt sich im Vorfeld leicht ein Gast organisieren. Doch wenn ein wichtiger Darsteller kurzfristig ausfällt, wünschen sich die Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros und ihre Kollegin Patricia Vieregg schon mal eine Kristallkugel auf ihrem Schreibtisch. In einem solchen Fall muss unverzüglich das gesamte Team informiert werden. Dazu zählen vor allem der Intendant des Theaters, der musikalische Leiter und der Regieassistent. Zusammen wird überlegt, ob für die Aufführung eine geeignete Sängerin aus einer anderen Stadt nach Osnabrück geholt werden kann. Intendant Dr. Ralf Waldschmidt schlägt einige
ihm bekannte Optionen vor. Es wird telefoniert, Kontakte werden hergestellt, doch keiner antwortet oder hat Zeit. Ein Glück, es ist nicht Sonntag! Das heißt, Lisa-Marie Olivia kann sich an die ZAV-Künstlervermittlung (Zentrale Auslands- und Fachvermittlung) wenden und zwischen Künstlerinnen wählen, die „ihre“ Pamina vertreten könnten. Wieder wird telefoniert. Niemand hat Zeit, niemand kann die gespielte Fassung auswendig. Langsam wird die Angelegenheit zur Zitterpartie.

Dann wirft die Chefdisponentin einen Blick auf die ellenlangen Listen, auf denen alle Darstellerinnen verzeichnet sind, die für eine bestimmte Rolle in Frage kommen. Richtig! Bei einer Sängerin aus Hamburg haben sie es noch nicht versucht. Es tutet, der Anruf geht durch und Volltreffer! Sie beherrscht den Text und kann in den nächsten drei Stunden in Osnabrück sein. Erleichterung! Das Theater Osnabrück hat für solche Fälle, die immer einmal wieder vorkommen, auch wenn wir diesen speziellen frei erfunden haben, einen Notfalletat. Fahrt, Übernachtung und natürlich die Abendgage der „Ersatz-Pamina“ werden daraus bezahlt. Hier werden keine Kosten und vor allem Mühen gescheut, denn fest steht: Ohne Pamina keine „Zauberflöte“! Eine abgesagte Vorstellung hätte dann nicht nur Einnahmeeinbußen, sondern vor allem ein enttäuschtes Publikum zur Folge. Gerade in der Winterzeit ist das Krankheitsrisiko natürlich höher. Dass deswegen ein Stück ausfallen muss, kommt trotzdem sehr selten vor. „Der Vorhang muss einfach aufgehen“, weiß Chefdisponentin Patricia Vieregg. Und genau das macht der Vorhang auch: Es kann gespielt werden! Der Abend ist gerettet.

SPIELTERMINE IM THEATER AM DOMHOF

So., 18.12.2016 | 15:00 Uhr
Di., 20.12.2016 | 19:30 Uhr
Fr., 23.12.2016 | 19:30 Uhr
Mo., 26.12.2016 | 19:30 Uhr
Do., 16.03.2017 | 19:30 Uhr
Mi., 22.03.2017 | 19:30 Uhr
So., 09.04.2017 | 15:00 Uhr
Mo., 17.04.2017 | 15:00 Uhr

Weitere Informationen unter:
www.theater-osnabrueck.de

Ausgabe 16, 4/2016 | Autor: Kristina Hoffmann

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