Wer bringt 300 kg auf 40 Stundenkilometer?

Wer im Zoo Osnabrück unterwegs ist, darf die zweimal täglich stattfindende Seelöwenfütterung nicht verpassen – für große wie kleine Zoobesucher ist sie ein absolutes Highlight. Die vier im Osnabrücker Zoo lebenden Seelöwen Enrico, Donna, Sana und Bella, allesamt Kalifornische Seelöwen, gleiten pfeilschnell durch das Wasser, springen vom Beckenrand und lassen ihr charakteristisches Bellen hören. Seelöwen gehören zur Familie der Ohrenrobben. Wer genau hinschaut, kann die seitlich am schlanken Kopf sitzenden Ohrmuscheln erkennen. Damit beim Tauchen kein Wasser eindringt, können sie diese durch einen besonderen Muskel verschließen.

Kalifornische Seelöwen haben einen langen, schlanken Körper und auch der Kopf mit ausgeprägter Schnauze ist eher länglich. Erwachsene Männchen haben einen Stirnhöcker, sodass der Kopf wesentlich größer wirkt als der der Weibchen. Generell unterscheiden sich Männchen und Weibchen in Größe und Gewicht voneinander: Während die Bullen eine Körpergröße von bis zu 2,50 Meter erreichen und bis zu 300 Kilogramm schwer werden können, werden die Kühe nur bis zu 1,80 Meter groß und bringen bis zu 100 Kilogramm auf die Waage. Trotz ihres massiven Körpergewichts sind Seelöwen schnelle und gewandte Schwimmer: Unter Wasser erreichen sie Geschwindigkeiten von bis zu 40 Stundenkilometer. Diese Schnelligkeit verdanken sie ihrem torpedoartigen Körperbau sowie ihren Flossen. Aber nicht nur im Wasser kann sich der kalifornische Seelöwe gut fortbewegen. An Land schiebt er die Hinterflossen unter den Körper und kommt so voran – sogar beim Klettern. Dabei hilft ihm auch sein ausgeprägter Gleichgewichtssinn.
Was viele nicht wissen: Seelöwen tragen ein Fell. Nass glänzt es schwarz, deswegen sind die Haare nicht sofort zu erkennen. Eigentlich ist das Fell der Kalifonischen Seelöwen braun,  die Kühe sind heller als die Bullen. Das Fell ist sehr dicht: Pro Quadratzentimeter kommen bis zu 50.000 Haare zusammen. Im Vergleich dazu hat ein durchschnittlicher Europäer nur 226 Haare pro Quadratzentimeter auf dem Kopf.

Blind auf Beutezug?

Anders als Wale und Delfine orientieren sich Seelöwen nicht über Echoortung, sondern nutzen zunächst ihr Sehvermögen. Unter Wasser können sie sogar noch besser sehen als darüber. Je tiefer sie jedoch abtauchen – bis zu 100 Meter – und je dunkler die Umgebung wird, desto mehr müssen sie sich auf ihre sensiblen Barthaare verlassen. Damit können sie selbst kleinste Wasserbewegungen wahrnehmen. So sind sie in der Lage, sich zu orientieren und zu jagen, auch wenn sie nicht sehen können. Ihre Beutezüge unter Wasser können bis zu 15 Minuten am Stück dauern, so lange kann ein Seelöwe tauchen. Auf dem täglichen Speiseplan der Raubtiere stehen neben Fischen aller Art auch Muscheln und Krebse. Davon fressen die Weibchen zwischen 5 bis 6 Kilogramm, die Männchen sogar die dreifache Menge: bis zu 15 Kilogramm am Tag.

Wie bekommt man bis zu 25 Frauen unter einen Hut?

Kalifornische Seelöwen sind gesellige Tiere, die in lockeren Verbänden in den Gewässern entlang der mexikanischen, kalifornischen und nordamerikanischen Küste leben. Zwar verbringen sie die meiste Zeit im nassen Element, aber Paarung, Geburt und Aufzucht der Jungen finden an Land statt.
Dafür treffen sich zuerst die Bullen an den Paarungsplätzen und erkämpfen dort ihr Revier. Ein Seelöwen-Harem kann aus bis zu 25 Weibchen bestehen.
Wer im Zoo Osnabrück zur Fütterungszeit am Seelöwen-Becken vorbeischaut, kann das regelmäßige „Targettraining“ von Enrico, Bella, Sana und Donna live miterleben. Auf freiwilliger Basis findet das medizinische Training statt: Die Seelöwen lernen zum Beispiel stillzuhalten oder ihr Maul zu öffnen, damit Tierpfleger oder Tierarzt sie untersuchen können. Auch medizinische Maßnahmen wie die Blutentnahme werden geübt. Zur Belohnung gibt es dann Hering oder Makrele. Für die Seelöwen ist das Training eine nette Abwechslung. Dank der guten Versorgung werden Seelöwen in Zoos über 33 Jahre alt, in der Wildbahn nur zwischen 25 und 31 Jahre.

Ausgabe 14, 2/2016 | Autor: Marie Meierhofer

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Bildmaterial © Zoo Osnabrück