Welche Tiger tragen Schutzhelme?

Stille. Plötzlich ertönt aus den Lautsprechern „Eye of the Tiger“. Das passt – nicht nur zum Songtitel, sondern zum ganzen Ambiente der Sportanlage Atter. Es knistert förmlich in der Luft. Die Menge jubelt, als die Mannschaft einläuft. Mit ihren Trikots taucht sie den Rasen in ein knalliges Orange. „14:00 Uhr. Kick-off der Osnabrück Tigers!“, hallt die Stimme des Kommentators über den Platz. Der Punter schießt den Ball, mehr als 1.000 Zeugen verfolgen die Flugbahn atemlos. Der gegnerische Spieler wird gestoppt. Das Spiel beginnt.

Faszination American Football. Nicht nur die zunehmende Anzahl der Vereine, sondern auch die steigenden Zuschauerzahlen des Jahresereignisses Superbowl zeigen, dass das Interesse an dieser Sportart immer weiter wächst. Wer ein Spiel besucht hat, versteht, dass es sich hierbei nicht nur um ein einmaliges Erlebnis, sondern um ein Lebensgefühl handelt. Der Grundstein für das erste Spiel der Tigers wurde 1999 gelegt. Damals setzen sich Thomas und Sladana Krätzig, Nik Soupidis und Jovica Stojceski zusammen und beschlossen eine neue Mannschaft aufzubauen. Nach kurzer Vorbereitungsphase spielten die Osnabrück Tigers im Jahr 2000 ihre erste Saison.
Der nächste Spielzug. Die Mannschaften stehen sich gegenüber. Wie Tiger in der Wildnis beobachten sie das gegnerische Team und legen danach ihre Taktik und die genauen, vorher einstudierten Spielzüge aus. Das Leder-Ei

fliegt, die Helme der Tiger donnern aufeinander, die Ausrüstungen scheppern gegeneinander. „Hier muss jeder seinen Job perfekt machen, nur so führt jeder einzelne Spielzug zum Erfolg“ erklärt Nils Sundermann, ein Spieler der Osnabrück Tigers.
In den nun 16 Seasons brachte es das Team auf 14 Winning-Seasons (eine Saison mit mehr Siegen statt Niederlagen), 4 Perfect-Seasons (komplette Saison ungeschlagen), 6 Meisterschaften und 4 Vizemeisterschaften. Zwei Mal gewannen sie den LEO-Award, den Preis für die beste Mannschaft Osnabrücks. Sportchef Jovica Stojceski erklärt, was die Mannschaft auszeichnet: „Es gibt keine Stars, das Team ist der Star.“
Zwei Quarter (24 Minuten) sind nun gespielt. „Halbzeit für die Teams“ ertönt es wieder aus den Lautsprechern.

Lange Schlangen bilden sich vor dem Essens-Wagen und die ersten Fans verschlingen Burger und Steaks. Der Geruch von süßlichem Popcorn liegt über den Tribünen. Die Sweet Tigers, die Cheerleader der Mannschaft, fliegen am Spielfeldrand durch die Luft und zeigen ihre Choreographien. Die Fans jubeln. „Sieg für die Osnabrück Tigers! Was für ein grandioses Spiel!“, schallt es über das Gelände. Die Menge verlässt langsam den Schauspielplatz. Das Team hat sich im Huddle, der Versammlung der Spieler, zusammengefunden und gibt eine erste Stellungnahme zum Spiel ab. „Nun gilt die 24 Stunden-Regel“, erläutert Nils Sundermann, „man darf sich 24 Stunden freuen oder ärgern, danach bereitet man sich auf das nächste Spiel vor“. In der emotionalen Runde wird nochmals an den Teamgedanken und den Zusammenhalt aller erinnert. Die letzten Worte des Quarterbacks durchdringen die Stille auf dem Rasen: „We are one family.“

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Ausgabe 13, 1/2016 | Autor: Gina Schulte

Bildnachweise

Bilder Tigers © Rudolf Lüttecke