Was macht ein Bankräuber ohne Bank?

Das Landgericht Osnabrück bearbeitet mehrere hundert Strafverfahren im Jahr. Einige sorgen bundesweit für Schlagzeilen, andere bleiben wegen ihrer kuriosen Begleitumstände im Gedächtnis.

Unsere Autorin Angelika Voss wirft mit Gerichtspräsident Antonius Fahnemann einen Blick auf außergewöhnliche Fälle. Im November 2011 musste das Landgericht einen Bankraub verhandeln, der gar nicht stattgefunden hatte. Weil es die Bank nicht mehr gab …
Am 11. Mai 2011 betrat Siegfried K. ein Haus in Walchum (Dörpen), an dessen Außenfassade die Reklame einer Sparkasse angebracht war. Im Vorraum ergriff der vermummte, mit einer Pistolenattrappe bewaffnete Mann die 52-jährige Elke L., um mit ihr als Geisel mindestens 10.000 Euro zu erpressen.

Der Raub scheiterte jedoch, weil die Bank das Haus schon vor zehn Jahren geräumt hatte. Im Vorraum befanden sich lediglich ein Geldautomat und ein Kontoauszugsdrucker, während im übrigen Gebäude gerade eine physiotherapeutische Praxis eingerichtet wurde. Siegfried K. zwang die Geisel, Geld von ihrem eigenen Konto abzuheben. Anschließend flüchtete er mit 400 Euro in einem zuvor gestohlenen PKW, ließ darin aber die Plastikpistole mit seiner DNA zurück. „Deutschlands dümmster Bankräuber“ (O-Ton BILD-Zeitung) wurde wegen erpresserischen Menschenraubs in Tateinheit mit schwerem Raub sowie tatmehrheitlich begangenen Diebstahls zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Trotz der geringen Beute, denn Siegfried K. hatte in den letzten 40 Jahren 22 Vorstrafen angesammelt und schwere gesundheitliche Folgen für die Geisel billigend in Kauf genommen. Antonius Fahnemann, Gerichtspräsident des Landgerichts Osnabrück, warnt folgerichtig auch noch im Rückblick davor, das bizarre Verbrechen zu bagatellisieren: „Es handelte sich um ein ungewöhnliches Strafverfahren, weil der Täter äußerst dilettantisch vorgegangen ist. Er hat sich nicht einmal vergewissert, ob sich in dem Gebäude überhaupt eine Bank befindet. Mir liegt aber sehr am Herzen, auf die Situation des Opfers aufmerksam zu machen. Sie leidet aufgrund des Vorfalls noch heute an posttraumatischen Belastungssymptomen und musste sich in therapeutische Behandlung begeben. Die Tat des Angeklagten hatte also weitreichende Folgen.“

Ausgabe 6, 1/2014 | Autor: Angelika Voss

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