Herz-Kreislauf-Stillstand: Wer organisiert die Rettungskette?

Die Zahlen sind dramatisch: Pro Jahr sterben hierzulande 80.000 bis 100.000 Menschen an einem Herz-Kreislauf-Stillstand – er gehört damit zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Patienten, die erfolgreich reanimiert wurden, können allerdings auf professionelle Hilfe und damit auf Genesung hoffen. Am Klinikum Osnabrück hat sich das „Cardiac Arrest Center“ (CAC), ein interdisziplinäres Experten-Netzwerk, auf die Bildung einer erfolgversprechenden Rettungskette spezialisiert.

Warum streikt das Herz?

Ein Herz-Kreislauf-Stillstand kann viele Ursachen haben. Neben Erkrankungen des Herzens wie der koronaren Herzkrankheit mit akutem Herzinfarkt, der schweren Herzinsuffizienz oder der Herzrhythmusstörung können auch Lungenembolien oder Risse in der Hauptschlagader für den lebensgefährlichen Ausfall verantwortlich sein. „Außerdem führen  neurologische Notfälle, wie etwa intrazerebrale Blutungen, aber auch septische Schocks unter bestimmten Umständen zum Herz-Kreislauf-Stillstand“, erläutert Oberärztin Christine Bachour vom Klinikum Osnabrück.Um den Betroffenen gezielt helfen zu können, muss auf die ärztliche Diagnose schnell eine individuelle und effektive Therapie folgen. Im „Cardiac Arrest Center“ arbeiten Ärzte unterschiedlicher Disziplinen und das Fachpflegepersonal deshalb Hand in Hand. Sie gewährleisten koordinierte Abläufe zur Sicherung einer reibungslosen Rettungskette – und das rund um die Uhr. Vorrangiges Ziel des CAC ist der größtmögliche Zeitgewinn: Nach der Erstversorgung werden ohne Verzögerung die notwendigen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen eingeleitet.

Wie arbeitet das Netzwerk?

Das Basisteam des CAC besteht aus einem Kardiologen, Neurologen, Anästhesisten und dem Fachpflegepersonal der Anästhesie und des Notaufnahmezentrums. Die Leitung obliegt dem Kardiologen, alle Aufgaben sind klar zugewiesen.Der kardiologische Notfall ist nach wie vor die häufigste Ursache für das kritische Bild des Herz-Kreislauf-Stillstands. Dem Herzzentrum Osnabrück-Bad Rothenfelde kommt deshalb eine Schlüsselrolle zu, denn hier ist eine Notfalltherapie 24 Stunden lang garantiert.Die neurologische Klinik bietet gemeinsam mit der Neuroradiologie und Neurochirurgie das gesamte Spektrum der Versorgung des neurologischen Notfalls.

Die frühzeitige Prognoseeinschätzung wird durch den Neurologen bei jedem erfolgreich reanimierten Patienten durchgeführt. Die Klinik der Anästhesie ist im CAC – vor allem in der akuten Phase – für die sichere Beatmung, die Schmerzausschaltung und die Beruhigung des Patienten verantwortlich, den sie bis zur Übergabe auf der Intensivstation begleitet. Auf den spezialisierten Stationen für internistisch-konservative, neurologische und operative Intensivmedizin erfolgt die weiterführende Behandlung durch ein eingespieltes, erfahrenes Team aus Medizinern und Fachpflegepersonal mit modernster technischer Ausstattung.

Was meldet das rote Telefon?

Die Ankündigung eines Patienten, der außerhalb der Klinik reanimiert werden konnte, erfolgt über das sogenannte „rote Telefon“. Die ersten Daten und Informationen werden protokolliert, dann erhält das CAC-Team einen Gruppenruf über die mobilen Telefone. Alle Ärzte und Pflegekräfte finden sich daraufhin zügig im „Schockraum 2“ ein. Nun werden die standardisierten Vorbereitungs- und Prozessabläufe gestartet, um nach der Übernahme des Patienten vom Rettungsdienst die eintrainierte Erstversorgung abzuwickeln. Patienten, die innerhalb der Klinik reanimiert wurden, betreut das REA-Team der Anästhesie. Es setzt sich mit dem Kardiologen und dem Neurologen des CAC-Teams in Verbindung, um das weitere diagnostische und therapeutische Vorgehen gemeinsam festzulegen.

Fortbildung im  ExpertenNetzwerk
Alle CAC-Teammitglieder nehmen an regelmäßigen Trainingseinheiten teil. Geschult werden vor allem fachliche und kommunikative Fähigkeiten sowie die Patientenversorgung in Stresssituationen. Außerdem arbeitet das Klinikum an einem umfassenden Management- und Statistik-Tool, um die Sicherheit und Qualität aller Maßnahmen weiter zu optimieren.

Ausgabe 15, 3/2016 | Autor: Beitrag der Redaktion

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Bilder  © Klinikum Osnabrück // Mann mit Frau am Boden © Gina Sanders, fotolia.de // Mann mit Herzproblemen © Bits and Splits, fotolia.de