Welche Torte spielt Theater?

Im Theater Osnabrück fanden in der Saison 2014/2015 insgesamt 678 Vorstellungen in den Sparten Schauspiel, Musiktheater, Tanz, Konzert sowie Kinder- und Jugendtheater statt. Folgerichtig braucht die Spielstätte mehrere 10.000 Requisiten: Gläser, Taschen, Kunstblumen, Puppen, Fahrräder, Flaschen, Kuscheltiere, Gasmasken, Regenschirme, Gitarren, Besen, Pokale und unzählige andere Dinge werden für die Aufführungen benötigt.

Volker Witte, Verantwortlicher für die Requisiten im Theater am Domhof, kann nicht genau sagen, wie viele Ausstattungsstücke insgesamt vorhanden sind, denn die Requisiten werden in fünf verschiedenen Räumen an drei unterschiedlichen Standorten in Osnabrück aufbewahrt.
Da viele Gegenstände „zweckentfremdet“ werden, ist ihre Lebensdauer nicht sehr lang. Ein gewöhnlicher Reisekoffer hält oft nur drei Wochen, da sich die Darsteller durchaus auch auf Koffer stellen oder setzen müssen. Viele Theatergegenstände können hingegen repariert oder in der hauseigenen Werkstatt am Domhof erstellt und verändert werden.
Eine zweite, größere Werkstatt befindet sich in der Rheinstraße, wo Malerei, Schlosserei, Kaschur, Tischlerei und Polsterei an einem Ort vertreten sind.

Kaschiert wird, um ein Material zu schützen, zu dekorieren und/oder bessere Materialeigenschaften zu erhalten.

Wie viele Requisiten gehen kaputt?

„Zu viele“, sagt Volker Witte. „Es gibts nichts, was man nicht kaputt kriegt“. In solchen Fällen sind zum Beispiel alte Gläser nicht wieder zu beschaffen und sollten nicht im normalen Supermarkt gekauft werden, um die Einzigartigkeit bei den Aufführungen zu erhalten. Andererseits sind die Künstler an manche Gegenstände gewöhnt und benötigen die Requisiten, die vorher bei der Probe verwendet wurden, für die eigentliche Aufführung.

Viele Theatergegenstände werden von den umliegenden Geschäften ausgeliehen oder von Privatpersonen am Tag der offenen Tür gespendet, wobei speziellere Requisiten, wie zum Beispiel Überseekoffer, den Bestand erweitern.
„Speziell“ sind auch die Leihgaben der Osnabrücker Kriminalpolizei. Für bestimmte Aufführungen werden Plexiglasscheiben benötigt, zum Teil werden sogar Waffengürtel und Schlagstöcke verliehen. Andere Osnabrücker Betriebe verleihen große Ölfässer, um den Hasen von „Alice im Wunderland“ kochen zu können. Und seit mehreren Jahren spielt eine Torte im Weihnachtsmärchen mit, die von einer Osnabrücker Konditorei für Proben und Aufführungen geliefert wird. Zu den „Kultrequisiten“ zählen Extras wie Nebel, Theaterblut oder Konfetti-Shooter. Diese kleinen Besonderheiten werden gerne in einem Stück eingebaut, um den Spaßfaktor bei den Aufführungen zu erhöhen.

Ausgabe 12, 4/2015 | Autor: Farina Wilmes

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Bilder © Farina Wilmes