Was verbirgt sich in der Villa Stahmer?

Am Fuße des Rehlbergs in Georgsmarienhütte befindet sich die Villa Stahmer. In diesem Prachtbau aus dem frühen 20. Jahrhundert ist eines der interessantesten Museen des Osnabrücker Landkreises untergebracht.

Ab 1975 begann die Stadt Georgsmarienhütte mit dem Umbau der Villa zum Museum, das 1980 eingeweiht wurde. Seit 1986 steht es unter hauptamtlicher Leitung und wird von Ehrenamtlichen betrieben.
Das Museum konzentriert sich auf die Stadtgeschichte, ihr ist ein ganzes Stockwerk gewidmet. Kunstausstellungen im Erdgeschoss sorgen für Abwechslung. Künstler wie Jürgen Paas, Susanne Heitmann und Beatrice Gunschera waren dort in den letzten Jahren vertreten. Einmal im Monat hält das Standesamt in der Villa Trauungen ab.
Die Geschichte der Villa ist äußerst spannend. Nachdem der Industrielle Robert Stahmer schon nach sieben Jahren aus seinem 1900 erbauten Prachtbau auszogen war, wurden die Räumlichkeiten den technischen Direktoren seines Unternehmens zur Verfügung gestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die britische Armee die Villa als Truppenunterkunft, bis im Jahr 1947 das Arbeitsamt dort seinen Sitz einrichtete.

Orientalisches Flair im Badezimmer?

Die Villa hatte bis 1938 noch einen „großen Bruder“. Eine zweite Villa, die dem Bruder Ernst Stahmer gehörte, fiel 1938 der Abrissbirne zum Opfer. Robert Stahmers Villa hingegen durfte stehen bleiben und wurde im Laufe der Jahre mehrfach durch aufwendige Restaurationsarbeiten in den ursprünglichen Zustand versetzt. Besonderes Augenmerk wurde hierbei auf das Schlaf- und das Badezimmer gelegt. Den Ruheraum einer Direktorenfamilie aus dem Jahr 1921 statteten die Restauratoren mit originalen Möbeln aus, die den Besucher auf eine eindrucksvolle Zeitreise schicken.
Das Nachbarzimmer öffnet die Tür zu einer völlig anderen Welt, die aus 1001 Nacht stammen könnte. Das Badezimmer wurde als orientalische Wohlfühloase gestaltet: Bunte Kacheln, goldene Armaturen und eine Badewanne enormen Ausmaßes lassen erahnen, wie viel Wert Robert Stahmer auf diesen Raum gelegt hat. Mit dem Bad und einem Anschluss an das elektrische Stromnetz war die Villa um 1900 mit dem höchsten Wohnkomfort ausgestattet.

Was wurde aus Georgs und Maries Eisenhütte?

Im Flur des ersten Stockes zeigt ein Gemälde König Georg V. von Hannover. Er legte mit seiner Frau Marie das Fundament der Stadt Georgsmarienhütte. Georg V. war der letzte König Hannovers. Er musste 1866 sein Königreich verlassen und nach Österreich ins Exil gehen.
Aber zuvor unterstützten Georg und Marie den Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein im Jahr 1856, der eine Eisenhütte in Malbergen betrieb. Die Aufnahme des Betriebs in einer agrarisch strukturierten Gegend führte zu erheblichen Unstimmigkeiten. Zu groß waren die Unterschiede zwischen den aus dem Harz stammenden evangelischen Arbeitern und der katholischen Landbevölkerung der Region. Doch zum großen Arbeitgeber gab es keine Alternative. Die Landwirtschaft ernährte ihre Leute nicht mehr und die Hütte bot Lohn und Brot. Das überzeugte letztendlich auch diejenigen, die wegen der Schichten am Sonntag lieber zur Messe statt zur Arbeit gehen wollten. Um solche und andere Probleme effektiver lösen zu können, wurde 1860 die Gemeinde Georgsmarienhütte gegründet, die 110 Jahre später durch einen freiwilligen Zusammenschluss der umliegenden Gemeinden Teil der Stadt Georgsmarienhütte wurde.
Auch heutzutage ist das Stahlwerk der Georgsmarienhütte GmbH eines der wichtigsten Unternehmen der Region mit rund 1.300 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von gut 600 Millionen Euro.

Ein Blick in die Villa Stahmer

Dienstag und Donnerstag öffnet die Villa Stahmer ihre Türen jeweils von 9.00-12.00 Uhr und von 15.00-18.00 Uhr, am Sonntag von 10.00-13.00 Uhr sowie von 15.00-18.00 Uhr. Nach Vereinbarung können Schulklassen von der Grundschule bis zur Mittelstufe, aber auch Erwachsene, spezielle Führungen durch die Räumlichkeiten
erhalten.

Ausgabe 11, 3/2015 | Autor: Robin Söger

Bildnachweise

Bilder © Stadt Georgsmarienhütte, Fotograf Gisbert Gramberg