In welchem Lkw steckt ein Operationssaal?

Sie sind elf Meter lang und kosten zwei Millionen Euro: Doch die Lkws, die vom Medizinkonzern Arthrex in ganz Europa eingesetzt werden, können auch einiges mehr als handelsübliche Transportfahrzeuge. Die „Mobile Labs“ sind mit einem mobilen Operationssaal ausgerüstet, in dem sich zwei Schulungs- und ein Demonstrationsplatz, sowie Spezialinstrumente für minimal-invasive Schulter-, Hand-, Knie- und Fuß-Operationen befinden. Außerdem gibt es große Monitore, auf denen Bilder aus dem Körperinneren vergrößert werden können. Ein idealer Schulungsplatz für Ärzte, der auch das Klinikum Osnabrück ansteuert.

2014 war das „Mobile Lab“ bereits in Osnabrück zu Besuch, um hier Knie-Operationen zu testen. In diesem Jahr ging es unter Anleitung von Prof. Dr. Martin Engelhardt und Dr. Casper Grim um Operationen an Schulter- und Sprunggelenken, auf die sich das Haus auf dem Finkenhügel besonders spezialisiert hat. Um die Bedingungen für die teilnehmenden Ärzte möglichst real zu gestalten, wurde mit sogenannten Humanpräparaten geübt. „Humanpräparate sind für solche Schulungen ideal. Es gibt kein Modell, an dem sich die Eingriffe an der Schulter so gut verdeutlichen lassen und an dem eine Operationstechnik so gut geübt werden kann“, erklärt Dr. Casper Grim. Der Facharzt gehört zu Deutschlands führenden Spezialisten im Bereich der Schulter- und Ellenbogenchirurgie und war – wie sein Kollege Engelhardt – bereits mehrfach als Olympia-Mannschaftsarzt im Einsatz. „Als einziges Haus in der Region, das als Hospitationszentrum für Arthroskopien und Schultergelenksoperationen und für Instruktionen von der ´Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie´ und der ´Deutschen Gesellschaft für Schulter- und Ellenbogenchirurgie´ zertifiziert ist, ist es für uns sehr wichtig, unsere Kenntnisse an andere Mediziner weiterzugeben“, so Grim.

Das „Mobile Lab“ bietet dafür optimale Voraussetzungen, weil hier sehr gezielt und ressourcenschonend gearbeitet werden kann. So zeigten Engelhardt und Grim ihren jungen Kollegen zunächst Operationen an einem Schulter- und Sprunggelenk, bevor die sieben Assistenzärzte angeleitet wurden, die Techniken selbst umzusetzen. Nach Grims Einschätzung zeigten die Übungen einmal mehr, dass die minimal-invasive Chirurgie (gewebeschonende Eingriffe ohne große Schnitte) erhebliche Vorteile bietet. „Die Patienten genesen grundsätzlich schneller und die kosmetischen Ergebnisse sind besser, aber es gibt auch eine ganze Reihe von Einsatzgebieten, bei denen sich die geringe Größe der Instrumente und ihre Präzision positiv auswirken“, sagt Grim. Zu diesen Einsatzgebieten gehören etwa Sehnenrisse an der Schulter, aber auch Kreuzbandrisse und Meniskusschäden am Knie. Grims Fazit fällt eindeutig aus: „Es ist wichtig, dass sich Kollegen und angehende Mediziner mit solchen Techniken und ihren Einsatzmöglichkeiten vertraut machen können. Das Mobile Lab ist dafür ideal.“ Im kommenden April wollen die Osnabrücker Chirurgen nun gemeinsam mit Arthrex ein großes Symposium durchführen, das sich an Kollegen aus ganz Deutschland richtet.

Woher kommen die Humanpräparate für die Schulungen?

Das Medizintechnikunternehmen Arthrex wurde 1981 in München gegründet und hat seinen Hauptsitz heute in Naples (Florida). Laut Anselm Szagun, der zur Besatzung des Schulungs-OPs gehört, besitzt das Unternehmen drei derartige Schulungs-Trucks, die europaweit im Einsatz sind. Arthrex vertreibt Medizintechnik, Instrumente und Implantate für den orthopädischen Bereich. Gleichzeitig ist Arthrex in der Forschung, Entwicklung und Weiterbildung von Medizinern aktiv, wobei besonders minimal-invasive Verfahren im Mittelpunkt stehen. In den Schulungsfahrzeugen wird mit Körperteilen von Spendern aus den USA gearbeitet. Undenkbar ist es, eine solche Schulung im Operationssaal eines Krankenhauses durchzuführen, denn die Instrumente oder Räume dürften für derartige Präparate nicht genutzt werden.

Ausgabe 12, 4/2015 | Autor: Beitrag der Redaktion

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Bilder ©Klinikum Osnabrück