Welcher VfLer schlief im Bett des Bundespräsidenten?

1952 stieß der VfL Osnabrück als Tabellenzweiter der Oberliga Nord in die Endrunde um die Deutsche Fußballmeisterschaft vor. In Gruppe 2 trafen die Lila-Weißen auf Rot-Weiß Essen, Tennis Borussia Berlin und den VfB Stuttgart. Ein 24-jähriger Linksaußen behielt vor allem die Reise nach Berlin noch länger in Erinnerung.

Der haushohe Favorit aus Stuttgart ließ am 27. April beim umjubelten 0:0 einen Punkt an der Bremer Brücke. Zwei Wochen später bezwang der VfL Rot-Weiß Essen mit 3:2. Gute Voraussetzungen für das erste Auswärtsspiel, das am 18. Mai 1952 im Berliner Olympiastadion ausgetragen wurde. Der VfL flog von Hannover nach Tempelhof und wurde hier mit weißen Maiglöckchen und lila Wicken empfangen. Im Gästehaus der Stadt Berlin, wo der Senat seine prominenten Besucher unterbrachte, logierte diesmal der VfL.

Goalgetter Ewald Nienhaus nächtigte sogar im Bett des Bundespräsidenten, ohne auf den Widerspruch von Gelegenheitsgast Theodor Heuss zu stoßen. Denn der wohnte vorwiegend in Bonn – sein erster Amtssitz war damals noch die „Villa Hammerschmidt“. Die lokale Presse hatte ihren Spaß und eine hübsche Schlagzeile: „Nienhaus schlief im Bett von Prof. Heuss“. Für die Osnabrücker wäre ein Sieg in Berlin mutmaßlich noch viel aufregender gewesen, doch Tennis Borussia hatte am Ende – trotz eines Nienhaus-Tores – mit 2:1 die Nase vorn.

Der VfL gewann das Rückspiel, verlor aber auch in Essen und Stuttgart und musste sich am Ende mit Gruppenplatz 3 begnügen. Immerhin lud VfL-Präsident Friedel Schwarze seine tapferen Kicker zum Endspiel nach Ludwigshafen ein, wo Stuttgart nach einem 3:2-Sieg gegen Saarbrücken Deutscher Meister wurde. Ewald Nienhaus spielte noch bis 1953 beim VfL Osnabrück. In 96 Punktspielen erzielte er 45 Tore für die Lila-Weißen.

Ausgabe 8, 3/2014 | Autor: Thorsten Stegemann

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