Wer kickt in der Region? (3)

Unser Kooperationsprojekt mit dem Niedersächsischen Fußballverband (NFV) macht Station im Widukindland, wo der VfB Schinkel beheimatet ist. Der Klub, der im April 1919 in der Gaststätte „Balke“ gegründet wurde, überstand eine Zwangsfusion im Dritten Reich, Abstiege, den fast vollständigen Verlust der einst hochgelobten Jugendabteilung – und so manchen anderen Rückschlag. Doch vier Jahre vor dem 100. Geburtstag blickt der VfB, der als reiner Fußballverein rund 500 Mitglieder zählt, wieder optimistisch in die Zukunft.

Wer trifft auf engstem Raum?

Dass der Sieger des SOCCER-CAGE-CUP, mit dem der VfL Osnabrück jüngst die Dribbelkünste der hiesigen Fußballjugend testete, vom VfB Schinkel kommt, ist wohl kein Zufall. Noch vor wenigen Jahren hätte Turniersieger Noel Ansias-Munoz kaum Mannschaftskollegen gefunden, doch heute trainieren „Am Zuschlag“ wieder knapp 200 Kinder und Jugendliche. „Wir freuen uns riesig über diese Entwicklung, die vor allem ein Verdienst unseres Jugend-Obmanns Aleksandar Valjanov ist. Ohne sein großes Engagement hätte es diesen Aufwärtstrend nicht gegeben“, erzählt der 1. Vorsitzende Jens Schawe im Gespräch mit „Osnabrücker Wissen“. Die jungen Kicker werden in kleinen Kadern von zwei Trainern betreut und erzielen in ihren Altersklassen bereits beträchtliche Erfolge. Zur Begrüßung bekommen die Kids vom VfB übrigens einen Trainingsanzug mit Windbreaker und Sporttasche. Der Nachwuchs ist dem Verein einiges wert – Sachkosten werden durch Turniere wie den Himmelfahrtscup oder die Sponsoren-Vereinigung „VfB-Kids“ gedeckt.

Wer lernte das Fußballspielen beim VfB?

Die erstklassige Jugendarbeit war auch in vergangenen Jahrzehnten ein Markenzeichen des VfB. Zwei Spieler, die „Am Zuschlag“ ihre ersten Fußballschuhe schnürten, wurden später Dauerbrenner an der Bremer Brücke. Detlev Hegekötter absolvierte zwischen 1972 und 1980 insgesamt 220 Punktspiele für den VfL. Lothar Gans kam zwischen 1975 und 84 sogar auf 293 Partien für den damaligen Zweitligisten, dem er bekanntlich noch immer eng verbunden ist. Gans fungiert heute als Sportkoordinator des VfL.

Walter „Charly“ Komorowski nahm den umgekehrten Weg. Nachdem er in den 1950er Jahren 190 Spiele für den VfL bestritten hatte, wurde er Amateurtrainer und coachte unter anderem den VfB. Sein Sohn, der ebenfalls Walter heißt und auch „Charly“ gerufen wird, kümmert sich bis heute um das viel besuchte Vereinsheim der Schinkelaner.

Wie viele Weber passen  in eine Elf?

Wenn man eine der erfolgreichsten Mannschaften der Vereinsgeschichte zugrunde legt: genau drei. 1932 gelang dem VfB der Aufstieg in die 1. Bezirksliga. Das Team, in dem drei Kicker mit dem Nachnamen „Weber“ spielten, gehörte in den folgenden Jahren zu den erfolgreichsten Fußballmannschaften in und um Osnabrück. Der Vereinsname muss allerdings bald geändert werden.

Woraus bestand Schinkel 04?

Teil des nationalsozialistischen Größenwahns war die Bildung von Massenvereinen, zu denen sich kleinere Klubs zusammenschließen mussten – oft nach dem Rauswurf oder der gewaltsamen Vertreibung unliebsamer Mitglieder. Im Schinkel traf es auch den VfB, der 1936 mit dem TV Friesen Schinkel, dem TV 1919 Schinkel und DJK Blau-Weiß 1920 Born zur SG Schinkel 04 fusioniert wurde. Auch der Osnabrücker FV 06 stieß noch zu der Zwangsgemeinschaft, der 1939 der Aufstieg in die Gauliga Niedersachsen gelang. Hier gewannen die Schinkelaner 1941/42 mit 4:3 gegen den VfL und platzierten sich ein Jahr später sogar in der Abschlusstabelle vor dem Stadtrivalen. Nach dem Zweiten Weltkrieg trennte sich der VfB wieder von Schinkel 04 – der ehemalige Großverein schloss sich 2005 der TSG Burg Gretesch an.

Was kommt nach dem Aufstieg?

2014 gelang der ersten Herrenmannschaft des VfB Schinkel der ausgiebig gefeierte Aufstieg in die 1. Kreisklasse Stadt. Das Team von Jens Schawe, der hier als Cheftrainer fungiert, konnte sich auf Anhieb in der Spitzengruppe festsetzen. Stolze 93 Tore erzielte der VfB in der abgelaufenen Saison und wenn es nach Schawe geht, können 2015/16 noch viele dazukommen. „Wir wollen wieder oben mitspielen und in absehbarer Zeit noch einmal aufsteigen. Wenn wir 2019, zum 100. Geburtstag, in der Kreisliga antreten, wäre das doch eine tolle Sache!“

Ausgabe 10, 2/2015 | Autor: Thorsten Stegemann

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Bilder ©VfB Schinkel