Wo wächst die „Dicke Eiche“?

Drei Erwachsene können sie nur knapp umfassen: die gewaltige Eiche in Astrup hat einen Stammumfang von 5,10 Metern. Im Herbst 2014 wurde sie 150 Jahre alt.

Johann Friedrich Meinberg lebte von 1839 bis 1891. Er heiratete in Astrup in den Lahmannschen Hof ein und nahm, wie es damals üblich war, den Namen der Besitzer an. Zu dieser Zeit stand das Gebäude etwas weiter östlich. Als es 1859 durch einen Brand vernichtet wurde, musste ein neues her. Da passte es gut, dass im benachbarten Ellerbeck der Bruninghof zum Verkauf stand. Dessen Eigentümer war nach Amerika ausgewandert, einige munkelten sogar: geflüchtet. Der Bruninghof wurde sorgfältig abgetragen und am jetzigen Platz wieder aufgebaut. Für Johann Friedrich und seine Frau war damit wieder alles im Lot – und am 20. März 1864 wurde ihr erster Sohn Wilhelm geboren. Der Tradition folgend pflanzte Johann Friedrich für den Stammhalter vor dem „neuen“ Haus eine kleine Eiche.

Wilhelm Lahmann verbrachte in dem Fachwerkhaus sein ganzes Leben (1864-1937). Er führte den bäuerlichen Betrieb, hatte mit seiner Frau Minna sieben Kinder und nahm zahlreiche Ehrenämter wahr. Deshalb war er oft unterwegs, aber wenn er auf dem Hof war, trieb er seine Leute zur Arbeit an. Die bekamen dann zu hören: „So wed dat maket.“ Kurze Zeit später war er schon wieder mit dem Wagen unterwegs. Wilhelm Lahmann wird nachgesagt, dass sein Pferd ganz eigenständig vor jeder Kneipe am Wegesrand Halt machte. Für ein Schnäpschen war immer Zeit …
Heute wohnen in der Astruper Hofstelle Walter Lahmann-Lammert und seine Frau Margret. Walter ist der Enkel von Wilhelm, dem die Eiche gewidmet wurde.

Nach der Übernahme des benachbarten Lammertschen Hofes hieß sein Hof dann Lahmann-Lammert.
Die Eiche hat Walters Großvater inzwischen um 77 Jahre überlebt. Die ausladende Krone fällt dem Besucher schon von weitem auf. Für ihr Alter ist der Stamm allerdings ungewöhnlich kurz und dick. Man vermutet, dass die Jahresringe weit auseinander liegen. In 150 Jahren hat der Baum eine Einheit mit dem Bauernhaus gebildet. Es scheint, dass das Eine ohne das Andere nicht denkbar wäre. Seit 40 Jahren gibt er sogar der Straße seinen Namen, die direkt an dem kräftigen Stamm entlang führt. Denn nach der Gebietsreform 1972 suchte die Gemeinde Bissendorf eine neue Bezeichnung. Und was da lag näher als „Dicke Eiche“?

Ausgabe 8, 3/2014 | Autor: Ebba Ehrnsberger
bild1

Bildnachweise

Bilder © Walter Lahmann-Lammert