Warum stehen Flamingos auf einem Bein?

Die rosaroten Flamingos gehören wohl zu den bekanntesten Zootieren. In Osnabrück bilden die Flamingos das „Empfangskomitee“ für alle ankommenden Besucher. Direkt am Eingang liegt ihr eigener Teich mit Sandbank – von dort schnattern sie allen Gästen ihren Willkommensgruß entgegen. Insgesamt 33 Tiere der Arten Chileflamingo (Phoenicopterus chilensis), Rosaflamingo (Phoenicopterus roseus) und Kubaflamingo (Phoenicopterus ruber) leben hier.

In der Wildbahn sind Flamingos auf verschiedenen Kontinenten zu Hause: Sie leben in Europa, Afrika, Westasien, Mittel- und Südamerika an salzigen Binnenseen und küstennahen Brackgewässern. Mit bis zu mehreren hunderttausend Tieren leben sie in großen Kolonien und sind damit Koloniebrüter. Der Vorteil: Das gemeinschaftliche Brüten schützt vor Feinden. Das Nest besteht aus einem Schlammhügel, den die Eltern gemeinsam bauen. Auch an der 30-tägigen Brutphase beteiligen sich Weibchen und Männchen. Das Weibchen legt übrigens immer nur ein Ei. Flamingoküken besitzen zunächst ein weißes Daunengefieder, das sich nach ungefähr vier Wochen dunkelgrau umfärbt. Erst nach zwei Jahren erhält der Jungvogel das typisch gefärbte Gefieder der Erwachsenen.
Die Farbgebung eines jeden Tieres variiert zwischen rosa-rot und rosaorangefarben. Diese Färbung erhält das Gefieder durch die Nahrung.

In der Natur ernähren sich Flamingos von kleinen Lebewesen, wie Blau- und Kieselalgen, Salinenkrebsen und Insektentieren. Mit Hilfe eines speziellen Filtersystems an den Schnabelrändern sieben sie die Nahrungspartikel im Schnabelinneren aus. Die darin enthaltenen Karotinoide, natürliche Farbstoffe, werden in den Federn eingelagert und sorgen für die typische Färbung. Im Zoo erhalten Flamingos ein Ersatzfutter mit Karotinoiden, zum Beispiel in Form von rotem Paprikapulver, sodass die Farbe des Gefieders erhalten bleibt.
Neben der Gefiederfarbe zeichnen die Flamingos ihr langer Hals und ihre langen Beine aus: Ein ausgewachsener Flamingo wird bis zu 190 Zentimeter groß und wiegt zweieinhalb bis dreieinhalb Kilogramm. Vom Kopf bis zum Schwanz kann er eine Länge von 80 bis 130 Zentimetern erreichen. Ihre Lebenserwartung liegt bei bis zu 60 Jahren.

Insgesamt gibt es sechs Arten: Rosaflamingo, Kubaflamingo, Chileflamingo, Zwergflamingo, Andenflamingo und James’s Flamingo.
Und warum stehen Flamingos nun stundenlang auf einem Bein? Der Grund dafür ist ihr Körperbau: Die langen Beine sind ungefiedert und somit gegen Kälte ungeschützt. Diese warm zu halten, kostet die Vögel viel Energie. Der Trick: Um auch bei kühlen Temperaturen überleben zu können, ziehen sie in Ruhe- und Schlafphasen ein Bein ins dichte Bauchgefieder. Damit die Beine gleichmäßig warm bleiben, wechseln sie zwischendurch von einem Bein aufs andere. Ihr Kopf ruht dabei immer auf der Köperseite des Standbeines.

Ausgabe 9, 1/2015 | Autor: Jennifer Konermann

Bildnachweise

Bilder © Zoo Osnabrück