Wer bringt Remarques Osnabrück-Roman auf die Bühne?

Bis heute steht „Der schwarze Obelisk“ im Schatten des Weltbestsellers „Im Westen nicht Neues“. Doch für die Osnabrücker ist Erich Maria Remarques 1956 erschienener Roman von herausragender Bedeutung. Verbirgt sich doch hinter dem Schauplatz „Werdenbrück“, wo der Grabsteinverkäufer Ludwig Bodmer mit den Folgen des Ersten Weltkriegs, Inflation und wachsendem Nationalismus zu kämpfen hat, unverkennbar die Geburtsstadt des Autors.

Dass die Bühnenfassung des „schwarzen Obelisken“ ihre Uraufführung am Theater Osnabrück erlebt, ist also fast eine Selbstverständlichkeit. Carsten Golbeck baute den 400-Seiten-Roman zu einem abendfüllenden Schauspieltext um, der am 31. Januar 2015 in der Inszenierung und Spielfassung von Marco Štorman Premiere feiert.
„Das Osnabrücker Publikum hat dann die Möglichkeit, seinen größten Autor von einer ganz anderen Seite kennenzulernen“, sagt der Leitende Schauspieldramaturg Peter Helling im Gespräch mit „Osnabrücker Wissen“. „Dabei wollen wir nicht die einzelnen Szenen des Romans nacherzählen, sondern den Kern des Buches in einer neuen und eigenen Erzählung präsentieren.“ Für die Bühnenfassung musste das üppige Figurenarsenal des Romans auf einige zentrale Charaktere reduziert werden.

„Die eigenartige, sehr berührende Liebesgeschichte zwischen dem kriegsversehrten Grabsteinverkäufer Ludwig Bodmer und der kranken Isabelle, die trotz oder gerade wegen ihrer Schizophrenie unglaublich hellsichtig ist, spielt dabei eine wichtige Rolle“, verrät Helling. „Es geht uns aber auch um die Schilderung einer extrem labilen politischen und gesellschaftlichen Situation, wie wir sie heute wieder erleben.“
Erich Maria Remarques Werke hält Peter Helling gerade unter diesem Aspekt für zeitlos aktuell: „Für Remarque ist das Individuelle immer wichtiger als das Ideologische – allein davon können wir noch eine Menge lernen.“
„Der schwarze Obelisk“ ist Teil des großangelegten Stadtprojekts Remarque des Theaters Osnabrück, zu der auch die Tanz-Produktion „Sag mir, daß du mich liebst“, ein Poetry Slam, eine Schreibwerkstatt und viele weitere Veranstaltungen gehören.
Weitere Infos im Internet unter: www.theater-osnabrueck.de

Der schwarze Obelisk – Mahnmal und Warnung

Symbolischer Mittelpunkt des Romans ist der titelgebende „schwarze Obelisk“, ein Grabstein aus poliertem Mikrogabbro, der schon im 19. Jahrhundert die Gräber des reichen Bürgertums schmückte. Bei Remarque wird der Obelisk zum warnenden Zeigefinger. „Den Frieden der Welt! Nie ist mehr darüber geredet und nie weniger dafür getan worden als in unserer Zeit; nie hat es mehr falsche Propheten gegeben, nie mehr Lügen, nie mehr Tod, nie mehr Zerstörung und nie mehr Tränen (…)“, heißt es im Vorwort des Buches.
Rezensenten deuteten den Obelisken auch als Sinnbild einer Rakete und damit als Warnung vor dem drohenden 3. Weltkrieg.

Ausgabe 8, 3/2014 | Autor: Thorsten Stegemann
Erich Maria Remarque-Friedenszentrumj

Bildnachweise

 Theater Osnabrück © Mark Ahsmann; Porträt Remarque © Erich Maria Remarque-Friedenszentrum der Universität Osnabrück