Wo fällt der „Eiserne Vorhang“?

Der Eiserne Vorhang ist eine Rauch- und Feuerabdichtung, die auf deutschen Großbühnen seit 1889 Pflicht ist, nachdem es im 19. Jahrhundert mehrmals zu verheerenden Bränden kam. Denn „der Eiserne“, wie er vom Theaterpersonal liebevoll genannt wird, soll den Zuschauer vom Bühnenraum im Falle eines Feuers bzw. einer Rauchentwicklung abtrennen.

In solch brenzligen Situationen kommt es auf jede Sekunde an – innerhalb von 30 Sekunden muss ein Eiserner Vorhang schließen können. Im Theater Osnabrück braucht er sogar nur 28 Sekunden. Die Sicherheitseinrichtung, die im Osnabrücker Theater am Domhof fast so viel wiegt wie eine Elefantenkuh, nämlich zwei Tonnen, ist zehn Meter hoch. Im Falle eines Brandes hält der Eiserne Osnabrücker dem Feuer also zwei Stunden stand. Darüber gibt die Brandschutzbezeichnung „F120“ Auskunft.
Geöffnet und geschlossen wird der Eiserne über eine hydraulische Anlage auf dem Schnürboden, der 21 Meter über dem Bühnenboden liegt. Dort ist zum Beispiel auch der Seilzug für den großen roten Theater-Vorhang untergebracht.

Der Eiserne wird zum Schichtende der Techniker um 23.00 Uhr heruntergelassen und zum Schichtbeginn um 8.00 Uhr wieder geöffnet.
Der Zuschauer kann den Vorhang übrigens in einigen Theaterproduktionen im geschlossenen Zustand sehen. Dies war zuletzt in „Das Leben der Insekten“ der Fall.
In deutschen Theatern darf an den Eisernen Vorhang weder etwas angehängt, noch darf er bemalt werden. Österreich aber hat andere Regelungen. Der Eiserne Vorhang der Wiener Staatsoper wird seit 1998 zu jeder neuen Spielzeit von einem anderen Künstler gestaltet, somit wird auch die Brandschutzeinrichtung in das Kulturprogramm integriert.

Kleinbühnen

Kleinbühnen < 200 m² Szenenfläche und ohne Schnürboden haben eine Brandschutzvorrichtung aus Glasfasergewebe, die meistens „F60“ ist, dem Feuer also 60 Minuten – eine Stunde – standhalten kann.

Ausgabe 9, 1/2015 | Autor: Laura Munzel

Bildnachweise

Bilder © Laura Munzel