Was bringt mehr als schlaue Sprüche?

Wer sich teamorientiert verhalten und mit Konflikten angemessen umgehen kann, hat es leichter im Leben.

Zahlreiche Schulen setzen aus diesem Grund bereits auf Mediation, Deeskalationstraining oder Buslotsen. Sogar in einigen Kindergärten wird die Gewaltfreie Kommunikation (GfK) eingesetzt und gelehrt.
Boris Hündorf, Diplomsozialpädagoge und Mediator arbeitet für die Stadt Osnabrück. In einer Osnabrücker Familien- begegnungsstätte ist er vor allem für Jugendliche im Alter zwischen 13 und 25 Jahren zuständig.
Hündorf schätzt die Methode GfK, weil er sie schnell und unkompliziert einsetzen kann. „Wenn die Wogen hochkochen, brauche ich pubertierenden Jugendlichen nicht mit schlauen Sprüchen über Mediation oder Deeskalation kommen. Setze ich jedoch im Gespräch mit den Jugendlichen ganz unauffällig die vier Schritte der GfK ein, kann ich ihnen schnell auf die Sprünge helfen.“

Wohin mit der Bananenschale?

So erzählt Hündorf das Beispiel einer weggeworfenen Bananenschale im Aufenthaltsraum. Anstatt zu schimpfen – „Du hast die Schale in den Raum geschmissen, räum sie sofort wieder weg!“ – spricht Hündorf ganz neutral die Beobachtung an, dass die Bananenschale in den Raum geworfen wurde. Er erklärt, dass er den Raum unordentlich findet und lieber unfallfrei durchqueren möchte. Dass er sich aus diesem Grund mehr Respekt vor der Räumlichkeit wünscht und bittet, künftig die Bananenschalen in den Müll zu werfen. Zugegeben, Hündorf hätte es nicht mit pubertierenden Jugendlichen zu tun, wenn sie nicht sofort die Lücke erkennen und es am nächsten Tag mit Erdnüssen versuchen würden. Trotzdem konnte der Sozialpädagoge ihnen seine Sichtweise in Ruhe klarmachen, wurde verstanden und akzeptiert. Die Jugendlichen reagieren auf die GfK. Hündorf freut es besonders, dass sie anfangen, einen anderen Umgangsstil unbewusst aufzunehmen und für die Erklärung ihrer eigenen Bedürfnisse zu nutzen. „Das zeugt von der hohen Praktikabilität und Akzeptanz der drei Schritte des GfK“, sagt der Sozialpädagoge. Gewaltfreie Kommunikation sei somit im positiven Sinne ansteckend und helfe im täglichen Leben, andere Menschen besser zu verstehen und eigene Bedürfnisse besser vertreten zu können.

Die GfK und ihre vier Schritte

Die Gewaltfreie Kommunikation (GfK) wurde von dem US-amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg (geb. 1934) entwickelt. Rosenberg geht davon aus, dass die Frage, ob Menschen Empathie füreinander entwickeln können, von der Art und Weise ihrer Kommunikation abhängt.

Die vier Schritte der GfK bestehen aus Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte:

1. Beobachtung neutral mitteilen.
Beispiel: In der Küche steht schmutziges Geschirr.

2. Gefühle beschreiben.
Beispiel: Das schmutzige Geschirr löst bei mir Ekel aus.

3. Bedürfnis nennen.
Beispiel: Wenn ich am Abend nach Hause komme, möchte ich mich wohlfühlen. Dazu gehört eine aufgeräumte Küche

4. Bitte äußern.
Beispiel: Ich möchte Dich bitten, künftig nach dem Essen das Geschirr in den Geschirrspüler zu räumen.

Ausgabe 5, 4/2013 | Autor: Angelika Voss

Bildnachweise

Passbild © Boris Hündorf; Sprechblasen © Marina Zlochin – Fotolia.com