Wie regenerativ kann ein Schwimmbad sein?

Ein modernes Erlebnisbad enthält längst deutlich mehr als ein klassisches Schwimmbecken. Im Osnabrücker Nettebad wartet auf die Besucher neben Hallen- und Freibad auch noch ein Fitnessstudio, Saunalandschaft, Gastronomie sowie Spa- und Beautyangebot. Für den täglichen Betrieb ist natürlich eine Menge Energie nötig!

Ganz im Sinne der grünen Initiative KUK („Kompetenz, Umwelt, Klima“) hat das Nettebad in den vergangenen Jahren kontinuierlich ein Ziel verfolgt: Durch technische und organisatorische Maßnahmen nachhaltig etwas für den Klimaschutz zu tun und gleichzeitig die Betriebskosten zu senken. So finden sich heute auf dem Gelände am Nettebad unterschiedlichste Beispiele dafür, wie regenerativ ein modernes Schwimmbad sein kann. Die vorbildliche Effizienz des Nettebades sowie des Schinkelbades und des Moskaubades lässt sich auch beziffern: Insgesamt haben die Stadtwerke mit ihren Maßnahmen teils bis zu 70 Prozent Energie gespart. Kein Wunder, dass Fachleute von Kommunalverwaltungen, anderen Stadtwerken und Bäderbetriebsgesellschaften aus ganz Deutschland regelmäßig Gäste des Osnabrücker Nettebades sind, um sich über die modernsten Techniken mit Pilotcharakter vor Ort zu informieren.

Regenerative Technologien im Nettebad:

 

1.) Solarenergie

Auf dem Dach des Nettebades ist auf einer Fläche von 600 Quadratmetern eine hocheffiziente sogenannte Solarabsorberanlage installiert, mit der die Sonnenenergie zur Badewassererwärmung genutzt wird. Die Anlage ist von kleinen Röhren durchzogen, durch die das kalte Badewasser geleitet wird, um es mithilfe der Sonneneinstrahlung für den Freibadbereich zu erwärmen. Außerdem befindet sich auf dem Dach eine Photovoltaikanlage.

2.) Windkraft

Die Kleinwindanlage am Nettebad produziert nicht nur grünen Strom, sondern ist auch ein Vorzeigeobjekt für eine innovative dezentrale Energieerzeugung.

Das Besondere bei dieser Anlage ist die Funktionsweise: Anders als bei herkömmlichen großen Windrädern mit horizontaler Rotationsachse und großen Rotorblättern dreht sich die Achse bei Kleinwindanlagen vertikal und erinnert von der Bauform her optisch eher an einen Quirl als an ein typisches Windrad. Der „Quirl“ ist das erste vertikale Windrad Osnabrücks, hat eine Masthöhe von 18 Metern und eine Leistung von fünf Kilowatt.

3.) Geothermie und Blockheizkraftwerk

Mit Erdwärme aus fast 400 Metern Tiefe deckt das Nettebad seit Mitte 2013 den Großteil seines Wärmebedarfes. Gleichzeitig liefert die installierte Geothermieanlage die Kühlung für das angegliederte Fitnessstudio. Rund vier Millionen Kilowattstunden (kWh) pro Jahr beträgt der Ertrag der mitteltiefen Geothermie. Das reicht immerhin für den Wärmebedarf von circa 600 modernen Einfamilienhäusern. Der weitere Wärmebedarf des Nettebades wird durch eine direkte Wärmelieferung über ein Blockheizkraftwerk (BHKW) gedeckt. Reicht die Wärmelieferung über die Geothermieanlage und das BHKW nicht aus, wird als dritte Wärmekomponente eine Kesselanlage zugeschaltet.

Ausgabe 9, 1/2015 | Autor: Ann-Katrin Hörnschemeyer

Bildnachweise

Bildmaterial © Stadtwerke Osnabrück