Wer trägt zum Fressen Knieschoner?

Lustig durch die Savanne laufend und dabei ein fröhliches Lied auf den Lippen – so kennen wahrscheinlich die Meisten das „Phacochoerus africanus“: das Warzenschwein. Doch so lustig es in Zeichentrickfilmen wie „Der König der Löwen“ scheint, so gefährlich kann es in der Realität für seine Feinde werden.

Warzenschweine sind im Gegensatz zu vielen anderen Schweinen tagaktiv, ruhen sich aber in der Mittagshitze an Schattenplätzen aus. Nachts verstecken sie sich in Erdferkelhöhlen – diese sind nämlich nachtaktiv und auf Futtersuche, wenn Warzenschweine ein Nachtlager suchen. Die Jungtiere laufen mit dem Kopf voran in die Höhle, ein ausgewachsenes Tier rutscht rückwärts hinein: So kann es den Eingang bewachen und die anderen Warzenschweine mit seinen bis zu 40 Zentimeter langen Eckzähnen gegen Feinde verteidigen. Die unteren Eckzähne schleifen die Warzenschweine an ihren oberen, sodass eine scharfe Waffe gegen Feinde entsteht. Der Paarhufer schreckt nicht einmal vor Löwen oder Geparden zurück – die bis zu 85 Kilogramm schweren Schweine können sogar Raubkatzen in die Flucht schlagen.
Ihren Namen tragen Warzenschweine nicht zu Unrecht: Zwischen Augen und Schnauze haben sie drei Warzenpaare, die bis zu 15 Zentimeter lang werden können. Die Warzen erfüllen einen wichtigen Zweck: In der Paarungszeit im frühen Sommer kämpfen die Männchen miteinander um ein Weibchen. Die Eber bedrohen ihre Konkurrenten dabei mit ihren langen Eckzähnen, setzen sie aber nicht im Kampf ein – durch Stirndrängen und Schnauzenstöße versuchen sie, die Oberhand zu gewinnen. Die Warzen dienen dabei als Schutzschild.

Für wen sendet „Radio Afrika“?

Die in Afrika beheimateten Schweine erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 50 Stundenkilometern. Wenn sie schnell laufen, beispielsweise bei Gefahr, strecken Warzenschweine ihren Schwanz in die Höhe – daher auch der Spitzname „Radio Afrika“. Der hochgestreckte Schwanz ist für die Artgenossen ein Folgesignal. Die gesamte Rotte, oft zwischen vier und 16 Tieren groß, setzt sich dann in Bewegung.
Mit ihrer hochbeinigen Statur und ihren seitlich tief liegenden Augen haben Warzenschweine ein großes Sehfeld. Allerdings haben die langen Beine auch einen Nachteil: Um den Boden zu erreichen, damit sie Gräser und Pflanzenwurzeln fressen können, müssen sie sich auf ihre Handgelenke herunterlassen. Sie durchwühlen dann die Erde mit ihrer Schnauze und den großen Eckzähnen nach Wurzeln und Knollen. Warzenschweine sind die einzigen Schweine, die zum Fressen knien müssen. Damit die Position nicht zu schmerzhaft ist, tragen sie „Knieschoner“: Dicke Hornschwielen machen das regelmäßige Knien angenehmer.

Typisch Schwein rundet erst ein Schlammbad den Warzenschwein-Tag so richtig ab. Die Borstentiere kühlen sich so nicht nur vom Futtersuchen und Kinderhüten in der Hitze Afrikas ab, sondern erhalten zudem noch eine perfekte Tarnung und können sich von lästigen Parasiten befreien. Außerdem betreiben sie soziale Hautpflege, indem sie ihre Köpfe aneinander reiben. Warzenschweine sind also mehr als lustige Zeichentrickfiguren: gleichermaßen kampfbereite und soziale Hausbesetzer mit Warzen als Schutzschild sowie Hornschwielen als Knieschoner.

Ausgabe 11, 3/2015 | Autor: Hanna Rickert

Bildnachweise

Foto © Zoo Osnabrück