Wer kickt in der Region? (1)

„Osnabrücker Wissen“ startet in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Fußballverband (NFV) eine neue Reihe über geschichtsträchtige Vereine in der Region. Im Mittelpunkt stehen die Fußballabteilungen der Klubs. Auf der Suche nach herausragenden Persönlichkeiten und besonderen Momenten wurden wir zunächst in der Gemeinde Wallenhorst fündig.

Schon in den 1920er Jahren gab es erste Bemühungen, in Lechtingen einen Fußballverein ins Leben zu rufen. Doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg machten die Sportfreunde ernst. Im Januar 1947 luden die Herren Willi Hüggelmeyer, Günter Macke, Wilhelm Rolf und Anton Wahmhoff zu einer Versammlung ein, auf der 62 Menschen ihre verbindliche Zusage zum Vereinsbeitritt gaben. Die Gründungsversammlung fand schon im Februar statt, nachdem eine Geldsammlung den stolzen Betrag von 672,70 Reichsmark eingebracht hatte.
Warum sich der Verein für die Farben schwarz und weiß entschied, kann leider niemand mehr seriös beantworten. Es wird jedoch gemutmaßt, dass bei der Auswahl alle anderen in Frage kommenden Farben schon von Nachbarvereinen genutzt wurden.

Wo ist die Heimat der Fußballer?

Nach mehrfachem Wechsel der Sportplätze wurde der jetzige Sportplatz an der Osnabrücker Straße im Mai 1974 feierlich eingeweiht. Die Entwicklung nahm dann einen rasanten Verlauf: Turnhalle, Ansiedlung der Tennisanlage im Jahr 1975, Tennenplatz mit Flutlicht im Jahr 1982, Vereinsheim mit Geschäftsstelle im Jahr 1990, Mehrzweckhalle am Schulweg im Jahr 2000, Umbau des Tennenplatzes in einen Kunstrasenplatz neuester Generation im Jahr 2013.
Aus den 62 Mitgliedern von 1947 sind mittlerweile rund 1.300 geworden. Die Sportfreunde haben sich damit zu einem echten Breitensportverein entwickelt. Neben dem Fußball werden zum Beispiel alle Bereiche des Allgemeinsports von der Leistungsriege über Badminton bis hin zu Walking, Nordic-Walking und Gesundheitssport angeboten.

Welche Erfolge feierten Lechtinger Fußballer?

Nach einer Berg- und Talfahrt zwischen Kreisklasse und Kreisliga gelang den Sportfreunden 2006 der große Coup. Durch die Neugliederung auf Bezirksebene feierten die Kicker quasi einen doppelten Aufstieg, indem sie die Bezirksklasse übersprangen und direkt in die Bezirksliga einzogen. Auch in Sachen Fairness setzten die Lechtinger Ausrufezeichen. 2002/03 wurden sie als fairste Mannschaft Niedersachsens ausgezeichnet und zur Ehrung durch den Niedersächsischen Fußballverband nach Barsinghausen eingeladen.
Aktuell gehören die Sportfreunde zu den Spitzenteams in der Kreisliga Osnabrücker Land (Nord).

Wann kamen die „Großen“?

1987, 2007, 2009 und 2012 waren die Sportfreunde Gegner des VfL Osnabrück. Auch wenn die Amateure hier klar das Nachsehen hatten, waren die Zuschauer begeistert. Rund 2.000 Fans verfolgten die Duelle mit dem großen Nachbarn.
Die „Alten Herren“ schwärmen dagegen noch heute vom Auftritt einer Uwe Seeler-Traditionsmannschaft. Das Team mit „Uns-Uwe“, Helmut Rahn, Max Lorenz, Hans Tilkowski und vielen anderen Stars gastierte 1979 an der Osnabrücker Straße.

Eine menschliche Tragödie

Der Tod des an Leukämie erkrankten Trainers Holger Ickert gehört zu den schlimmsten Ereignissen der Vereinsgeschichte. Er erschütterte vor acht Jahren viele Menschen in der Region.

Trotz aller Bemühungen, die in einer Typisierungs-Aktion der Deutschen Knochenmarkspenderdatei und einem emotionalen Benefizspiel gipfelten, erlag Holger Ickert im Oktober 2006 der heimtückischen Krankheit.

Wie sieht die Zukunft aus?

2004 bildeten die Vereine TSV Wallenhorst und Sportfreunde Lechtingen eine Jugendspielgemeinschaft, um allen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit einer leistungsstarken fußballerischen Ausbildung vor Ort zu ermöglichen. Von der A- bis zur D-Jugend hat sich dieses Konzept bisher bewährt.
Auf die Nachwuchsarbeit wurde bei den Sportfreunden aber schon in früheren Zeiten großer Wert gelegt. Neben allen ehrenamtlichen Mitstreitern tat sich hier in den 90er Jahren Jugendwart Udo Becker hervor. Die vielen von ihm organisierten Fahrten – jeweils über Ostern ins spanische Calella – sind bis heute legendär. Viel Resonanz erfuhr auch das Turnier für F-Jugendmannschaften, das alljährlich um den 1. Mai herum veranstaltet und von Thomas Brickwedde ins Leben gerufen wurde. Bis zu acht Bundesligisten schickten ihren Nachwuchs an die Osnabrücker Straße. Für die übrigen acht teilnehmenden Mannschaften aus der Region bedeutete dieses Turnier immer wieder den Höhepunkt der Saison. Leider fand die Veranstaltung 2012 zum letzten Mal statt.
Doch an ähnlich attraktiven Angeboten für die Kicker von morgen und übermorgen wird fleißig gearbeitet. Gut möglich, dass sich Youngster der Sportfreunde schon bald wieder mit dem Nachwuchs der Bundesligisten messen können.
www.sf-lechtingen.de

Ausgabe 8, 3/2014 | Autor: Heinz Schleibaum

Bildnachweise

Bildmaterial: ©Sportfreunde Lechtingen