Was ist die „Deutsche-Jugend-Kraft“?

Ungewöhnlich mutet der Name an – wie aus der Zeit gefallen. Und doch spielt die Deutsche Jugendkraft auch heute noch eine wichtige Rolle im Sportwesen Deutschlands. Bekannter als die ausgeschriebene Version ist jedoch das Kürzel DJK.

Nach dem Ersten Weltkrieg begannen die politischen Lager in der von Beginn an zerstrittenen Weimarer Republik, sich in allen Lebensbereichen zu organisieren. Dem Sport kam dabei eine besondere Rolle zu. Die Arbeiter gründeten zahlreiche Arbeitersportvereine, spielten separate Meister in eigenen Ligen aus und bestritten sogar Arbeiter-Länderspiele – vorzugsweise gegen die seinerzeit weltweit nicht wohlgelittene Sowjetunion.
Die Zentrums-Partei (Vorläufer der heutigen CDU/CSU) hatte ihre Machtbasis in der katholischen Mitte der Gesellschaft, war stark kirchlich geprägt und versuchte bis zum Ende der Weimarer Republik stabilisierend zu wirken. Ein schwieriges Unterfangen in der unsicheren politischen Landschaft, die von Extremisten auf der linken (KPD) und rechten Seite (DNVP und später NSDAP) in die Zange genommen wurde.
Überall dort, wo sportbegeisterte Priester und Kapläne wirkten, entstanden unter der Bezeichnung Deutsche Jugend Kraft katholisch geprägte Sportvereine. Diese hatten auch in Osnabrück erheblichen Zulauf. So entstanden beispielsweise der DJK SV Rasensport und der DJK Blau-Weiß Schinkel.
Im Schinkel unterstützte insbesondere Kaplan Krüssel von der Kreuzgemeinde den bereits 1920 gegründeten DJK Born, der 1925 dann im DJK Blau-Weiß Schinkel aufging. Gespielt wurde abwechselnd auf Wiesen der Schinkelaner Bauern. Die Tore, denen das Netz fehlte, mussten mühsam von Spielort zu Spielort transportiert und jeweils auf- und abgebaut werden. Die Klöckner-Werke machten sich dann um den Verein verdient, indem sie den Sportplatz Schützenhof zur Verfügung stellten.

Bei „Raspo“ verlief die Entwicklung ähnlich. Am 1. November 1925 wurde der Verein als FC Nahne unter der Leitung von Bernhard Avermann gegründet. Man spielte zunächst am Schölerberg und auf dem noch heute bestehenden „Sportplatz Paradies“. Bereits 1927 wurde der Verein in DJK Rasensport Osnabrück umbenannt. 1. Präses wurde der Vikar Steinbild von der Gemeinde St. Joseph.
Die Rasensportler konnten bereits 1929 den ersten eigenen Sportplatz mit Aschenbahn an der Kokschen Straße in Besitz nehmen. Neben dem Fußball machte sich der Verein einen Namen in der Leichtathletik. So holte Theo Menkhaus 1931 den Titel des niedersächsischen Meisters im Hochsprung. Bereits im Jahre 1928 wurde die Bezirksmeisterschaft im seinerzeit populären „Schlagball“ errungen. Im Gegensatz zu den Arbeitersportvereinen wirkten die DJK-Vereine in „regulären“ Ligen und allgemeinen Wettkämpfen mit.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der Deutschen Jugendkraft im Rahmen der „Gleichschaltung“ die Basis entzogen. Der Vorsitzende von Raspo, Bernhard Avermann, wurde kurzzeitig verhaftet und erst auf Intervention des bischöflichen Generalvikariats wieder freigelassen. Pfingsten 1934 verjagte die Gestapo die Fußballer vom Sportplatz an der Kokschen Straße.
Der Spiel- und Sportbetrieb konnte erst Ende 1934 gesichert werden, als sich die DJK-Vereine „Niedersachsen“, „Saxonia“ und „Rasensport“ zum SV Rasensport zusammenschlossen. Das Kürzel DJK blieb dabei aus politischen Gründen zunächst auf der Strecke. So aber konnte zumindest bis zum Ende des 2. Weltkrieges der Zusammenhalt trotz zahlreicher Anfeindungen gewahrt bleiben.

Danach stand Osnabrück unter dem Besatzungsstatut der britischen Militärbehörden – der alte Name durfte zunächst nicht weiter verwandt werden. Erst 1947 erhielten die Rasensportler die Erlaubnis, wieder den traditionellen Namen führen zu dürfen.
Der Verein nahm nun einen schnellen Aufschwung – Gleiches galt für sein Pendant im Schinkel.
Die große Zeit der Schinkelaner brach in den 70er-Jahren an, als die Fußballer unter dem legendären Trainer Hartmut Wigge von der Kreisliga bis in die Landesliga durchmarschierten. Diese konnte immerhin fünf Jahre gehalten werden, bevor das Erfolgsteam auseinanderbrach und sportlich kleinere Brötchen gebacken werden mussten.
Heute betreiben 1.300 Mitglieder bei den Schinkelanern zahlreiche Sportarten, der DJK SV Rasensport ist mit etwa 2.000 Mitgliedern immerhin der sechstgrößte Verein in der Stadt Osnabrück.

Mitgliederzahlen heute

Im gesamten Bundesgebiet hat der DJK-Verband in etwa 1.200 Vereinen noch 507.285 Mitglieder (2010) und stellt als Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes nach wie vor einen wichtigen Baustein im sportlichen Gefüge der Bundesrepublik dar.

Ausgabe 1, 2012 | Autor: Holger Elixmann

Bildnachweise

Maskottchen Carl © www.djk.de