Welcher berühmte Weg führt durch Osnabrück?

Fortbewegung zum Austausch von Waren und Informationen ist seit jeher ein Grundbedürfnis der Menschen. Die kürzesten und möglichst barrierefreien Verbindungen von einem Ort zum anderen bleiben häufig über Jahrtausende hinweg bestehen, weshalb die heutigen Autobahnen und Bundesstraßen in den meisten Fällen den Verlauf der mittelalterlichen Fernwege und Haupthandelsstraßen übernommen haben. Zur damaligen Zeit wurden die Wege nicht nur von Händlern und Reisenden benutzt. Seit dem 4. Jahrhundert gibt es erste Überlieferungen von Pilgern, die sich ebenfalls an die viel genutzten Strecken hielten, um Schutz vor eventuellen Überfällen zu finden.

Eine der bekanntesten christlichen Pilgerstätten ist Santiago de Compostela, unter dessen Kathedrale sich Legenden zufolge das Grab des Apostels Jakobus befindet. Den Hauptweg, dessen Entstehung auf das 11. Jahrhundert zurückzuführen ist, stellt der sogenannte „Camino Francés“ dar, der auf ca. 800 km Länge von der französischen Stadt St. Jean Pied de Port durch Nordspanien nach Santiago de Compostela führt. 1987 wurde der Hauptweg durch Nordspanien zum Kulturweg erklärt und 1993 Teil des UNESCO- Welterbes. Durch das Buch „Ich bin dann mal weg“ des deutschen Entertainers Hape Kerkeling (2006) gab es besonders in Deutschland einen bemerkenswerten Pilgeraufschwung.
Neben dem Hauptweg im Norden Spaniens gibt es noch etliche andere Wege, die zu der heiligen Stätte führen. Sie ziehen sich durch ganz Europa und werden durch den Oberbegriff „Jakobsweg“ als solche gekennzeichnet.

Eine der norddeutschen Routen ist die Via Baltica, die auf knapp 770 km von Usedom über Bremen nach Osnabrück führt. Sie wird dann ab Osnabrück über Lengerich, Münster und Dortmund fortgesetzt und erreicht nach etwas mehr als 200 km Wuppertal in Westfalen.
Der Weg beginnt am Osnabrücker Dom und führt am Rathaus vorbei durch die Altstadt in Richtung Heger Tor. Über Kopfsteinpflaster durch das Katharinenviertel immer in Richtung des Stadtteils Hellern. Der Heger Friedhof wird halb umrundet, bevor der Weg nahe IKEA die Rheiner Landstraße über-, und die A 30 unterquert. Durch kleine Wohnsiedlungen und über Feldwege werden die Orte Gaste und Hasbergen auf dem dezent beschilderten Jakobspilgerweg durchquert, bis die erste Etappe schließlich in der zum Kreis Steinfurt gehörenden, knapp 22.000 Einwohner zählenden Stadt Lengerich endet.

Wer stempelt den Pilgerpass?

Wo die Pilgerreise beginnt, entscheidet jeder selbst. Hat man jedoch die letzten 100 km bis nach Santiago de Compostela zu Fuß, bzw. die letzten 200 km mit dem Fahrrad oder auf einem Pferd zurückgelegt und kann dies anhand der entsprechenden Stempel in seinem Pilgerpass belegen, so bekommt man am Ende der Pilgerreise eine Urkunde, die so genannte „Compostela“, ausgehändigt. Gestempelt wird in der Regel in Pilgerherbergen oder örtlichen Gotteshäusern. Auf dem Hauptweg haben viele Gaststätten ebenfalls einen eigenen Stempel und auch Privatleute stehen ab und an mit gezücktem Stempelkissen am Wegesrand.

Ausgabe 10, 2/2015 | Autor: Meike Key

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