Wer war noch mal Herr Nilsson?

„Ich hab ein Haus, ein kunterbuntes Haus! Ein Äffchen und ein Pferd…“. Seit 47 Jahren reitet Pippi Langstrumpf über die Leinwand, auf dem gepunkteten Pferd „kleiner Onkel“ und mit „Herrn Nilsson“ auf der Schulter. Und wohl genauso lange hört man in Zoos vor den Anlagen der Totenkopfaffen begeisterte Kinder rufen: „Guck mal, Herr Nilsson!“ – so auch im Osnabrücker Zoo vor dem Gehege der Bolivianischen Totenkopfaffen, die im Südamerika-Areal leben. Ohne Astrid Lindgrens Kindergeschichte „Pippi Langstrumpf“ hätten die kleinen Primaten wahrscheinlich nie so viel Bekanntheit erreicht – und das, obwohl Herr Nilsson im Originalbuch eigentlich eine Meerkatze und kein Totenkopfaffe ist. Doch Meerkatzen sind bedeutend weniger zutraulich und so war es für den Dreh einfacher, sich von einer Stockholmer Familie einen Totenkopfaffen zu leihen.

Im Osnabrücker Zoo leben elf Bolivianische Totenkopfaffen: drei Männchen, fünf Weibchen und drei Jungtiere. Ihr dichtes Fell ist an der Oberseite grau oder olivgrün und Unterarme, Hände und Füße sind orangegelb. Ihren Namen haben die Primaten aufgrund ihrer weißen Gesichtszeichnung, die einem Totenkopf ähnelt. Von Kopf bis Fuß messen Totenkopfaffen rund 25 bis 35 Zentimeter, dazu kommt eine Schwanzlänge von 37 bis 46 Zentimetern. Meist bewegen sie sich auf allen Vieren vorwärts und sind dabei schnell und geschickt – was ihnen ihren englischen Namen „squirrel monkey“ („Eichhörnchen-Affe“) eingebracht hat. Beheimatet sind sie im westlichen Südamerika, wo sie sich von Früchten und Insekten ernähren. Beide Geschlechter der tagaktiven Affen bilden eine eigene Rangordnung, außerdem sind die Weibchen den Männchen gegenüber dominant. Und so halten sich diese eher am Rand der Gruppe auf.

Dicke Männchen bevorzugt?

In der Fortpflanzungszeit legen die Männchen rund 20 Prozent ihres Körpergewichts zu, das normalerweise bei bis zu einem Kilogramm liegt. Weibchen bevorzugen bei der Paarung das Männchen, das am stärksten ist und am meisten zugenommen hat. Die Weibchen tragen etwa 160 bis 180 Tage, bevor sie in der Regel ein Jungtier gebären. Weibchen einer Gruppe bringen annähernd zeitgleich ihre Jungen zur Welt.

Neugeborene Totenkopfaffen bringen ein hohes Geburtsgewicht auf die Waage, das bei 15 bis 20 Prozent des Gewichts der Mutter liegt. Im Vergleich: Beim Menschen wären das sieben Kilogramm und mehr. Die ersten Wochen klammert sich das Jungtier am Rücken der Mutter fest und rutscht nur zum Säugen an den Bauch. Nach vier bis sechs Monaten wird es dann entwöhnt. Nach und nach erkunden die Kleinen auf eigene Faust ihre Umgebung, immer unter den wachsamen Augen der älteren Weibchen. Anfangs kümmert sich nur die Mutter um das Junge, später aber auch die Tanten und älteren Weibchen oder die anderen Mütter. Totenkopfaffen-Weibchen zeigen ihren älteren Töchtern so, wie die Jungenaufzucht funktioniert. Neben den Menschen haben diese Primaten das am stärksten ausgeprägte Spielverhalten. Das ist auch im Osnabrücker Zoo toll zu beobachten, wenn die drei Jungtiere kopfüber an Seilen hangelnd Futter stibitzen, über die Kletterseile wetzen oder hintereinander her flitzen. Außerdem sind Totenkopfaffen sehr kommunikativ: sie keckern, zwitschern, bellen und schnurren. In Relation zur Körpergröße haben Totenkopfaffen innerhalb der Primaten außerdem das größte, beziehungsweise schwerste Gehirn: Bei ihnen liegt dieses Verhältnis etwa bei 1:17, bei Menschen bei rund 1:35. Aber so faszinierend und süß Totenkopfaffen sind – als Haustier eignen sich die Primaten nicht, denn sie brauchen die Gesellschaft anderer Artgenossen.

Außerdem rupfen sie mit ihren geschickten Fingern alles Mögliche auseinander.
Als die Serie „Pippi Langstrumpf“ das erste Mal ausgestrahlt wurde, gab es einen regelrechten Totenkopfaffen-Hype und viele hielten die Primaten dann tatsächlich als Haustier – was die meisten sicherlich im Nachhinein bereuten.

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Ausgabe 13, 1/2016 | Autor: Hanna Rickert

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