Wie hart sind Peacekeeper?

„Über den Zaun, drunter durch, dann Sonnenanbeter, fünf Liegestütze, locker hin, fünf Strecksprünge und Sprint zurück!“ Was klingt wie militärische Befehle, ist das Aufwärmprogramm der einzigen Lacrosse-Mannschaft Osnabrücks.

Sie trifft sich jeden Montag und Donnerstag in den Abendstunden auf dem alten Kasernengelände in Eversburg – wie passend für diese Sportart. Nicht nur wegen der Intensität des Aufwärmens, sondern auch aufgrund ihrer Herkunft. Indianische Völker an der amerikanischen Ostküste „spielten“ Lacrosse bereits vor Jahrhunderten zur Kriegsvorbereitung. Heute wird es ausschließlich als Vereinssport betrieben.

Wie kam Lacrosse nach Osnabrück?

Christopher Jahn organisiert seit 2012 die Lacrosse-Teams in Osnabrück. Neben einer Herren- gibt es auch eine Damenmannschaft. Die Herren spielen in der Zweiten Bundesliga Nord und müssen ihre Auswärtsspiele aufgrund der noch geringen
Popularität im weiten Raum zwischen Göttingen und Kiel bestreiten. Damit auch die Damen teilnehmen können, werden für gewöhnlich Spielgemeinschaften gebildet. Die Osnabrücker Lacrosse-Damen stellen mit Braunschweig aber auch eine Mannschaft in der Zweiten Bundesliga. Bunt gemischt sind beide Teams. „Schüler, Studenten und Ausstudierte“, nennt Magnus Piete diese Konstellation. Er selbst steckt gerade in der Examensvorbereitung seines Jura-Studiums. Die Idee, Lacrosse in Osnabrück zu spielen, hat Chris aus seinem vorherigen Studienort mitgebracht. In den USA stellt fast jede Universität und jede Großstadt ein Lacrosse-Team. Der Nord-Osten der USA und die teuersten Universitäten wie Princeton und Duke geben hier den Ton an. In Amerika gilt das Spiel, das es 1904 und 1908 sogar ins olympische Programm schaffte, deshalb als „Sport der Reichen“, was (neben der Popularität) der mit Abstand größte Unterschied zur
deutschen Variante ist.

Wie wird gespielt?

Jedes Team besteht aus neun Feldspielern und einem „Goalie“ (Torwart) und versucht, den 140 Gramm schweren Hartgummiball im Tor der gegnerischen Mannschaft unterzubringen. Die Tore sind etwas kleiner und niedriger als ein Handball-, aber etwas größer und breiter als Icehockey-Tore. Die Zone hinter den Toren darf bespielt werden, außerdem gibt es einen „Stick“, mit dem der Ball in einem kleinen Netz am Schlägerende aufgenommen, gepasst und als Torschuss geworfen werden kann. Mit dem Ball im Netz des Schlägers zu laufen, erfordert großes Geschick. „Es ist so, als würde man wie beim Eierlaufen ein Ei auf einem Löffel balancieren. Nur das dir gleichzeitig noch jemand auf den Löffel schlägt und du geschubst und umgerannt wirst“, erklärt Christopher. Nicht umsonst müssen Anfänger zuerst das Laufen mit dem Ball lernen. Der  sogenannte „Cradle“ ist das koordinative Schlüsselelement des Sports.

Woher kommt der Name „Peacekeeper“ (Friedenshüter)?

„Der Sport lebt von Anglizismen und jede Mannschaft hat einen amerikanischen Namen. Durch die soldatische Herkunft des Sports und die Bekanntheit von Osnabrück als Friedensstadt, hat sich der Name somit recht einfach abgeleitet“, erläutert Magnus Piete.
Genau wie Soldaten tragen die Spieler Helme bzw. eine Gesichtsmaske, außerdem Brust- und Rückenprotektoren, einen Tiefschutz, gepolsterte Handschuhe und spezielle Stollenschuhe, mit denen auf Kunstrasen gespielt wird. „Das was Hockeyspieler am Boden machen, machen wir in der Luft und zwar cooler. Bücken kann sich schließlich jeder“, meint Pauline (23) und zeigt dabei lachend ihren Mundschutz. Seit kurzem wird man in Eversburg dem Namen „Peacekeepers“ noch gerechter. In der Nähe des Platzes ist ein afghanischer Flüchtling untergebracht. Ein Sponsor sorgte für eine Ausrüstung, damit er zukünftig am Training und später am Spielbetrieb teilnehmen kann. Christopher Jahn ist auf diese Aktion besonders stolz, da sein Sport so einen kleinen Beitrag zur Integration von Geflüchteten leisten kann.

Mitmachen?
Trainiert wird am Montag und Donnerstag (20.00-21.30 Uhr) auf dem Hockeyplatz des Kasernengeländes in Eversburg. Interessenten sind herzlich willkommen. Leihausrüstung gibt es vor Ort.

Ausgabe 15, 3/2016 | Autor: Jonathan Hafkemeyer

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