Was passiert, wenn der Strom abgestellt wird?

Kein Licht, kein Computer, kein Wasserkocher, nicht einmal das Handy kann aufgeladen werden – eine erschreckende Vorstellung. Wie wichtig Strom heutzutage ist, merkt man spätestens dann, wenn der Versorger eben diesen abdreht. Rund sieben Millionen Sperren kündigen die Stromanbieter im Jahr an. Meistens bleibt es bei der Drohung, doch mehr als 300.000 Kunden wurde tatsächlich zeitweise der Strom abgeklemmt. Auch in Osnabrück ist dieser Schritt mitunter nicht zu vermeiden. In den letzten vier Jahren waren nach Angaben der Stadtwerke jeweils mehrere Hundert Haushalte betroffen.

Gibt es ein Grundrecht auf Energie?

Im vergangenen Jahrzehnt haben sich die Kosten für Gas, Strom und Fernwärme fast  verdoppelt. Für immer mehr Personen hat dieser Umstand schlimme Folgen: Bei dauerhafter Zahlungsunfähigkeit und nach Prüfung aller möglichen Alternativen werden die Leitungen gesperrt. Ein Grundrecht auf Energie gibt es jedoch nicht – kein Geld, kein Strom heißt es in den meisten Fällen. Um solchen Umständen entgegenzuwirken versucht die Politik schon seit längerem, eine Art Prepaid-System in das Netz der Stromlieferanten und Kunden zu integrieren, ähnlich wie das schon lange etablierte System im Mobilfunkbereich. Nach aktueller Gesetzeslage kann die Strom- oder Gasversorgung gekappt werden, wenn ein Verbraucher mit mindestens hundert Euro im Rückstand ist und die Aussicht eines zeitnahen Nachkommens der Zahlungspflicht nicht gegeben ist.
Betroffene sind häufig Hartz-IV–Empfänger, Rentner und Erwerbstätige mit geringem Einkommen. Aber auch Asylbewerber, Studenten und Bezieher von Kranken- oder Pflegegeld kommen bei der Energiebeschaffung in missliche Lagen. Dieser Effekt tritt vermehrt bei Menschen auf, die wenig Geld haben, aber relativ viel Zeit zu Hause verbringen. Hierdurch fällt ihr Energieverbrauch im Verhältnis drastisch höher aus. Gleichzeitig können sie sich keine modernen, effizienteren Geräte leisten und müssen mit den teuren Stromfressern zurechtkommen. Verglichen mit anderen Ländern in Europa ist Deutschland, neben Dänemark, der zweitteuerste Markt für Stromkunden und der Gaspreis bewegt sich im oberen Drittel. Knapp 1.900 Euro muss ein Durchschnittshaushalt im Jahr zum Duschen, Heizen und Kochen ausgeben.
Doch auch wer seine Stromrechnung immer pünktlich bezahlt, kann in Schwierigkeiten kommen. Hierbei sind die Nachzahlungen der Knackpunkt. Gerade nach kalten Wintern können dabei beachtliche Summen anfallen. Stadtwerke sind in diesen Fällen in Sachen Ratenzahlungen oft flexibler als Unternehmen, die irgendwo in Deutschland sitzen und keine regionalen Ansprechpartner haben.

Wie kann die Stromsperre verhindert werden?

Von wesentlicher Bedeutung ist, dass Kunden, die in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind (oder absehbar geraten werden), möglichst frühzeitig mit dem Versorger in Kontakt treten, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Personen, die mit ihrer Stromrechnung in Verzug geraten, bekommen zunächst Mahnungen. Im nächsten Schritt ist dann die Höhe der Schuld relevant. Bei Überschreitung des gesetzlichen Grenzwertes darf der Versorger eine Stromsperre androhen. Durchschnittlich passiert das bei einem Rückstand von 120 Euro. Außerdem muss die Drohung unmissverständlich klarmachen, dass bei Nichtzahlung die Kappung folgt und mindestens vier Wochen vor der geplanten Stromsperre eingehen. Im Fall der Stadtwerke Osnabrück fahren zusätzlich Außendienstmitarbeiter zu den betroffenen Kunden und versuchen Lösungen zu finden.
Erst wenn sämtliche Bemühungen fehlgeschlagen sind, kommt es zur Sperrung des Zählers, wobei es eine Vielzahl an Ausnahmen bei bestimmten Witterungsverhältnissen und sofern der Anschluss auch zur medizinischen Versorgung genutzt wird, gibt.
Experten empfehlen, Rechnungen für Heizung, Strom und Miete immer vor jeglichen anderen Rechnungen zu begleichen. Zusätzlich sollten Kunden, die Leistungen vom Sozialamt oder Jobcenter beziehen, die Abschläge direkt vom Sozialleistungsträger an den Energieversorger überweisen lassen. Arbeitnehmer und Rentnern mit sehr geringem Einkommen wird empfohlen zu prüfen, ob ergänzender Anspruch auf staatliche Hilfen wie Wohngeld oder Grundsicherung besteht.

Was sagen die Stadtwerke?

„Uns ist es wichtig, möglichst sämtliche vertretbaren Möglichkeiten von Kulanz und Berücksichtigung der individuellen Kundensituation auszuloten – gerade in schwierigen Situationen. Dazu gehört unter anderem auch eine enge Abstimmung mit städtischen Einrichtungen wie dem Jobcenter. Hier gelingt es uns zusammen mit den Kollegen der Stadt immer wieder, gemeinsam für den Kunden bzw. Bürger einvernehmliche Lösungen zu finden – selbstverständlich unter Einhaltung aller datenschutzrechtlichen Bestimmungen.“

Nicole Seifert
Unternehmenskommunikation
Stadtwerke Osnabrück AG

Ausgabe 11, 3/2015 | Autor: Sebastian Schubert
Strom

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