Wann war der Osnabrücker Fußball erstklassig?

Der VfL spielte noch nie in der Bundesliga und auch keiner seiner Stadtrivalen schaffte den Sprung in die Beletage des deutschen Fußballs. Trotzdem gab es in Osnabrück „erstklassigen“ Fußball zu sehen – und das nicht nur an der Bremer Brücke.

Schon vor einem Jahrhundert spielten die Vorgängervereine des VfL Osnabrück in den Wettbewerben des westdeutschen Verbandes, dem die hiesigen „Fußlümmler“ damals zugeordnet waren, eine gute Rolle. 1935 gelang dem Klub der Aufstieg in die höchstmögliche Spielklasse – die sogenannte Gauliga Niedersachsen. Hier spielte ab 1939 auch Schinkel 04, ein von der nationalsozialistischen Sportpolitik erzwungener Großverein. Die Schinkelaner gewannen 1941/42 mit 4:3 gegen den Stadtrivalen, der ansonsten aber beträchtliche Erfolge vorzuweisen hatte. So bezwang die „Gartlager Elf“ in einem legendären Spiel am 26. Februar 1939 den Deutschen Meister Hannover 96 mit 3:0 und qualifizierte sich ihrerseits gleich zwei Mal für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft.

1. Liga ohne Rasen?

Ab 1947 trat der VfL in der Oberliga Nord an, die mit den Oberligen Süd, West, Südwest und der Stadtliga in (West-)Berlin die höchsten Klassen in Deutschland bildete. Hier spielten auch nationale Fußball-Größen wie der Hamburger SV, Werder Bremen und Hannover 96 oder der FC St. Pauli. 1950 bekamen die Lila-Weißen darüber hinaus Konkurrenz aus der eigenen Stadt. Der 1908 gegründete Sportverein Eintracht Osnabrück, der auf dem Werkssportplatz der Firma Hammersen an der Brinkstraße zuhause war, qualifizierte sich ebenfalls für die 1. Liga. Die Eintracht hatte zunächst weder Umkleidekabinen noch einen Rasenplatz – dafür aber viel Leidenschaft und Teamgeist. Das bekam auch der große HSV zu spüren, der sein Gastspiel bei den unbekannten Osnabrückern mit 0:1 verlor.

Zwei Jahre lang verteidigten die Neustädter auf der frisch eingesäten Grasnarbe ihren Platz in der 1. Liga, dann ging es – nach nur 5 Siegen in 30 Spielen – zurück in die Zweitklassigkeit. Zuvor absolvierte die Eintracht aber noch einen der abenteuerlichsten Auftritte seiner Vereinsgeschichte. Nach einer zwischenzeitlichen 5:2-Führung verlor man das Heimspiel gegen Altona 93 am Ende mit 7:8. 1959 kehrte die Eintracht für ein Jahr in die Oberliga zurück, dann war der Osnabrücker Fußball nur noch an der Bremer Brücke erstklassig. Mit Gründung der Bundesliga, für die sich der VfL nicht qualifizieren konnte, endete auch dieses Kapitel.

Wer gewann die Stadtderbys?

Gegen den HSV und Werder Bremen konnte sich die Eintracht, die heute in der Kreisliga kickt, gelegentlich durchsetzen, doch beim Stadtrivalen biss sie auf Granit. Alle acht Oberligaspiele gewann der VfL, das Torverhältnis betrug schließlich 37:13. Besonders schlimm erging es der Eintracht am 4. Februar 1951, als sich der Aufsteiger mit 2:8 geschlagen geben musste. Aber auch in den Spielzeiten 51/52 (6:3) und 52/53 (7:2) machten die Lila-Weißen das halbe Dutzend voll. Neben Zehntausenden Osnabrückern beobachtete auch der legendäre Fritz Wolf das Geschehen. Er verewigte das Stadtderby in seinen Karikaturen.

Welche Nationalspieler trugen das Trikot der Eintracht?

Horst Borcherding (1930-2015) spielte bei der Eintracht auch Handball, ehe er für Saar 05 Saarbrücken und den VfL Osnabrück zwischen den Pfosten eines Fußballtores stand. 1955/56 bestritt er drei Länderspiele für das Saarland, das damals eine eigene Nationalmannschaft stellte. Hans „Hannes“ Haferkamp (1921-74) wechselte 1948 mit Heinrich Fiening und Ewald Nienhaus vom SV Eintracht zum VfL Osnabrück. Drei Jahre später berief Bundestrainer Sepp Herberger den brillanten Spielmacher in die Nationalmannschaft. Haferkamp absolvierte vier Länderspiele, dann musste er wegen einer schweren Tuberkulose-Erkrankung 14 Monate pausieren. Ein gesunder Haferkamp hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit zu den „Helden von Bern“ gehört…

Ausgabe 11, 3/2015 | Autor: Thorsten Stegemann

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Bilder ©VfL-Museum // Szene Haferkamp & Herberger  ©Archiv Haferkamp, Repro: Diözesanmuseum Osnabrück