Warum können Pinguine besser tauchen als U-Boote?

„Mama, ist den Pinguinen nicht viel zu warm hier in Deutschland?“ – diese Frage hört man oft, wenn man im Osnabrücker Zoo vor dem Becken der Humboldt-Pinguine steht. Was viele nicht wissen: Nur zwei von insgesamt 18 Pinguin-Arten sind waschechte Antarktisbewohner. Der Großteil lebt auf der Südhalbkugel in gemäßigten Zonen der Erde.

So liegt auch das Verbreitungsgebiet der Humboldt-Pinguine weit abseits des Südpols. Es erstreckt sich von Chile bis Peru, entlang der Westküste Südamerikas. Ihren Namen haben die Humboldt-Pinguine von der gleichnamigen Strömung, die entlang der Pazifikküste verläuft: Dem Humboldt-Strom.Dieser ist allerdings alles andere als warm, er ist sogar zehn Grad kälter als der offene Ozean. Doch wie halten sich die Humboldt-Pinguine da warm? Dafür haben sie einige „Tricks“ auf Lager: Eine dicke Fettschicht isoliert ihren Körper. Außerdem können sie unter Wasser Stoffwechsel und Herzschlag herunterfahren. Um zusätzlich Wärme zu sparen, werden dann nur Herz, Augen und Gehirn gut durchblutet. Beachtlich, was dieser kleine Körper – Humboldt-Pinguine sind gerade mal knapp 70 Zentimeter groß und um die 5 Kilogramm schwer – alles leisten kann.Auf den ersten Blick sehen Humboldt-Pinguine alle gleich aus: dunkler Rücken, dunkle Flügel und helle Brust. Doch bei näherer Betrachtung der Osnabrücker Pinguine Kolonie fällt auf: Ob Anton, Merle, Dörthe, Ole, Piet oder Melli – jeder trägt ein individuelles Gefieder mit unterschiedlichem Punktemuster auf Brust und Bauch. So können Tierpfleger sie dann doch unterscheiden. Sicherheitshalber tragen die Osnabrücker Pinguine zur Identifizierung noch verschiedenfarbige Ringe an den Flügeln.

Taucht ein Pinguin ab, muss er dafür kaum Kraft aufwenden. Wegen seiner massiven Knochen ist sein Auftrieb sehr gering, womit er drei Mal weniger Wasserwiderstand hat als ein modernes U-Boot. Unter Wasser erreichen Pinguine eine Geschwindigkeit von bis zu 36 Kilometern pro Stunde. In bis zu 60 Metern Tiefe sind die Raubtiere auf der Jagd nach Tintenfischen, Krebsen und Fischen aller Art. Pro Tag benötigen sie ungefähr 500 Gramm davon. Sind sie gut genährt, kann die isolierende Fettschicht ein Drittel ihres Körpergewichtes ausmachen. Das erklärt, warum sich der Name Pinguin – zugegeben wenig schmeichelhaft – vom lateinischen Begriff „pinguis“ ableitet, was mit dem Wort „fett“ übersetzt wird.

Lieben Pinguine nur einmal?

Pinguine leben in Kolonien. Die Kolonie im Zoo Osnabrück besteht derweil aus 20 Humboldt-Pinguinen, elf Männchen und zehn Weibchen. Innerhalb ihrer Gruppe finden sich die Tiere früher oder später zu Paaren zusammen. Mit etwa vier Jahren sind sie geschlechtsreif. Nach der Paarungszeit legen die Pinguin-Weibchen bis zu zwei Eier, die sie dann 42 Tage ausbrüten. Den Pinguinen wird eine lebenslange Treue zu  ihrem einmal gewählten Partner nachgesagt. Doch so romantisch diese Vorstellung auch klingt: Während das Weibchen das Ei wärmt, vertreibt sich so mancher Pinguinmann die Zeit mit einem anderen Weibchen.

Wer gefährdet Pinguine?

Der Humboldt-Pinguin ist einer der seltensten Pinguin-Arten. Leergefischte Meere, unkontrollierter Tourismus, Guano-Abbau in den Brutkolonien sowie Pinguine als Köderfleisch: All das sorgt dafür, dass die Tierart mittlerweile von der Weltnaturschutzorganisation als gefährdet eingestuft wird. In der Wildbahn werden Pinguine bis zu 30 Jahre alt. Leben sie in Zoos, können sie dank der guten Versorgung sogar das 36.  Lebensjahr überschreiten.

Ausgabe 15, 3/2016 | Autor: Anna Nuxoll

Bildnachweise

Bilder Pinguine © Zoo Osnabrück / Pinguin tauchend © iwoshek, fotolia.de // Hintergrund © Byelikova Oksana, fotolia.de