Wie wurde die Schlaganfall-Behandlung revolutioniert?

In den letzten 20 Jahren hat ein grundsätzlicher Wandel der Schlaganfall-Behandlung stattgefunden. Das Ziel ist dabei immer, die Lähmung und/oder Sprachstörung vollständig zu beheben oder wenigstens die Folgen so gering wie möglich zu halten.

Noch Ende der 80er-Jahre konnte den meisten Patienten mit einem akut aufgetretenen Schlaganfall nur durch Reha-Maßnahmen, wie Krankengymnastik oder Ähnlichem geholfen werden. Die Lähmungen und Sprachstörungen, die aus dem Schlaganfall resultierten, waren meist aber unverändert und Zeit ihres Lebens weiter vorhanden. Mitte der 90er-Jahre fand dann die medikamentöse Behandlung Einzug in die Regelversorgung, indem intravenös Medikamente zur Auflösung des Blutgerinnsels eingesetzt wurden. Dadurch konnte bereits vielen Patienten geholfen und die Auswirkungen des Schlaganfalls vermindert werden. Patienten, die allerdings ein sehr großes Blutgerinnsel oder einen Gefäßverschluss als Ursache des Schlaganfalls haben, sind in der Regel sehr schwer betroffen, z.B. mit einer hochgradigen Halbseitenlähmung und weitreichenden Sprachstörungen. Sie profitieren von einer medikamentösen Auflösung des Blutgerinnsels deutlich weniger als die Patienten mit kleineren Blutgerinnseln. Diese schwere Form des Schlaganfalls trifft für 10-15% der Schlaganfallpatienten zu. In Stadt und Landkreis Osnabrück entspricht dies ca. 120-150 Patienten pro Jahr, die einen solch schweren Schlaganfall erleiden.

Was leistet die Kombinationstherapie?

Seit sechs Jahren stehen der Medizin nun auch sichere und effektive mechanische Katheter-Techniken zur Entfernung großer Blutgerinnsel aus den Gehirnarterien sowie zur Wiedereröffnung akuter Gefäßverschlüsse zur Verfügung.

In groß angelegten Studien wurde jetzt die Überlegenheit der kombinierten mechanischen und medikamentösen Behandlung gegenüber der rein medikamentösen Therapie auch wissenschaftlich bewiesen. Im Klinikum Osnabrück wird diese Kombinationstherapie bereits seit 2009 mit großem Erfolg durchgeführt. Aufgrund der hohen Anzahl solcher Eingriffe und der engen interdisziplinären Zusammenarbeit der Abteilungen für Neurologie, Radiologie, Anästhesie und Neurochirurgie ist dabei eine hohe fachliche Kompetenz im Laufe der Jahre entstanden. Durch die moderne CT-Diagnostik, das neu eröffnete Zentrum für Neuromedizin und jetzt auch durch die Neuanschaffung einer hochmodernen Katheter-Angiographie-Anlage, deren Funktion auf die Notwendigkeiten der Behandlung der Hirngefäße speziell ausgerichtet ist, sind die fachlichen Kompetenzen mit den neuesten technischen Entwicklungen zur Behandlung von Schlaganfallpatienten am Finkenhügel zukunftsweisend vereint.
Zusammenfassend kann bereits heute bei der Behandlung des akuten Schlaganfalls von einer Revolution gesprochen werden. Frühzeitig eingesetzt kann die kombinierte mechanische und medikamentöse Behandlung tatsächlich vielen betroffenen Menschen zu einem selbstbestimmten und unbeeinträchtigten Leben nach dem Schlaganfall verhelfen.

Was ist Angiographie?

Angiographie nennt man in der Medizin die Darstellung von Gefäßen, meist Blutgefäßen, mittels diagnostischer Bildgebungsverfahren, beispielsweise Röntgen oder Magnetresonanztomographie (MRT). Hierzu wird häufig ein Kontrastmittel in das Blutgefäß injiziert. Auf dem Bild der aufgenommenen Körperregion zeichnet sich dann der mit dem Kontrastmittel gefüllte Gefäßinnenraum ab. Das resultierende Bild nennt man Angiogramm. Das Klinikum Osnabrück hat im Jahr 2015 das leistungsfähigste Angiographie-Gerät in Betrieb genommen, das derzeit verfügbar ist. Das neue Gerät hat im Vergleich zum Vorgängermodell eine deutlich bessere Bildqualität, eine geringere Strahlendosis und ermöglicht eine Gefäßdarstellung, die mit einer Computertomographie vergleichbar ist.

Ausgabe 10, 2/2015 | Autor: Beitrag der Redaktion

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Bilder ©Klinikum Osnabrück, allg. Text Angiographie ©wikipedia.de