Wer elektrisiert den Schloßgarten?

Insgesamt 23.500 Besucher fanden sich Anfang August im Osnabrücker Schlossgarten ein um zu feiern, zu singenund Spaß zu haben. Die Friedensstadt durfte in diesem Jahr zum Schlossgarten Open Air Rea Garvey, Mark Forster und Cro als Headliner empfangen. Walking On Cars aus Irland und die Band Vona aus Süddeutschland standen ebenfalls auf der Bühne.

Der Garten vor der malerischen Kulisse des Schlosses war kaum wiederzuerkennen. Wo vorher grüner Rasen zum Verweilen einlud, standen jetzt Tonnen von Technik. Überall Kabel, ein riesiges Bühnenequipment und fleißige Hände, wohin man blickte. Vor dem Hintergrund der enormen Technik, der vielen Fahrzeuge und der vermehrten Besucherzahl in diesem Jahr, musste das Grün des Schlossgartens geschützt werden. Kein Fahrzeug über 7,5 Tonnen befährt die Wiese – so viel war sicher. Doch konnte das bei insgesamt 10 Kilometern Kabel für die Infrastruktur und Bühnentechnik und ca. 40 Tonnen Bühnenkonstruktion bewerkstelligt werden? 3600 Bodenschutzplatten mit Druckpunkten verteilten das Gewicht der täglich 12.000 Besucher optimal, sodass der Rasen keinen Schaden davontrug. Die Produktion der Bodenplatten ist ebenso günstig wie einfach: Weggeworfener Kunststoffmüll wird geschreddert und zu belastbaren Platten geformt. Ein wahres Recycling-Wunder! Am Ende half eine große Hake, um die Grashalme wieder aufzurichten. Außerdem durchzog eine schmale Schwerlaststrecke das Grün, auf der Fahrzeuge die schwere Technik zu dem Turm transportieren konnten, von dem aus Licht und Effekte auf der Bühne gesteuert wurden.

Wie lange dauerte die Vorbereitung?

Nach dem Festival ist vor dem Festival! Füße hochlegen gilt also nicht für das Veranstalterteam der Goldrush Productions GmbH, denn sobald ein Open Air vorbei ist, steigen sie in die Planungen des folgenden Events ein. So war es auch 2015: Kaum hatten Revolverheld und Die Fantastischen Vier die Bühne verlassen, waren die fleißigen Veranstalter aus dem Rosenhof wieder an der Strippe. Es dauerte nicht lange, bis Rea Garveys Management auf Goldrush Productions zukam. Cros Management wurde angefragt, aber auch dieser ließ nicht lange auf sich warten. Alles in allem waren rund 300 Personen in die Planung und Durchführung involviert. Von Veranstaltungskaufleuten über die Produktionsleitung bis zu den Bühnen-, Ton- und Lichttechnikern, Caterern mit Koch und Servicekräften, der Security, den Sanitätern, der Polizei mit Bombenspürhunden, der Feuerwehr, zahlreichen Elektrikern, Bühnenbauern, LKW-Fahrern, Busfahrern, Gabelstaplerfahrern,

Zeltbauern und natürlich Musikern reichte die Palette an Beschäftigten. Vor allem beim Catering wurde auf Regionalität geachtet. Rea Garveys, Mark Forsters und Cros Wunsch nach vegetarischem und veganem Essen wurde erfüllt, Obst, Nüsse und Ingwer-Tee, der die Stimmen ölen sollte, standen außerdem bereit. Die Bühne stellte der Osnabrücker Veranstaltungstechnikdienstleister Welzel zu Verfügung und mit Gin 049 konnten die Besucher Pure Organic Gin aus Georgsmarienhütte probieren. Auch die Sicherheitsmaßnahmen wurden im Vorfeld detailliert geplant und an der erwarteten Besucherzahl ausgerichtet. So konnten sich die Osnabrücker auf ein fröhliches und friedliches Festival freuen.

Wer setzte den Schlossgarten unter Strom?

Am 5. und 6. August schlängelten sich 10 Kilometer Kabel durch den Schlossgarten. Sie versorgten die Infrastruktur und die Bühne mit Strom – doch für die Wasserversorgung der Stände und des VIP-Bereichs musste außerdem ein 1-Kilometer langer Trinkwasserschlauch verlegt werden. Die Stadtwerke Osnabrück stellten eine Stromleistung von ca. 800 kVA bereit – das entspricht der Leistung von 220 Haushaltssteckdosen. Die komplette Versorgung konnte ohne Hilfe von Dieselaggregaten sichergestellt werden. 40 Tonnen Bühnenkonstruktion, die mindestens 20 Tonnen für weitere Technik im Dach aufnehmen konnte, wurden mit sechs Sattelauflegern transportiert und noch einmal zwei LKWs waren für die örtlich gestellte Technik nötig. Kein Wunder bei einer 12 Meter hohen und 27 Meter breiten Bühne. „Man muss sich mit diesem Festival im nationalen Vergleich keineswegs verstecken!“, bestätigt Christoph Hengholt vom Veranstalterteam. Den Schlossgarten unter Strom setzten auch die vielen helfenden Hände, die schon Tage vorher, am Festivaltag selbst und danach vor Ort waren. Nach dem Ende des Spektakels wurden in einer Dreiviertelstunde acht Mülltonnen gefüllt – und schon sah der Schlossgarten wieder aus wie neu. Ca. 20.000 Strohhalme und 400 kg Würfeleis wanderten in eiskalte Cocktails und andere Getränke. Außerdem waren 22 Zapfhähne notwendig, um die vielen Besucher mit einem kühlen Bier zu versorgen.

Welche Künstler kannten Osnabrück bereits?

Der Tourmanager von Max Giesinger ist ein Kind der Region – Florian Gahm kommt aus Bersenbrück. Außerdem stammt Max´ Band aus dem nur 80 Kilometer entfernten Nordhorn. Aber auch Giesinger selbst kennt die Friedensstadt gut. Er war vor einigen Jahren als Straßenmusiker in Osnabrück unterwegs. Die Schlossatmosphäre in Osnabrück hatte es auch Rapper Cro angetan: Mit seiner Band musizierte er am Festival-Samstag im Klavierzimmer des Schlosses. Die Künstler nahmen aber auch etwas aus der Hasestadt mit: Mark Forsters Bandkollege Leo konnte beim Auftritt nicht dabei sein, da er zu seiner Frau in den Kreissaal musste. Daher waren die Osnabrücker kreativ und in Windeseile wurde ein Ersatz gefunden: Das Modehaus L+T sponserte spontan eine Schaufensterpuppe namens Jeff Koch, die die Band auf ihrer weiteren Tour begleitet.

Ausgabe 15, 3/2016 | Autor: Kristina Hoffmann

Bildnachweise

Bilder Bodenplatte, Kind mit Mütze, Baugerüst  ©  Kristina Hoffmann // restliche Bilder  © Goldrush Productions, Björn Kaisen