War Felix Nussbaum Fußballfan?

Der in Osnabrück geborene Felix Nussbaum, der 1944 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet wurde, gilt als einer der wichtigsten Maler des 20. Jahrhunderts. Seine Bilder dokumentieren das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte und zeigen den Schrecken des Holocaust in ebenso beklemmenden wie aufrüttelnden Szenen.

Vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten widmete sich Nussbaum aber ganz anderen Themen. Er malte Porträts, Landschaften, Stadtansichten, Urlaubsbilder, Stillleben – oder auch Fußballer.
Zwei dieser Arbeiten, die in der kritischen Kulturzeitschrift „Der Querschnitt – Das Magazin“ erschienen sind, deuten darauf hin, dass sich Nussbaum mit dem noch jungen Sport gut auskannte, ihm aber auch mit einer gehörigen Portion Humor begegnete. Das Ölgemälde „Fußball“ („Fußballkampf“), auf dem Abwehrspieler und Torwart den gegnerischen Stürmer nicht am Kopfball hindern können und nun eine für sie wohl unangenehme Flugbahn bestaunen müssen, entstand 1929. Das Original wurde vermutlich 1932 vernichtet, als Nussbaums Berliner Atelier bei einem Brandanschlag in Flammen aufging.

In diesem Jahr entstand auch die Zeichnung in Gouache und Tusche mit dem Titel „Die Meistermannschaft“, die dann als Offsetdruck im „Querschnitt“ zu sehen war. Sie zeigt, den Füßen nach zu urteilen, mindestens 14 Kicker, bei denen sich ein zentraler Körperteil bereits in runde Lederbälle verwandelt hat.
Auch diese Vorlage ist verschollen, doch beide Magazinexemplare sind im Original vor einigen Monaten vom VfL-Fußballmuseum bei einem Antiquariat in Leipzig angekauft worden und jetzt in einer Ausstellungsvitrine zu bewundern.

Ausgabe 9, 1/2015 | Autor: Thorsten Stegemann
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Bildnachweise

Bildmaterial Nussbaum: © VfL-Museum/Felix Nussbaum-Haus Osnabrück