Wann kommt Rettung aus der Luft?

Allein 146 Landungen von Rettungshubschraubern gab es im Jahr 2015 am Klinikum Osnabrück. Täglich sind Piloten, Ärzte und Luftrettungshelfer auch in der Luft im Einsatz, um besonders schwer verletzten Menschen schnellstmöglich helfen zu können. Dafür gibt es am Klinikum sogar einen richtigen kleinen Flughafen mit Flutlicht für Nachtflüge, einer Wetterstation, einem Windmesser, besonderem Streusalz gegen Glätte und einer kleinen Flughafenfeuerwehr, die in einen großen Metallschrank passt.

An derzeit 92 Standorten in Deutschland sind Rettungshubschrauber stationiert. Da es in Osnabrück selbst keinen Standort gibt, sind hier hauptsächlich die drei nächstgelegenen Hubschrauber „Christoph Westfalen“ aus Greven, „Christoph Europa 2“ aus Rheine und „Christoph 13“ aus Bielefeld sowie der zusätzliche Transporthubschrauber „Christoph 4“ aus Hannover im Einsatz. Nicht nur diese vier, sondern alle Rettungshubschrauber heißen „Christoph“: Der Name leitet sich vom Schutzheiligen Christophorus ab, der die Menschen vor einem unvorbereiteten Tod bewahren soll. Daher ist er auch der Schutzpatron von Seefahrern, Reisenden, Lastenträgern, Kraftfahrern und Luftschiffern. Die gängigsten Maschinen vom Typ BK 170 und EC 135 haben einen Einsatzradius von jeweils 50 bis 70 km um ihren Standort herum. Aber alle haben eine Reichweite von mindestens 500 km und erreichen ihre Ziele mit 220 Stundenkilometern per Luftlinie – ohne Staus und rote Ampeln. Alle Rettungshubschrauber haben heute zwei Turbinen und sind damit deutlich sicherer und trotzdem leiser als die früheren Modelle des Typ Bell UHD, welche nach ihrem Fluggeräusch auch „Teppichklopfer“ genannt wurden. Jeder Ort auf der Landkarte kann mit den Hubschraubern viel schneller als ‚nur‘ mit Blaulicht und Martinshorn erreicht werden.

Wie sind Rettungs-Helicopter ausgestattet?

Die Hubschrauber werden hauptsächlich bei Unfällen angefordert, bei denen es viele Verletzte oder weite Wege gibt. Aber auch wenn die Patienten eine schnelle Behandlung von Fachärzten benötigen, wie bei einem Schlaganfall. Oder bei Erkrankungen, die einer speziellen Behandlung in einer Fachklinik bedürfen, wie etwa Verbrennungen. Neben diesen Primäreinsätzen werden auch Sekundäreinsätze geflogen, bei denen Patienten von einem Krankenhaus in ein anderes gebracht werden.

Weitere Aufträge wie Suchflüge, lebenswichtige Transporte von Spenderorganen oder Blutkonserven, gehören ebenfalls dazu. Für diese Sekundäreinsätze werden seit den 1990er Jahren immer häufiger besondere Intensiv-Transporthubschrauber eingesetzt. Sie sind etwas größer und haben so mehr Platz für die Ausrüstung. So kann beispielsweise eine komplexe Beatmung eines Patienten in der Luft lückenlos weitergeführt werden. Die medizinische Ausstattung der einzelnen Hubschrauberstandorte unterscheidet sich zum Teil deutlich. Alle haben jedoch eine Basisausstattung, die mit der eines Notarztwagens am Boden vergleichbar ist. In vielen Hubschraubern kann ein Brutkasten mitgeführt werden. Auch technische Rettungsmittel wie Rettungswinden, Fixtausysteme zur Bergrettung, Stehhaltegurtsysteme oder Hilfsgeräte zur Wasserrettung dienen mancherorts der Erweiterung des Einsatzspektrums. An Bord sind außerdem natürlich die Piloten, die von der jeweiligen Organisation gestellt werden, die die Hubschrauberstation betreibt. Das sind am häufigsten der Allgemeine Deutsche Automobil Club ADAC, die DRF-Luftrettung und das Bundesministerium des Innern. Die Rettungshelfer kommen meist von den örtlichen Rettungsdiensten, wie Feuerwehren oder Rettungsverbänden. Die Ärzte arbeiten normalerweise in Krankenhäusern und Kliniken rund um den Einsatzstandort, wie ihre Kollegen am Boden. Sie werden aber speziell aus- und fortgebildet, um ein bis zweimal im Monat ihre 24 Stunden-Schicht im Hubschrauber absolvieren zu können. Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass eine Flugminute weit mehr als 100 € kostet.

Die größten Betreiber von Rettungshubschraubern in Deutschland

1. Der Allgemeine Deutsche Automobil Club ADAC betreibt 55 Hubschrauber an 37 Luftrettungsstationen, eine davon in den Niederlanden sowie eine in Österreich. Zusammen fliegen sie mehr als 54.062 Rettungseinsätze pro Jahr.

2. Die DRF-Luftrettung hat derzeit 31 Standorte, zwei davon in Österreich, mit rund 50 Hubschraubern. 2015 wurden damit 38.653 Einsätze geflogen. Dafür sind hier rund 160 Piloten, 300 Rettungsassistenten und 80 Techniker im Dienst.

3. Aktuell fliegen 16 Zivilschutz-Hubschrauber an zwölf Stationen, verwaltet durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe vom Bundesinnenministerium. Seit Beginn der organisierten Luftrettung in Deutschland 1971, wurden so insgesamt rund 1,8 Millionen Rettungseinsätze geflogen; mehr als ein Drittel davon durch die Piloten der Bundespolizei.

Ausgabe 13, 1/2016 | Autor: Moritz Jacobsen

Bildnachweise

Hubschrauberbilder ©Silvia Kerst, Klinikum Osnabrück