Wem hilft Snoezelen?

Zwei Zivildienstleistende aus den Niederlanden kamen 1978 auf eine ebenso simple wie faszinierende Idee: Könnte nicht allein der Aufenthalt in einem gemütlichen, angenehm temperierten, von Musik und Lichteffekten durchfluteten Raum positive therapeutische Wirkungen entfalten? Tatsächlich führten schon die ersten Versuche zu überzeugenden Ergebnissen.

Seitdem gewinnt das Snoezelen immer mehr Unterstützer und auch die Anwendungsbereiche erweitern sich ständig. Die Therapie wird nicht nur bei Menschen mit geistigen Behinderungen, sondern auch in Kindergärten und Schulen, Freizeit- und Senioreneinrichtungen eingesetzt.

Wie snoezelt das Klinikum Osnabrück?

Drei eigens gestaltete Räume, die der sensorischen Stimulierung von Menschen mit Behinderungen dienen, wurden im Klinikum Osnabrück eingerichtet. Die besondere Atmosphäre des Snoezelens hilft den Ärzten und Therapeuten, die jeweilige Krankengeschichte individuell aufzuarbeiten.
Vor allem stark wahrnehmungsgestörte Patienten empfinden die optische Gestaltung der Räume, aber auch außergewöhnliche Aromen, Klänge oder Lichtspiele als wohltuend und entspannend. Die Oberärztin Ruth Janßen für Neurologie/Neurologische Frührehabilitation am Klinikum Osnabrück erklärt: „Um eine therapeutische Wirkung zu erzielen, muss das Snoezelen allerdings genau auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt werden. Die Biografien und Krankheitsbilder der Patienten spielen deshalb eine ebenso wichtige Rolle wie ihre familiären oder sozialen Lebensumstände.“

Das Klinikum strebt eine ganzheitliche Umsetzung im Alltag an. Inhaltliche Schwerpunkte und methodische Vorgehensweisen werden deshalb in regelmäßigen Teamsitzungen diskutiert. Außerdem laufen verschiedene Weiterbildungsmaßnahmen für das Klinikpersonal, die auf medizinisch-therapeutischen Ausbildungen wie etwa Physiotherapie, Ergotherapie oder Neuropsychologie aufbauen. „Ziel ist es, das Snoezelen in das therapeutische Konzept und die örtlichen Gegebenheiten der Neurologischen Frührehabilitation zu integrieren“, so Oberärztin Janßen.

Wer kann helfen?

Die Einrichtung von Snoezelen-Räumen und die therapeutische Umsetzung verursachen erhebliche Kosten. Das Klinikum sucht daher noch ehrenamtliche Helfer. Auch Sach- und/oder Geldspenden sind sehr willkommen.
Um das Thema einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu machen, findet am 30. April 2015 eine große Benefiz-Gala im Haus der Jugend statt (Beginn: 19.30 Uhr). Mit Tanzdarbietungen, Live-Musik und Comedy ist für beste Unterhaltung gesorgt. Eintrittskarten gibt es zum Preis von 10 Euro am Empfang ZNG Klinikum Osnabrück. Und spenden dürfen natürlich alle Besucher!
Weitere Informationen zum Snoezelen-Projekt des Klinikums gibt es im Sekretariat der Neurologischen Frührehabilitation unter Telefonnummer 0541 / 405–6521.

Was bedeutet Snoezelen?

Snoezelen ist ein Kunstwort, das aus den niederländischen Verben „snuffelen“ und „doezelen“ zusammengesetzt wurde. Die freie Entscheidung der Patienten („Snuffelen“) steht also gleichberechtigt neben Zuwendung und Geborgenheit („Doezelen“).

Snoezelen…

„… ist eine ausgewogen gestaltete Räumlichkeit, in der durch harmonisch aufeinander abgestimmte multisensorische Reize Wohlbefinden und Selbstregulationsprozesse bei den Anwesenden ausgelöst werden. Durch die speziell auf die Nutzer hin orientierte Raumgestaltung werden sowohl therapeutische und pädagogische Interventionen als auch die Beziehung zwischen Anleiter und Nutzer gefördert. Snoezelen kann im Kranken-, Behinderten- und  Nichtbehindertenbereich wirksam angewendet werden.“
-> Arbeitsdefinition der Deutschen Snoezelen-Stiftung

Ausgabe 9, 1/2015 | Autor: Thorsten Stegemann

Bildnachweise

Snoezelen-Raum: ©Thomas Heekeren