Welche Pfeilgiftfrösche sind nicht giftig?

Sie gehören zu den kleinsten Zoo-Bewohnern, aber bereits der Name verrät, dass mit diesen Regenwald-Bewohnern nicht zu spaßen ist: Pfeilgiftfrösche. Im Osnabrücker Zoo leben im Tetra-Aquarium derzeit über 30 der ein bis fünf Zentimeter großen, knallbunten Tiere. Die in Mittel- und Südamerika beheimateten Pfeilgiftfrösche werden auch Baumsteiger oder Farbfrösche genannt – und jeder dieser Namen hält, was er verspricht.

Wer im Tetra-Aquarium kurz vor dem Ausgang die Augen offen hält, entdeckt die flinken Frösche schnell – schließlich leuchten sie in knalligem blau, gelb, orange und rot. Viele Amphibien nutzen Tarnfarben, um erst gar nicht von Jägern entdeckt zu werden. Der Pfeilgiftfrosch hingegen schreit mit seinen auffälligen Färbungen regelrecht „Hier bin ich“ – gleichzeitig schrecken die grellen Farben aber ab, denn sie bedeuten auch „Achtung: Ich bin giftig!“. Und drei der über 170 Arten des Pfeilgiftfrosches sind tatsächlich so giftig, dass sie sogar Menschen töten können. Der giftigste und gleichzeitig größte Vertreter der Familie ist der „Schreckliche Pfeilgiftfrosch“: knallgelb und etwa fünf Zentimeter groß. Sein tödliches Sekret, Batrachotoxin, gibt er über die Haut ab und es lähmt Muskeln und Atmung. Andere Arten sind harmloser und verursachen „nur“ Fieber und Magen-Darm-Krämpfe. Die kolumbianischen Chocó-Indianer machen sich das Gift der Frösche zunutze: Sie tränken ihre Pfeile damit, bevor sie sie zur Jagd nutzen. Teilweise sind die Frösche so giftig, dass es ausreicht, die Pfeilspitze an ihnen entlang zu streifen. Dort bleibt das Gift dann bis zu einem Jahr aktiv. Das giftige Sekret eines einzigen Schrecklichen Pfeilgiftfrosches reicht aus, um 30 bis 50 Pfeilspitzen zu tränken.

Wie schützen sich die Tierpfleger im Osnabrücker Zoo vor den gefährlichen Amphibien?

Ganz einfach: gar nicht. Denn die Pfeilgiftfrösche im Zoo sind nicht giftig. Bei dieser Tierart gilt das Motto „Du bist, was du isst“, denn die Frösche fressen giftige Ameisen und Käfer und sondern deren Gift über die Haut wieder ab. Im Zoo bekommen sie nur ungiftiges Futter und sind so völlig ungefährlich. Die meisten Frösche sind nachtaktiv, Pfeilgiftfrösche hingegen tagaktiv – schließlich sind ihre grellen Farben tagsüber am besten zu sehen. Damit ihre Kaulquappen nicht in Flüssen und Teichen Fressfeinden ausgeliefert sind, verfolgen Pfeilgiftfrösche eine ganz besondere Taktik: Sie transportieren die Kaulquappen auf ihrem Rücken in sichere Kleinstgewässer. So nutzen sie vom Regen gefüllte Blattansätze oder die Trichter von Bromelienblättern, damit die Kaulquappen dort heranwachsen können und transportieren sie später wieder auf gleichem Weg zum Boden.

Ausgabe 10, 2/2015 | Autor: Hanna Rickert

Bildnachweise

Bilder: © Zoo Osnabrück