Der Fuchs: Die Katze unter den Hunden?

Elegant und doch ganz pragmatisch, hundeartig und dennoch ab und zu irgendwie wie eine Katze: Der Silberfuchs ist ein Tier der Gegensätze. Mit seiner silbergrauen Fellfärbung galt er um 1900 als der „König der Pelztiere“ – jedoch mit traurigem Hintergrund. Denn mit dem Silberfuchs begann in den 1890er Jahren die planmäßige Zucht von Pelztieren, die dann zu Mänteln und Mützen wurden.

Das schlanke Raubtier mit schmaler Schnauze und glänzendem Fell bewegt sich elegant und leise durch das Unterholz. Was sein Futter angeht ist der 5 bis 7,5 Kilogramm schwere Fuchs aber entgegen seines edlen Aussehens ziemlich anspruchslos: Egal ob Feldmäuse, Regenwürmer, Obst oder Aas – er ernährt sich opportunistisch, nimmt also mit dem Vorlieb, was gerade leicht zu erbeuten oder zu finden ist und einen hohen Energiegehalt hat. Beim Beutefang zeigt der Fuchs ein ganz spezielles Verhalten: Er schleicht sich langsam an und macht dann einen sogenannten „Mäusesprung“. Dieser ist eher ein katzentypisches Jagdverhalten, bei dem die Tiere mit geschlossenen Beinen hochspringen und sich dann mit den Vorderpfoten auf die Beute stürzen. Füchse und Katzen haben durch ihre Vorliebe für kleine Nagetiere scheinbar ein ähnliches Jagdverhalten entwickelt. Dennoch gehören sie zoologisch gesehen zwei verschiedenen Familien an. Der Silberfuchs gehört zu der Familie der Canidae, also der Hundeartigen. Er ist übrigens lediglich eine Farbvariation des Rotfuchses und keine eigene Art. Der Rotfuchs lebt sowohl nördlich des Polarkreises als auch in fast tropischen Gebieten, der Silberfuchs ist hingegen im nördlichen Nordamerika und in Nordost-Sibirien verbreitet.

Bellen, keckern, schreien und trillern – Silberfüchse kommunizieren über eine Vielzahl an Lauten. Wenn die Füchse Machtkämpfe austragen, könnte man meinen, Katzen kämpfen miteinander, denn ihr Geschrei ähnelt Katzengeräuschen eher als Hundelauten. Silberfüchse messen ohne Schwanz etwa 60 bis 75 Zentimeter Körperlänge, der Schwanz ist 35 bis 45 Zentimeter lang.

Ein Fuchs als Haustier?

Bereits im alten Ägypten gab es Versuche, den intelligenten Reineke zu domestizieren. Füchse zeigen zwar eine hohe Kommunikationsfähigkeit, besonders Menschen gegenüber, so verstehen sie Fingerzeige und Blicke auf Anhieb. Aber im Gegensatz zu Hunden, die Hierarchien und den Menschen als Alphatier akzeptieren, sind Füchse Individualisten. Ähnlich wie Hauskatzen haben sie ihren eigenen Kopf und kein Bedürfnis, dem Menschen als Rudelführer zu folgen. Lediglich die Aussicht auf Belohnung motiviert sie zu tun, was der Mensch von ihnen verlangt.
Dass Füchse dennoch domestiziert werden können, zeigen Wissenschaftler in Nowosibirsk: Seit den 1950er Jahren wird dort eine Untersuchung mit Silberfüchsen durchgeführt. Nur menschenfreundliche Individuen werden in einer Gruppe weiterverpaart.

Schon nach wenigen Generationen zeigten die Silberfüchse keine Scheu und begrüßten die Menschen schwanzwedelnd – für Füchse ein eher untypisches Verhalten. Heute lebt in Nowosibirsk die weltweit einzige domestizierte Silberfuchspopulation. Im Osnabrücker Zoo leben derzeit zehn Silberfüchse, acht Männchen und zwei Weibchen. Sie haben ihren eigenen Bereich in der Tierwelt „Kajanaland“, teilen sich aber eine Anlage mit den Mischlingsbären Tips und Taps. Denen stibitzen sie gerne bei den Fütterungen den einen oder anderen Fisch.

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Ausgabe 12, 4/2015 | Autor: Hanna Rickert

Bildnachweise

Bilder Fuchs © Zoo Osnabrück