Die 13 – Glücksbringer oder Schicksalszahl? – Jetzt schlägt’s 13 (Teil 1)

Plötzlich war sie da – die Zahl 13. Nicht mehr 12, noch nicht 14, sondern „Osnabrücker Wissen“ mit der Nummer 13. Ein Moment des Innehaltens. Abergläubisch? Nein, wir doch nicht! Oder doch? Die Zahl 13 hat es zweifellos in sich, sie bewegt, sie beunruhigt, den einen mehr, den anderen weniger. Aber was steckt hinter dieser Zahl? Jetzt schlägt’s aber 13! Wir wollten es genauer wissen.

Wer bleibt ganz cool?

„Bei uns spielt das Thema Glücks- oder Unglückszahl 13 keine Rolle“, teilt Wulf Padecken, Pressesprecher der Sparkasse Osnabrück mit. Es gibt Schließfächer mit der Nummer 13 und auch in Kontonummern ist die 13 zu finden.
Ähnlich entspannt sieht dies auch Marco Hörmeyer von den Stadtwerken Osnabrück. „Bei uns spielt die Zahl 13 keine besondere Rolle. In unseren drei Bädern sind sowohl die Umkleide- als auch die Schließfächer fortlaufend – also inkl. der Nummer 13 – durchnummeriert. Bei der Buslinie 13 gab es zu keiner Zeit irgendwelche Überlegungen, ihr eine neue Liniennummer zu geben. Es gab auch noch nie Stimmen seitens unserer Bäder- und Buskunden, die 13 auszulassen oder zu ersetzen.“
In der Spielbank Osnabrück genießt die Zahl 13 ebenfalls keine abschreckende Wirkung. Marketing-Leiter Maik Janßen erklärt: „Unsere Stammgäste wissen ganz genau, dass zum Beispiel beim Roulette die Kugel keine Günstlinge kennt – weder bei Zahlen, noch bei Farben. Auch neue Gäste vermeiden die Zahl 13 beim Setzen nicht, sondern wählen sie eher häufiger.“ Janßen führt das darauf zurück, dass Spieler oft Zahlen favorisieren, die besonders erscheinen und präsent sind. Neben der 13 übrigens auch oft Geburtstage oder andere Datumszahlen, mit denen die Gäste etwas Persönliches verbinden.

Gibt es in Osnabrück Paraskavedekatriaphobia?

Freitag, der 13. – eine Kombination, die viele Menschen zu Stubenhockern macht. Aus Angst vor einem Unglück, das vielen an diesem Tag sehr viel wahrscheinlicher erscheint als an allen übrigen Tagen des Jahres. Der Fachbegriff für diese Angst lautet „Paraskavedekatriaphobia“. Aber lässt sich für diese Schicksalstage tatsächlich eine signifikante Häufung von Schicksalsschlägen feststellen?
Marco Ellermann von der Osnabrücker Polizeidirektion verneint dies. „Von den gesamten Verkehrsunfällen in 2015 geschahen rund 6 % an einem Freitag. Dass mehr Unfälle an den Freitagen, welche auf den 13. fielen, passierten, kann nicht bestätigt werden. Richtig ist, dass u.a. durch das höhere Verkehrsaufkommen, generell an den Freitagnachmittagen, tendenziell mehr Unfälle geschehen als an anderen Wochentagen.“ Auch im Hinblick auf begangene Straftaten sei Freitag, der 13. kein auffälliger Tag.

Wer traut sich am Freitag, den 13.?

Bei der Suche nach dem geeigneten Trautermin sind sich Osnabrücker Brautpaare nicht einig. Viele meiden diesen Tag. Manches Paar aber kommt freudig ins Standesamt und fragt: „Wir wollen Freitag, den 13. heiraten. Da ist doch bestimmt noch alles frei, oder?“ Die Antwort, dass Trautermine für diesen Tag belegt sind, stößt auf Erstaunen. Dies gilt beispielsweise auch für den einzigen Termin in diesem Jahr. Freitag den 13. Mai 2016 ist das Standesamt Osnabrück komplett ausgebucht. Egal ob Glücks- oder Unglückstag – „Der Aberglaube spielt auch in unserer aufgeklärten Welt eine große Rolle“, ordnet Nina Hoss von der Stadt Osnabrück die Beobachtungen ein. Unabhängig davon seien aber auch andere Rituale zu beobachten. So glauben manche türkischen Brautpaare, dass nach dem Ja-Wort Derjenige in der Ehe das Sagen habe, der dem Partner zuerst auf den Fuß tritt.

Wo fehlt die 13, wo nicht?

„Im Hotel arcona LIVING Osnabrück haben wir keine Zimmer mit der Nummer 13“, sagt Maren Ganser vom Steigenberger Hotel Remarque. Im Remarque aber gibt es zumindest auf der 4. und 5. Etage durchaus je ein Zimmer mit der Nummer 13. Der Aberglaube sei eben immer noch bei vielen Gästen präsent, erklärt sie das weitgehende Fehlen dieser Zimmernummer.
Die Lufthansa verzichtet bei ihren Flügen ab / bis FMO in ihren Flugzeugen ebenfalls auf Sitze bzw. Reihen mit der Nummer 13. Die Fluggesellschaft Condor hat nach der Trennung von der Lufthansa 2013 in ihren Flugzeugen jedoch wieder Sitzplätze mit der Nummer 13 eingeführt. Mal so, mal so. Und wie sieht es im Sport aus? „Grundsätzlich wird die Zahl 13 bei der Handball-Spiel-Gemeinschaft Osnabrück (HSG) nicht anders behandelt, als jede andere auch. Sie taucht also, ebenso wie die anderen Nummern, als Trikotnummer auf. Möglicherweise erfreut sie sich aber unterbewusst geringerer Beliebtheit als andere Trikotnummern. Von den neun Herren- und Damenmannschaften der HSG treten sieben mit einer Spielerin oder einem Spieler an, der die 13 auf dem Trikot trägt“, erklärt Mathias Wygold von der HSG gegenüber „Osnabrücker Wissen“. „Von Vereinsseite aus jedenfalls wird die 13 nicht als negativ behaftet betrachtet“, betont Wygold.
Dies handhabt auch Anja Thies in der Filmpassage Osnabrück so: „Wir haben alle Sitzplätze durchnummeriert – inklusive der 13“.

Das emma-Theater verzichtet ganz auf Platznummern – also auch auf die 13. Im Theater am Domhof existiert der Platz mit der Nummer 13 durchaus – und bisher hat sich auch noch kein (deutscher) Zuschauer daran gestört. Nora Vogt vom Theater Osnabrück weiß allerdings von einer französischen Gruppe, die bei einer Theaterführung schier entsetzt darüber war, dass ein solcher Platz existiert.

Wer ist besonders abergläubisch?

„Von der Zahl 13 mal abgesehen, gehören Theaterleute wohl zu der abergläubischsten Zunft überhaupt“, sagt Nora Vogt vom Theater Osnabrück. Pfeifen sei beispielsweise tabu. Ein Grund könnten die bis ins 20. Jahrhundert verwendeten Gaslampen gewesen sein. Wenn denen nämlich der Sauerstoff ausging, begannen sie zu pfeifen – ein nicht zu überhörendes Warnsignal vor einer möglichen Explosion. Ein pfeifender Theatermitarbeiter hätte damals sicher eine Panik ausgelöst.

Wo landet das Triumphgemüse?

Eine Prise Aberglaube schwingt auch mit, wenn Sabine Meyer vom Erzähltheater Osnabrück vom Weg ihres „Triumphgemüses“ berichtet. Die so bezeichneten Blumen, die ihre begeisterten Besucher am Ende der Vorführung auf die Bühne werfen, gibt sie alle an ihre Nachbarin weiter. „Die darf ein Schauspieler nicht behalten, denn Blumen verwelken. Der eigene Ruhm soll das aber natürlich nicht“, erklärt sie gegenüber „Osnabrücker Wissen“.

Ausgabe 13, 1/2016 | Autor: Yörn Kreib

Bildnachweise

Roulette © Spielbank Osnabrück / Sabine Meyer © Max Ciolek / Standesamt Osnabrück © Janin Arntzen, Stadt Osnabrück