Wo sind die Esel hin?

Ein historischer Wanderweg verbindet die Altstädte Osnabrücks und Tecklenburgs über eine Strecke von 21 Kilometern. Doch woher hat der Eselspatt seinen Namen? Viele glauben, dass an diesem Weg tatsächlich Esel stehen. Dem ist aber nicht so.

Die Geschichte des Eselspatts geht bis ins Mittelalter zurück, als die Grafen von Tecklenburg im Bistum Osnabrück noch Herrschaftsrechte ausübten. Damals mussten die Osnabrücker Fleischer Tribut an das Grafenhaus zahlen. Das Fleisch durfte nicht verkauft werden, bevor nicht ein Bote aus Tecklenburg die Preise dafür bestimmt hatte. Der Legende nach erboste dies die Fleischerzunft im Jahr 1221 so sehr, dass diese den Tecklenburger Boten ermordete, anschließend zerstückelte und in die Körbe des Esels packte. Der Esel wurde über die damals einzige direkte Verbindungsstrecke geschickt, um die Waren und Güter zum Grafenhaus nach Tecklenburg zu bringen. Diese grausame Botschaft der Osnabrücker Fleischerzunft führte zu kriegerischen Auseinandersetzungen, in deren Verlauf die Grafen von Tecklenburg 1236 ihre Herrschaftsrechte über das Bistum Osnabrück verloren.
Heute ist der Eselspatt als historischer Wanderweg ausgezeichnet, der die Besucher über 21 Kilometer vom historischen Marktplatz Tecklenburgs zum Osnabrücker Rathaus führt.

Ein Schriftwechsel zwischen Osnabrück und Tecklenburg belegt, dass der Eselspatt 1955 hergerichtet und auch so bezeichnet wurde. Er führt durch die historische Altstadt Tecklenburgs und den Staatsforst Habichtswald – vorbei an dem alten Forsthaus, dem Jagdschlösschen Gut Rehorst und der Osterberger Mühle. Die Wanderer durchqueren zudem Osterberg, Gaste und Hellern. Der letzte Teil der Strecke ist gleichzeitig der Friedensweg X1648, auf dem die Wanderer schließlich zum historischen Rathaus Osnabrücks gelangen.
Nicht nur auf der Karte, sondern auch in der Realität ist der Eselspatt durch eine Raute mit zwei parallelen weißen Strichen gekennzeichnet. Die Beschaffenheit des Weges variiert zwischen Asphalt, Schotter und Waldwegen – von Tecklenburg (143 m) bis Osnabrück (91 m) sind 52 Höhenmeter zu überwinden. „Manchmal ist es ein bisschen hügelig, aber nicht wie im Schwarzwald“, lacht Rainer König vom Verschönerungs- und Wanderverein von 1835 e.V. Osnabrück (VWO).

Die Wanderer können den Pfad, der regelmäßig gepflegt wird und gut ausgeschildert ist, in beide Richtungen gehen. „Geht ein Wanderer mit einer Geschwindigkeit von 4 bis 5 km/h und möchte zwischendurch eine Pause einlegen, dann entspricht die Wanderung auf dem Eselspatt einer Tagestour“, so Rainer König vom VWO. Wenn die Strecke am Ende geschafft ist, können sich die Wanderer sogar eine Urkunde vom Geschichts – und Heimatverein Tecklenburg e.V. ausstellen lassen, die die Wanderung des Eselspatts bestätigt.
Nach Angaben der Tecklenburg Touristik GmbH ist das Interesse am Eselspatt groß. „Wir haben extra neue Flyer bedruckt“, so Petra Grimm. Wieso der Eselspatt als historischer Wanderweg so beliebt ist, erklärt Rainer König, der den Pfad selbst schon zu Teilen gewandert ist: „Der Eselspatt lässt erkennen, wie unterschiedlich die Landschaftsstrukturen sind und wie zersiedelt eine Landschaft aussehen kann. Der Pfad bietet viele unterschiedliche Eindrücke – große Höfe und Schlösser, aber auch kleine Bauernschaften. Er zeigt den Reiz des Osnabrücker Landes.“

Ausgabe 12, 4/2015 | Autor: Lisann Maahs

Bildnachweise

Bilder © Frank Bosse